Anleger-Lieblinge im Check - was taugen sie?
24.03.2020 Jochen Kauper

Daimler: Erhöhen die Chinesen ihren Anteil? Vorstand steht zur Dividende und erteilt Staatshilfen eine Absage - Aktie klettert weiter

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Daimler

Konjunktursensible Titel wie die Autowerte hatten zuletzt an der Börse schlechte Karten. Die Daimler-Aktie hat deshalb seit Ausbruch der Krise knapp 44 Prozent verloren. Der Börsenwert beträgt nur noch 26,4 Milliarden Euro. Nutzen die chinesischen Konkurrenten Geely und BAIC das Kursniveau, um ihre Anteile weiter auszubauen?

"Dividende steht"

Daimler-Vorstand Ola Källenius steht zu seinen Dividendenplänen. "Unser Vorschlag für eine Dividende steht, und es gibt keinen Anlass, zu diesem Zeitpunkt etwas zu ändern", sagte Daimler-Vorstandschef Ola Källenius dem "Handelsblatt" am Montag. Daimler hatte Mitte Februar vorgeschlagen, für das vergangene Jahr eine Dividende von 90 Cent je Aktie zu zahlen - ein Jahr zuvor waren es noch 3,25 Euro gewesen. Auf dem aktuellen Niveau entspricht das einer Dividendenrendite von 3,65 Prozent.

"Hohe Liquidität"

"Wir sind mit einer hohen Liquidität solide ausgestattet. Der Fokus liegt in den kommenden Wochen nun darauf, diese Situation zu managen und Liquidität zu sichern." Deshalb wies Källenius auch klar und deutlich darauf hin ,dass Daimler keine Staatshilfen benötigen werde. "Über einen solchen Schritt haben wir nicht diskutiert", sagte der Schwede dem Handelsblatt.

Greifen Geely und BAIC weiter zu?

Zuletzt wurde in den Medien auch immer wieder darüber spekuliert, China würde die Chance nutzen, deutsche Technologie günstig einzukaufen. Was Daimler betrifft, so könnten die beiden Autohersteller Geely und BAIC die Zeit nutzen, ihre Anteile weiter aufzustocken. Geely hält aktuell rund 9,7 Prozent, BAIC kommt auf rund fünf Prozent.


daimler.com

"Es wäre ein Segen für Daimler, wenn sich Geely bei den niedrigen Aktienkursen einkauft."

Ferdinand Dudenhöffer Universität St. Gallen

"Es wäre ein Segen für Daimler, wenn sich Geely bei den gefährlich niedrigen Aktienkursen einkauft. Daimler steht derzeit nicht so optimal da. Und die Aufgaben für die Zukunft sind riesig und Geely hat gezeigt, wie man aus schwachen Unternehmen Stars machen kann, etwa bei Volvo", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber DER AKTIONÄR.

"Tatsache ist, dass wir sowohl mit Geely als auch mit BAIC zwei langfristig orientierte Aktionäre haben, mit denen wir hervorragend zusammenarbeiten. Das wird auch so bleiben", sagte Daimler-Chef Källenius zu diesem Thema.

JP Morgan senkt Umsatz- und Ergebnisprognose für Daimler

JPMorgan-Analyst Jose Asumendi hat vor wenigen Tagen wegen der Corona-Pandemie seine Prognose für die weltweite Fahrzeugproduktion im laufenden Jahr deutlich nach unten geschraubt. Entsprechend reduzierte er seine Umsatz- und Ergebnisschätzungen für Daimler für die Jahre 2020 und 2021. Dennoch sei er davon überzeugt, dass der Einbruch kurzlebig und für das zweite Halbjahr mit einer schnellen Erholung des Automobilsektors zu rechnen sei, schrieb der Experte in einer Branchenstudie.

Daimler (WKN: 710000)

Dass die Automobil-Hersteller derzeit ohnehin in einer schwierigen Phase stecken kommt noch dazu. Hohe Investitionen in die Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste wird die Gewinne zudem auffressen. Dennoch: Mit einem Börsenwert von nur noch 23 Milliarden Euro für Daimler hat der Markt bereits vieles eingepreist. Zum Vergleich: Sollte Daimler einen Umsatzrückgang von 25 Prozent im Jahr 2020 hinnehmen müssen, so würde dieser noch immer bei rund 137 Milliarden Euro liegen.

Die Aktie notierte im Tief nur knapp 15 Prozent über dem Niveau der Finanzkrise 2009. Anleger mit langem Atem wagen eine Position.

(Mit Material von dpa-AFX).