26.03.2019 Jochen Kauper

Daimler, BMW & Co: Was hat der Brexit für Auswirkungen auf die Autobauer?

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BMW
Trendthema

Es sind keine drei Wochen mehr bis zum neuen Austrittstermin der Briten am 12. April. Die EU hat verkündet, dass ein No Deal von Tag zu Tag wahrscheinlicher werde. Und was passiert in England? Premierministerin Theresa May ist längst nicht mehr Herrin der Lage. Vielmehr ist sie zum Spielball  unterschiedlichster Mächte im Parlament und in der Partei geworden. Am Montag hat nun Theresa May auch die wichtigen Abstimmungen im Parlament verloren. Soll heißen: Das Kabinett ist immer noch zerstritten und Theresa May hat weiterhin keine Mehrheit für ihren Deal. 

UK kleines Licht im Weltautomarkt
Nur was hat das alles für Auswirkungen auf die Produktions-Standorte der Autobauer?
Was den Weltautomarkt betrifft, so hat England eine geringe  Bedeutung. 2018 wurden in England 2,37 Millionen neue Autos zugelassen. Das entspricht gerade einmal 2,8 Prozent der weltweiten Verkäufe. Selbst wenn der UK-Markt um 25 Prozent einbrechen würde, was jetzt nicht unbedingt zu erwarten ist, würde der weltweite Nachfrageausfall gerade mal 0,7 Prozent des gesamten Automarktes weltweit ausmachen.

Quelle: CAR-Institut

„Daher sind überzogene Befürchtungen auf der Nachfrageseite wenig realistisch. Der VW-Konzern verkauft in England weniger als 5 Prozent seiner Pkw-Neuwagen. Selbst bei einem Brexit würde der Verkaufs-Verlust im VW-Konzerne eher im ein Prozent Bereich liegen“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut.
Etwas anders sieht es für Autobauer und Zulieferer mit eigenen Werken auf der Insel aus.

Quelle: CAR-Institut

Am schlimmsten dürfte es JaguarLandrover treffen, denn dort ist man extrem vom Produktionsstandort England abhängig. "Bei BMW dürften die Wachstumsraten für Mini-Produktionen in UK Vergangenheit sein. Gleichzeitig wird der BMW-Motoren-Standort Hams Hall zum Teil durch „doppelte Verzollung“ bestraft. Die Risiken für Autobauer und Zulieferer, ihre Engagements in England wie bisher fortzusetzen, sind zu hoch, es fehlt an Planbarkeit. Dudenhöffer geht davon aus, dass die 185.000 Beschäftigte in der Auto-und Zulieferindustrie in den nächsten 15 Jahren um bis zu 50 Prozent reduziert werden. „Einerseits durch den Übergang zur Elektromobilität, bei der bis zu 20 Prozent der Arbeitsstellen eingespart werden. Zum anderen durch den Brexit“, sagt Dudenhöffer.

BMW baut Motoren in Großbritannien

Fakt ist: Die UK-Standorte der Autobauer werden wohl zu den großen Verlieren werden. Dennoch sollte man das Ganze nicht zu hoch hängen. Der UK-Automarkt hat im Weltautomarkt ein zu kleines Gewicht, dass es die Absätze von VW, Daimler und BMW stark belasten könnte. Dennoch: Von den großen deutschen Autobauern trifft die Brexit-Problematik BMW am stärksten.  „Es ist natürlich klar, dass für uns ein Mangel an Planungssicherheit nicht hilfreich ist", sagt BMW-Sprecherin Christina Hepe im Gespräch mit der Abendzeitung. Auch auf die bayerischen Standorte wie München, Dingolfing oder Landshut hätte ein ungeordneter Brexit große Auswirkungen: Denn BMW lässt in Großbritannien Motoren produzieren, die in Deutschland verbaut werden. Auch hier könnten Lieferverzögerungen zu teuren Produktionsausfällen führen.

Schwache Performance von BMW, Daimler und VW
Was die Aktie von VW betrifft, so heißt es vorerst abwarten. 70 Neue Elektroflitzer will VW in den nächsten Jahren auf den Markt bringen. Der Ausbau der Elektromobilität wird konsequent vorangetrieben. Dennoch: Die VW-Aktie hat im Zuge des schwachen Gesamtmarktes zuletzt den Rückwärtsgang eingelegt. Die nächste Unterstützungszone liegt im Bereich zwischen 137,70 Euro und 133,40 Euro.

BMW unter Druck

Das Papier von BMW ist in den letzten Tagen weiter auf Tauchstation gegangen. Die letzten Zahlen waren schlecht, der Ausblick überschaubar und die Dividende wurde ebenfalls gekürzt. Die Zusammenarbeit mit Daimler in Sachen Car-Sharing und autonomes Fahren ist richtig, jedoch wird es weitere Deals für BMW benötigen, die schwierige Kehrtwende weg von den Verbrenner hin zur Elektromobilität zu stemmen. Die nächste Unterstützung wartet im Bereich von 65,80 Euro. So niedrig notierte die Aktie im Juli 2016.