Profitieren Sie von Korrekturen
18.12.2018 Fabian Strebin

Commerzbank: Kundennähe statt Kahlschlag

-%
Commerzbank

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Deutschland 10.000 Bankfilialen weniger. Mittlerweile schließen nicht mehr nur private Institute wie Deutsche Bank und Hypovereinsbank reihenweise Standorte. Auch Sparkassen und VR-Banken sind dabei. Nur die Commerzbank beteiligt sich nicht am Streichkonzert.

„Unser Filialnetz steht nicht zur Disposition“, sagt Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. An den 1.000 Filialen soll trotz hoher Kosten für die Digitalisierung nicht gerüttelt werden. Privatkundenvorstand Michael Mandel sagt im Interview: „ Die Commerzbank gewinnt dort überdurchschnittlich viele Privatkunden, wo Wettbewerber gerade Filialen schließen. Und mit unseren Kunden in den Filialen machen wir mehr Ertrag als mit reinen Online-Kunden.“

Trotz des Trends hin zum Smartphone besuchen seit zehn Jahren fast unverändert 450.000 Menschen täglich die Filialen des Konzerns. Die Commerzbank ist überzeugt, dass sie den Kundenkontakt vor Ort als Wachstumstreiber braucht. Auch wenn die Bank an den 1.000 Filialen festhält, wird im Filialnetz trotzdem kräftig gespart. Denn laut Konzernangaben sind die meisten Standorte von der Fläche her zu groß. Die neuen City-Filialen haben dagegen eine durchschnittliche Fläche von 80 bis 100 Quadratmetern statt vorher 300 bis 400 Quadratmetern. Die Standorte kommen dann mit nur noch zwei bis drei Mitarbeiter aus. Denn die meisten Kunden kämen in die Filialen um Geld abzuheben. Vor allem in größeren Städten setzt die Bank auf den Filialtyp.

Keine Empfehlung

Die Commerzbank stößt intelligent in die Lücke vor, die Wettbewerber durch Filialschließungen offen lassen. Bis zum Jahr 2020 will der Konzern zwei Millionen neue Privatkunden gewinnen. Dabei liegt die Commerzbank gut im Rennen. Allerdings dauert es anderthalb Jahre, bis sie mit den Sparern Geld verdient.

Der Konzernumbau schreitet also voran, schlägt sich aber noch nicht voll in den Zahlen nieder. Zumindest dürfte die Commerzbank das Jahr aber mit einem kleinen Gewinn abschließen Der Aktienkurs hat im laufenden Jahr jedoch 40 Prozent verloren. Anleger greifen nicht in das fallende Messer und bleiben bei der Commerzbank-Aktie außen vor

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0