Börsen-Achterbahn: Jetzt richtig handeln
12.04.2021 Fabian Strebin

Commerzbank: Bald Negativzinsen für alle Sparer?

-%
Commerzbank

Der Kurs der Commerzbank hat am Freitag nur knapp über der Marke von 5,00 Euro geschlossen und nähert sich damit immer mehr dem derzeitigen Aufwärtstrend bei 4,93 Euro. Während Anleger gebannt die Entwicklung der Papiere beobachten, läuft der Umbau bei dem Konzern im Hintergrund an. Im Fokus steht der Verkauf von ausländischen Töchtern und die Diskussion über neue Gebühren für Sparer flammt wieder auf.

Nach verschiedenen Medienberichten bereitet die Commerzbank den Verkauf der Ungarn-Sparte vor. Der Rückzug aus dem Ausland und die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft ist Teil der neuen Strategie, die Anfang des Jahres verkündet wurde. In Ungarn betreut das Finanzinstitut hauptsächlich Firmenkunden. Laut mit der Situation vertrauten Personen könnte die Commerzbank rund 100 Millionen Euro erlösen, so die Börsen-Zeitung. Potenzielle Käufer gibt es anscheinend mehrere. Neben der OTP Bank Nyrt haben auch die belgische KBC Group und die Raiffeisen Bank International aus Österreich ihr Interesse angemeldet. Die Gespräche befänden sich aber in einem früheren Stadium. Insgesamt will sich die Commerzbank aus 15 ausländischen Standorten zurückziehen.

Immer mehr Sparer sollen bezahlen

Aufhorchen ließ auch ein Interview der Commerzbank-Vorständin Sabine Schmittroth Ende letzter Woche im Handelsblatt. Als Arbeitsdirektorin ist sie für den Abbau von 10.000 Stellen verantwortlich. Zudem verantwortet sie die Sparte Privat- und Unternehmerkunden. Zu der Ausweitung von Negativzinsen auf Spareinlagen sagte sie: „An die breite Privatkundschaft werden wir keine Negativzinsen weitergeben, aber die Frage ist, wo das Ende der Breite ist.“ Die Höhe der Freibeträge werde im Fokus bleiben. Zuletzt wurden sie bei der Commerzbank auf 100.000 Euro gesenkt. Viele Konkurrenten bitten ab diesem Betrag ihre Kunden ebenfalls zur Kasse.

Nicht nur durch die Umsetzung der Strafzinsen rechnet die Commerzbank mit der Abwanderung von Kunden. „Die Schließung von Filialen, die Weitergabe von Negativzinsen und die Einführung von Gebühren für bestimmte Dienstleistungen werden dazu führen, dass wir Kunden verlieren", sagte sie. Die Bank kalkuliere mit einem möglichen Abgang von 1,7 Millionen Kunden. „Aber das ist eine Bruttozahl", so Schmittroth.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Mittelfristig bleibt die Commerzbank aussichtsreich, wenn auch nur für risikofreudige Anleger. Aktuell achten Anleger darauf, ob die Aktie den Aufwärtstrend bei 4,93 Euro testet. Solange der Kurs nicht unter diese Marke fällt, ist das Chartbild intakt und Mutige können eine Position aufbauen. Der Stopp liegt bei 4,00 Euro.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.

Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß § 85 WpHG: Aktien von Commerzbank befinden sich im Aktionär-Depot von DER AKTIONÄR

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0