21.01.2020 Martin Mrowka

Boeing: Nochmals ein halbes Jahr – Aktie sackt weiter ab

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Das Desaster um die für Boeing so wichtigen 737-Max-Flugzeuge geht in die Verlängerung. Der US-Flugzeugbauer rechnet nicht damit, dass die Flieger vor Juni oder Juli wieder abheben können. Mit einer Wiederzulassung der Baureihe sei "Mitte 2020" zu rechnen, hieß es am Dienstag-Abend. Die Boeing-Aktie sackte daraufhin auf das tiefstse Niveau seit Dezember 2018 ab.

Das Flugverbot für den Krisenjet 737 Max werde also etwa noch weitere sechs Monate andauern. Boeings 737 Max darf nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März 2019 rund um den Globus nicht mehr abheben. Als entscheidende Ursache der verheerenden Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Boeing-Flugzeuge. US-Fluggesellschaften hatten sich bereits auf einen Ausfall bis mindestens in den Juni eingestellt, dennoch war die Aufregung an der Börse am Dienstag groß.

Anleger reagierten sehr nervös und ließen Boeings Aktien um mehr als fünf Prozent bis auf das Tagestief bei 306 US-Dollar fallen. Angesichts der starken Kursbewegungen wurden die Papiere sogar zeitweise vom Handel ausgesetzt.

Boeing teilte mit, Kunden und Zulieferer über weitere Verzögerungen bei der Wiederzulassung der 737 Max informiert zu haben. Grund sei auch die "rigorose Prüfung" der Aufsichtsbehörden. Weitere Informationen will Boeing beim Quartalsbericht in der kommenden Woche liefern.

Boeing (WKN: 850471)

Die FAA gab in einem Statement bekannt, dass Boeings 737 Max die "höchsten Zertifizierungsstandards" erfüllen müsse, um wieder zugelassen zu werden. Beim Prüfungsprozess kooperiere die Behörde mit anderen internationalen Regulierern. "Wir haben keinen Zeitplan festgelegt, wann diese Arbeiten fertiggestellt werden", so die FAA. Denkbar ist, dass die Wiederzulassung also auch über Juli noch hinausgehen kann.

Boeing hatte zuletzt ein neues Software-Problem bei der 737 Max gefunden, das eine Wiederinbetriebnahme erschweren könnte. "Wir nehmen die notwendigen Updates vor", teilte das Unternehmen am vergangenen Freitag mit. "Unsere oberste Priorität ist, dass die 737 Max sicher ist und alle regulatorischen Vorgaben erfüllt sind, bevor sie wieder in den Betrieb geht."

Für den Airbus-Rivalen ist der Ausfall der 737 Max eine enorme Belastung, die hohe Sonderkosten und Imageschäden verursacht hat. Der Flugzeugtyp war bis zu den Abstürzen Boeings bestverkauftes Modell und einer der wichtigsten Gewinnbringer. Aufgrund der hohen Ungewissheit hinsichtlich der Wiederzulassung wurde die Produktion des Jets jüngst bis auf Weiteres ausgesetzt.  (Mit Material von dpa-AFX)

Die Aktie von Boeing ist stark angeschlagen. Mittlerweile ist zwar viel Negatives im Kurs eingepreist. Doch die Zukunft für das wichtige 737-Max-Modell bleibt ungewiss. Bis auf weiteres bleiben die Anteile des europäischen Konkurrenten Airbus die bessere Wahl. Der MDAX-Wert hatte am Montag bei 138,22 Euro ein neues Allzeithoch markiert. Die Analysten der SocGen haben das Kursziel für Airbus am Dienstag von 147 auf 157 Euro angehoben.