Erst der Absturz, jetzt der Rebound: Der Bitcoin steigt am Freitagabend zumindest zeitweise um rund 7 Prozent auf mehr als 71.000 Dollar. Am Vortag war er kurzzeitig unter 60.000 Dollar gerutscht. Die schnelle Wendung ist allerdings kein Zeichen für Normalisierung, sondern wirft vor allem eine unangenehme Frage auf.
War das schon die Kapitulation – oder erst der Anfang? Der Anstieg ist jedenfalls bislang erst einmal nur als technische Gegenbewegung nach einem Liquidations-Schock zu werten.
Brutaler Tag
Am Donnerstag kam es zum heftigsten Rutsch seit dem FTX-Schock. Der Tag war geprägt von Warnungen des „Big-Short“-Stars Michael Burry und Zwangsverkäufen. Verkaufswelle folgte auf Verkaufswelle (siehe Beiträge am Artikelende).
Bitcoin verlor im Tagesverlauf mehr als 13 Prozent und lag damit mehr als 50 Prozent unter dem Hoch vom Oktober. Treiber waren keine neuen „Bad News“, sondern Marktmechanik: Gehebelte Positionen flogen raus, Margin Calls griffen, Anleger zogen Geld aus ETFs ab.
Laut Bloomberg wurden in den vergangenen 24 Stunden rund 2,1 Milliarden Dollar an bullischen Krypto-Wetten liquidiert. Zusätzlich meldete der US-ETF-Markt am Donnerstag Abflüsse von 434 Millionen Dollar. Das sind genau die Flows, die in Stressphasen aus einer Abwärtsbewegung einen Sturz machen.
Krypto-Erholung
Heute läuft derselbe Prozess rückwärts. Käufer nutzen die Übertreibung, Shorts werden eingedeckt. Das treibt in illiquideren Coins die Ausschläge noch stärker: Ethereum lag zeitweise 12 Prozent vorn, Solana rund 9 Prozent, XRP zog um über 30 Prozent an.
Die Volatilität bleibt hoch. Der Bitcoin-Volmex-Index schoss laut Bloomberg auf über 97 Prozent, nachdem er am Donnerstag noch bei 57 Prozent lag. Das beschreibt den Zustand ziemlich gut: Der Markt ist nicht beruhigt, er ist nur in der Gegenbewegung.
Der Rebound ist technisch getrieben. Er lebt von Eindeckungen und kurzfristigem Risikoappetit. Entscheidend bleibt, ob frisches Kapital in den Markt kommt. Bleibt das aus, ist die Bewegung fragil – und die Zone um 60.000 Dollar schnell wieder relevant.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Ethereum, Bitcoin.
Heute, 19:30