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Bilfinger senkt Prognose: Marge bricht ein, bis zu 1.500 Stellen betroffen

Bilfinger senkt Prognose: Marge bricht ein, bis zu 1.500 Stellen betroffen
Foto: Strahlengang/Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 08:20 Ingo Nix
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Der Mannheimer Industriedienstleister kappt den Ausblick für 2026 und legt das Programm „Agile“ auf.

Bilfinger senkt die Prognose für 2026 und beschließt das Programm „Agile“. Bis zu 1.500 der rund 31.000 Stellen können betroffen sein. Einmalig kostet das rund 75 Millionen Euro, ab 2028 soll es jährlich etwa ebenso viel zum Ergebnis beitragen.

Beim Umsatz wirkt die Korrektur mild: 5,30 bis 5,70 Milliarden Euro statt 5,40 bis 5,90 Milliarden Euro. Die Botschaft steckt in der EBITA-Marge, also dem Anteil des Umsatzes, der vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bleibt. Sie soll nur noch 3,20 bis 3,60 Prozent erreichen. Angepeilt waren 5,80 bis 6,20 Prozent, seit August nur noch das untere Ende; Analysten erwarteten laut Bloomberg zuletzt 5,65 Prozent. Bereinigt, also ohne die Agile-Kosten, sind es 4,60 bis 5,00 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis würde dadurch von rund 328 auf rund 264 Millionen Euro fallen – knapp 20 Prozent weniger. Den Free Cash Flow kappt Bilfinger auf 180 bis 220 Millionen Euro, nach bisher 250 bis 300 Millionen Euro.

Bilfinger erbringt Wartungs-, Instandhaltungs- und Engineering-Leistungen für die Prozessindustrie, ein großer Teil davon über Rahmenverträge. Diese sichern Volumen, erzeugen Umsatz aber erst mit dem konkreten Abruf durch den Kunden. Genau diese Abrufe und Neuaufträge bleiben hinter dem Plan zurück – ausgerechnet im zweiten Halbjahr, das saisonal üblicherweise das stärkere ist. Die Personalkosten laufen dagegen weiter. Vor allem in Hochlohnländern sinkt die Auslastung, zugleich fehlen margenstarke, technisch anspruchsvolle Aufträge. Als wesentlicher Treiber gilt der länger als erwartet andauernde Krieg im Mittleren Osten, der über gestiegene Energiepreise die Investitionsbereitschaft europäischer Kunden dämpft.

Bilfinger: Die Gegenrechnung zu „Agile“

Bilfinger bündelt Ressourcen, passt Kapazitäten an und baut eine globale Shared-Services-Organisation auf. Die Schritte waren ohnehin geplant und werden nun vorgezogen, abgestimmt mit den Sozialpartnern; erste Effekte erwartet der Konzern 2027. Rechnerisch amortisiert sich das Programm schnell: Den Einmalkosten von 75 Millionen Euro steht ab 2028 ein jährlicher Ergebnisbeitrag in gleicher Höhe gegenüber. Auf 5,50 Milliarden Euro Umsatz entspricht das rund 1,40 Prozentpunkten Marge. Bereinigt liegt die Marge 2026 bei etwa 4,80 Prozent, das Ziel für 2030 bei acht bis neun Prozent – es fehlen also 3,20 bis 4,20 Prozentpunkte. „Agile“ deckt davon ein Drittel bis knapp die Hälfte ab.

Bilfinger (WKN: 590900)

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz noch um sieben Prozent auf 1,45 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Ratio, also das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, lag bei 1,03. Der Haken: Mehr Aufträge und eine höhere Auslastung im zweiten Halbjahr hatte Bilfinger schon im Mai und August angekündigt – gekommen ist das Gegenteil.

Am 11. November legt Bilfinger die Zahlen zum dritten Quartal vor. Entscheidend sind der Auftragseingang und der Abstand zwischen berichteter und bereinigter Marge.

Die Aktie verliert im vorbörslichen Handel aufgrund der Gewinnwarnung rund neun Prozent. Nicht ohne Grund gibt der AKTIONÄR für jede Strategie einen Stoppkurs mit. Bei Bilfinger liegt er bei 64 Euro und sollte beachtet werden.

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