Die Chemieindustrie sieht angesichts des Niedrigwassers auf Rhein und anderen Flüssen wachsende Risiken für Produktion und Lieferketten. Nach Einschätzung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) führen geringere Ladekapazitäten oder Ausfälle von Binnenschiffen zu höheren Transportkosten und können die Fertigung beeinträchtigen.
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wenn Schiffe weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen Kosten, Lieferketten geraten unter Druck und es kommt zu Produktionseinschränkungen."
Die Unternehmen seien zwar auf niedrige Pegelstände vorbereitet, doch Ersatzlösungen könnten fehlende Infrastruktur nicht ausgleichen. Vor einer Fachkonferenz zum Thema Niedrigwasser in Bonn forderte Große Entrup deshalb mehr Investitionen in die Wasserstraßen. "Der Investitionsstau bei den Wasserstraßen muss endlich weg."
Nach Ansicht des VCI reicht ein weiterer Ausbau der Fahrrinnen allein nicht aus. "Wenn kein Wasser da ist, hilft auch die tiefste Fahrrinne nicht." Benötigt werde ein widerstandsfähiges Verkehrsnetz mit "robuste Wasserstraßen, leistungsfähige Schienen und Straßen und echte Ausweichmöglichkeiten für die Industrie."
Das Niedrigwasser belastet die deutsche Wirtschaft bereits spürbar. Weil Schiffe weniger Fracht transportieren können, steigen die Logistikkosten. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft schätzt den Verlust an Wertschöpfung im dritten Quartal auf ein bis zwei Milliarden Euro. Das Bruttoinlandsprodukt könnte dadurch um 0,1 bis 0,2 Prozent niedriger ausfallen.
BASF, Evonik und Lanxess besonders betroffen
Besonders betroffen ist die Chemiebranche. Unternehmen wie BASF, Evonik und Lanxess nutzen den Rhein intensiv für den Transport von Chemikalien. Allein BASF befördert rund 40 Prozent der Güter am Standort Ludwigshafen per Schiff und weicht inzwischen teilweise auf Lkw und die Schiene aus.
Nach Angaben des VCI helfen zwar präzisere Wasserstandsprognosen und spezielle Niedrigwasserschiffe. Dennoch gelte: "Extrem niedrige Pegelstände beeinträchtigen die Schifffahrt jedoch weiterhin stark, was die Logistik erschwert und verteuert und besonders bei länger anhaltendem Extrem-Niedrigwasser zu Einschränkungen der Produktion führen kann."
Zusätzliche Probleme entstehen durch die Sanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite, wodurch deutlich weniger Gleise für den Güterverkehr zur Verfügung stehen. Gleichzeitig leidet die Chemieindustrie seit längerem unter einer schwachen Konjunktur, sodass insgesamt weniger Waren transportiert werden.
Der VCI fordert daher erneut den zügigen Ausbau der Rheinrinne. Nach Ansicht des Verbands verzögern langwierige Genehmigungsverfahren und Personalmangel in den Behörden die Umsetzung wichtiger Projekte bis weit in die 2030er Jahre.
Die Situation für die deutschen Chemiekonzerne wird allmählich immer bedrohlicher. Zur Erinnerung: Normalerweise kommt Niedrigwasser eher im Spätsommer oder im Herbst auf. Nun ist es jetzt schon so weit und es stehen noch einige potenziell sehr warme und trockene Monate bevor. Dementsprechend drängt sich bei Lanxess und Evonik aktuell kein Einstieg auf. Wer bei den beiden MDAX-Titeln bereits investiert ist, beachtet die Stoppkurse bei 13,00 Euro (Evonik) beziehungsweise 12,50 Euro (Lanxess). Mehr zur BASF-Aktie lesen Sie hier.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.
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