05.09.2019 Benedikt Kaufmann

Amazon: Unbezahlbare Einblicke

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Amazon lässt nicht locker, wenn es um das heimische Wohnzimmer geht. Immer mehr Geräte sollen auf das Wort „Alexa“ reagieren – erstmals auch Fernseher von Grundig. Das gewährt dem Konzern unbezahlbare Einblicke.

Auf der Technik-Messe IFA wurde erstmals ein TV-Gerät der Marke Grundig vorgestellt, bei dem die Mikrofone für Amazons Sprachassistentin Alexa direkt integriert sind. Grundig setzte die unverbindliche Preisempfehlung für den Alexa-Fernseher mit OLED-Display bei rund 1.300 Euro an.

Ein weiterer neuer TV-Partner in Deutschland ist Media Saturn – eigentlich ein erbitterter Wettbewerber des Amazon-Konzerns. Die Eigenmarke ok. wird dennoch Anfang kommenden Jahres einen Fernseher mit integrierter Fire-TV-Plattform auf den Markt bringen.

Von Amazon selbst gibt es die Streaming-Box Fire TV Cube mit eingebauten Mikrofonen. Sie kommt im Oktober in Deutschland auf den Markt.

Tiefe Einblicke – auch in das Geschäft der Konkurrenz

Amazon habe kein Problem damit, wenn die Fire-TV-Funktionalität samt Alexa in andere Fernsehgeräte wandert und der Konzern damit weniger eigene Streaming-Boxen und -Sticks verkauft, sagte Amazon-Manager Marc Whitten. „Ich betrachte Fire TV inzwischen mehr als einen Service.“

Und genau hier liegt der Knackpunkt für Amazon. Die Fire-TV-Plattform erweitert den Amazon-Dienst Prime Video und macht damit den Zugang zum Streaming-Dienst einfacher. Den Laptop über HDMI anstöpseln – das war einmal.

Viel wichtiger jedoch: Wenn Nutzer Alexa nutzen, um gezielt Sender aufzurufen, erhält Amazon die Daten. Was den Nutzern gefällt, kann dann etwa in entsprechende Eigenproduktionen einfließen, die dem Zuschauergeschmack entsprechen. Stark, wenn sich via Alexa auch noch die Dienste anderer Anbieter wie Netflix steuern lassen. Wer „Alexa, spiele XYZ auf Netflix ab" sagt, verrät Amazon damit auch, was die Zuschauer der Konkurrenz gerne sehen. Unbezahlbar!

Amazon erweitert sein Ökosystem in alle Richtungen. Video-Streaming ist dabei nur einer der rasant wachsenden Amazon-Dienste. Ach ja, Netflix-Server laufen übrigens über AWS.

Das breit aufgestellte Geschäft bietet Amazon an vielen Enden noch Wachstumspotenzial. Langfristig macht das die Aktie zu einem klaren Kauf!

Amazon.com (WKN: 906866)

Buchtipp: The Four

Cambridge Analytica, Datenleaks, Steuerflucht: Die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google – oder wie Marketing-Guru Scott Galloway sie nennt: die vier apokalyptischen Reiter – werden von Skandalen geplagt. Und doch sind sie mächtiger und erfolgreicher als je zuvor. Man kann sie weder ignorieren noch boykottieren. Sie haben mit ihren Geschäftsmodellen die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu definiert. Scott Galloway führt vor, wie die Vier unsere grundlegenden emotionalen Bedürfnisse mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmaß manipulieren, an die andere nicht herankommen. Und er zeigt, welche Lehren man aus ihrem Aufstieg für sein eigenes Unternehmen oder seinen eigenen Job ziehen kann. Ob man mit ihnen konkurrieren, mit ihnen Geschäfte machen oder einfach in der Welt leben will, die von ihnen beherrscht wird – man muss die Vier verstehen

Autoren: Galloway, Scott
Seitenanzahl: 320
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-682-0