13.02.2018 Benedikt Kaufmann

Amazon – mit Vollgas raus aus der Korrektur

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Amazon

Kein Unternehmen expandiert schneller als Amazon. Alleine gestern gab es zwei Neuigkeiten: die Übernahme von Blink und Neuinvestitionen in Brasilien. Die Aktie gibt wieder Vollgas.

Die wichtigere Neuigkeit ist dabei das Engagement in Brasilien. Laut dem Nachrichtendienst Reuters plant Amazon, in der Nähe von São Paulo ein 50.000 Quadratmeter großes Lagerhaus zu leasen. Sollte der Konzern dies tun, vervierfacht er auf einen Schlag seine Kapazitäten in Brasilien – dem größten Online-Markt in ganz Lateinamerika.

Die Aussichten für Amazon in Brasilien sind gut: 209 Millionen Menschen haben Zugang zum Internet und nur fünf Prozent des 300 Milliarden schweren Einzelhandels werden online abgewickelt - viel Wachstumspotenzial ist somit vorhanden. Doch der Markt bereitet auch Schwierigkeiten, die gelöst werden müssen. Hierzu zählen die schlechte Infrastruktur, das komplizierte Steuersystem und die mangelnde Sicherheit.

Amazon expandiert jedoch nicht nur im Kerngeschäft – die Ausweitung der Operationen geht in alle Richtungen. Laut einem weiteren Reuters-Bericht vom Montag hat sich Amazon die Übernahme des Startups Blink satte 90 Millionen Dollar kosten lassen. Die Übernahme fand bereits Ende Dezember statt. Details zur Höhe der Übernahme waren bisher jedoch nicht bekannt.

Blink bietet kabellose Heimüberwachungskameras an, die nur zwei AA-Batterien für ganze zwei Jahre verbrauchen. Damit sind die Kameras unglaublich energieeffizient. Reuters erwartet, dass Amazon die stromsparende Technik in eigenen Produkten wie der Amazon Cloud Cam einsetzen wird.

Wenn ein Konzern mit einer Marktkapitalisierung von 774 Milliarden Dollar um 31 Prozent im Jahr wächst, ist das geradezu unglaublich. Amazon greift seine Konkurrenten auf großer Front an. Das Kerngeschäft wird in neue Länder eingeführt, neue Hardware und Alltagsprodukte werden entwickelt, AWS erlebt den stärksten Zuwachs im Konzern und ganz nebenbei wird die Gaming-Sparte ausgeweitet.

Die langfristigen Wachstumstrends und die eigene Dynamik vergrößern nicht nur die Bilanzsumme Amazons, sondern wirken sich direkt auf die Kurse aus. Auch in der aktuellen Korrektur kommt Amazon nur leicht von der Ideallinie ab. Der gestrige Anstieg von 3,7 Prozent beweist: Anleger setzen auch in schwierigen Tagen auf die soliden Geschäfte und lukrativen Aussichten des E-Commerce-Giganten. DER AKTIONÄR empfiehlt: Gewinne laufen lassen.

Buchtipp: The Four

Cambridge Analytica, Datenleaks, Steuerflucht: Die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google – oder wie Marketing-Guru Scott Galloway sie nennt: die vier apokalyptischen Reiter – werden von Skandalen geplagt. Und doch sind sie mächtiger und erfolgreicher als je zuvor. Man kann sie weder ignorieren noch boykottieren. Sie haben mit ihren Geschäftsmodellen die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu definiert. Scott Galloway führt vor, wie die Vier unsere grundlegenden emotionalen Bedürfnisse mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmaß manipulieren, an die andere nicht herankommen. Und er zeigt, welche Lehren man aus ihrem Aufstieg für sein eigenes Unternehmen oder seinen eigenen Job ziehen kann. Ob man mit ihnen konkurrieren, mit ihnen Geschäfte machen oder einfach in der Welt leben will, die von ihnen beherrscht wird – man muss die Vier verstehen

Autoren: Galloway, Scott
Seitenanzahl: 320
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-682-0