19.03.2018 Benedikt Kaufmann

Amazon kann neuen Twitch-Rekord feiern

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Das Streaming von Videospielen erzielte vergangene Woche einen Durchbruch: In der Spitze verfolgten bis zu 620.000 Zuschauer den Twitch-Stream von Rapper Drake und Proplayer Ninja – neuer Rekord. Vom Marketing-Stunt profitiert insbesondere der dahinterstehende Konzern: Amazon.

Anderen beim Spielen von Videospielen zuzusehe, klingt nach einer eigenartigen Beschäftigung. Doch in den Augen vieler Jugendlicher ist es eher mit einer Übertragung der Fußball-Bundesliga oder einer Game-Show zu vergleichen. Bereits früh hat Amazon den jungen Trend erkannt und im August 2014 die Streaming-Plattform Twitch.tv für 970 Millionen Dollar gekauft. Seitdem hat sich die Plattform rasant weiterentwickelt. Mittlerweile verfügt Twitch.tv über 100 Millionen monatliche Nutzer, die im Durchschnitt sechs Stunden anderen beim Streaming zusehen.

Eine neue Entwicklung ist die Zusammenarbeit von Berühmtheiten. Der Stream des Videospiels Fortnite mit Rapper Drake und Proplayer Ninja erzielte einen neuen Zuschauerrekord und zeigt eine neue Möglichkeit auf, Twitch als Marketingplattform zu nutzen. Während Drake sich als nahbarer Superstar zeigen kann, lässt die hohe Zuschauerzahl bei Amazon auf unterschiedliche Art und Weise die Kassen klingeln. Zum einen über die geschaltete Werbung – zum anderen über die die Möglichkeit, den Stream für $4,99 zu abonnieren. Von den Abogebühren gehen bis zu 50 Prozent an Twitch, den anderen Teil erhält der Streamer.

Doch auch neben Videostreaming hat Amazon ein Ökosystem um den Gaming-Trend aufgebaut:

Amazon Game Studios ist der hauseigene Spieleentwickler. Aktuell wird an drei Spielen gearbeitet: Breakaway, New World und Crucibel. Während es zu den letztgenannten Spielen kaum Ankündigungen gibt, war Breakaway bereits im Alpha-Test spielbar.

Lumberyard ist eine freie 3D-Engine für Entwickler. Die Entwicklungsplattform ist darauf ausgelegt, die Infrastruktur der AWS-Cloud zu nutzen. Eines der aussichtsreichsten Spiele der kommenden Jahre – Star Citizen – nutzt beispielsweise die Engine.

Kaum ein Konzern ist derart expansionshungrig wie Amazon. Der E-Commerce-Gigant investiert gerne in neue Wachstumsmärkte. Das Interesse für den Gaming-Markt verwundert daher nicht. Über die Jahre 2016 bis 2020 soll der Gesamtmarkt mit durchschnittlich sechs Prozent wachsen.

Noch nutzen wenige Spiele die Lumberyard-Engine, noch werden keine Amazon-Spiele verkauft, noch steht Twitch.tv an den Anfängen der Monetarisierung. Doch Amazon investiert Millionen und scheut nicht vor hohen Verlusten zurück, um Wachstum in neuen Märkten zu erzielen.

Solange der Konzern seine Wachstumsstrategie in den unterschiedlichsten Bereichen fortführen kann, bleibt auch die Aktie von Amazon ein klarer Kauf.

Buchtipp: The Four

Cambridge Analytica, Datenleaks, Steuerflucht: Die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google – oder wie Marketing-Guru Scott Galloway sie nennt: die vier apokalyptischen Reiter – werden von Skandalen geplagt. Und doch sind sie mächtiger und erfolgreicher als je zuvor. Man kann sie weder ignorieren noch boykottieren. Sie haben mit ihren Geschäftsmodellen die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu definiert. Scott Galloway führt vor, wie die Vier unsere grundlegenden emotionalen Bedürfnisse mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmaß manipulieren, an die andere nicht herankommen. Und er zeigt, welche Lehren man aus ihrem Aufstieg für sein eigenes Unternehmen oder seinen eigenen Job ziehen kann. Ob man mit ihnen konkurrieren, mit ihnen Geschäfte machen oder einfach in der Welt leben will, die von ihnen beherrscht wird – man muss die Vier verstehen

Autoren: Galloway, Scott
Seitenanzahl: 320
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-682-0