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22.12.2020 Andreas Deutsch

Amazon: Abartig reich – doch die Welt ist nicht genug

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Amazon.com

Es war das Jahr für Amazon. Die Pandemie befeuerte die Geschäfte des Konzerns derart stark, dass Amazon mit den Bestellungen zeitweise kaum nachkam. Der Börsenwert stieg und stieg und Jeff Bezos‘ Vermögen wuchs und wuchs – auf mittlerweile 187 Milliarden Dollar. Welche Auswirkungen hat so viel Reichtum für Amazon?

Jeff Bezos ist für viele Menschen ein Mysterium. Interviews gibt er selten, auf Twitter hält er sich – im Gegensatz etwa zum lautstarken Tesla-Chef Elon Musk – weitestgehend zurück. Skandale? Protz? Politische Ambitionen? Fehlanzeige. Seit Jahren setzt Bezos fast seine ganze Kraft ein, um Amazon weiterzubringen.

Doch nach dem Sahnejahr 2020 stellen sich die Anleger nun die Frage: Kann sich Bezos mit 187 Milliarden Dollar Vermögen weiter motivieren? Gibt er auch in Zukunft Vollgas?

Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind Studienergebnisse zum einen von Edward Deci und zum anderen von Yoon Jik Cho und James Perry, über die das Manager Magazin im Juni ausführlich berichtet hat. Beide Forscher kamen zum Ergebnis, dass es keine Korrelation zwischen Engagement in Betrieben und Gehalt gibt. Wer seinen Job gerne macht, für den ist Belohnung und Einkommen sekundär.

Dass Bezos seinen Job gerne macht, steht außer Frage. Kaum ein Unternehmenschef ist derart kreativ, innovativ und wagemutig unterwegs wie der 56-Jährige. Jüngstes Beispiel: der Einstieg in den Multimilliardenmarkt Medikamentenhandel. Denkbar ist, dass Bezos hierbei sogar noch einen Schritt weitergeht und bald eine eigene Krankenversicherung anbietet – aber nur für Leute, die fit sind. Das weiß er, weil er die Daten hat.

Darüber hinaus denkt Bezos nicht im Traum daran, das Megathema „Mobilität der Zukunft“ Musk und Co zu überlassen. Amazon hat mit Rivian und Zoox siedend heiße Eisen im Feuer. Zoox hat in der vergangenen Woche ein selbstfahrendes Taxi vorgestellt. Mit dem Gefährt greift Amazon Uber, Tesla und DHL gleichzeitig an.

Aber all das reicht Bezos nicht. Seit 20 Jahren verfolgt das Multitalent ein spannendes Hobby: das Weltraumprojekt Blue Origin. „Ich möchte Millionen Menschen sehen, die im Weltraum arbeiten und dort leben“, sagt er. Um diese Vision zu verwirklichen, investiert Bezos jedes Jahr mindestens eine Milliarde Dollar in Blue Origin.

Amazon.com (WKN: 906866)

Bezos geht es nicht ums Geld, er könnte eine Billion Dollar auf dem Konto haben und sein Ehrgeiz wäre ungebrochen. Er ist wie Warren Buffett, der, ebenfalls steinreich, sagt: „Ich gehe noch jeden Tag tänzelnd ins Büro.“ Amazon-Aktionäre brauchen sich keine Sorgen zu machen: Bezos bleibt top motiviert. Und die Aktie ein klarer Kauf.

Buchtipp: The Four

Cambridge Analytica, Datenleaks, Steuerflucht: Die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google – oder wie Marketing-Guru Scott Galloway sie nennt: die vier apokalyptischen Reiter – werden von Skandalen geplagt. Und doch sind sie mächtiger und erfolgreicher als je zuvor. Man kann sie weder ignorieren noch boykottieren. Sie haben mit ihren Geschäftsmodellen die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu definiert. Scott Galloway führt vor, wie die Vier unsere grundlegenden emotionalen Bedürfnisse mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmaß manipulieren, an die andere nicht herankommen. Und er zeigt, welche Lehren man aus ihrem Aufstieg für sein eigenes Unternehmen oder seinen eigenen Job ziehen kann. Ob man mit ihnen konkurrieren, mit ihnen Geschäfte machen oder einfach in der Welt leben will, die von ihnen beherrscht wird – man muss die Vier verstehen

Autoren: Galloway, Scott
Seitenanzahl: 320
Erscheinungstermin: 05.03.2020
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-682-0