Die Geopolitik drückt. KI-Sorgen ebenfalls – doch Allianz-Chef Oliver Bäte sieht in Künstlicher Intelligenz keinen Angriff, sondern eine historische Chance. Der Konzern setzt dafür auf Anthropic (Claude) und prüft konsequent, welche Jobs automatisiert werden können. Aus der KI-Gefahr soll so eine KI-Chance werden.
Die Allianz-Aktie gibt zum Wochenstart im allgemeinen Abverkauf spürbar nach. Auslöser ist die erneute Eskalation im Nahen Osten, die Risikoassets breit belastet. Zusätzlich belasten zuletzt KI-bedingte Disruptionssorgen die Aktie. Zumindest diesen tritt Konzernchef Oliver Bäte nun entgegen.
Bäte macht im Handelsblatt klar, wohin die Reise geht: Durch den Einsatz von KI werde die Allianz „dramatisch besser und günstiger“ für Kunden.
Allianz setzt bei KI vor allem auf Anthropic. Dessen Claude-Modelle sollen Prozesse „dramatisch“ verbessern. Sie werden Teil der internen KI-Plattform und sollen Abläufe automatisieren, Weiterbildung unterstützen sowie Transparenz und Compliance stärken.
Im Fokus stehen Tätigkeiten ohne echten Mehrwert – vor allem reine Informationsverarbeitung. Das Ziel: sinkende Verwaltungskosten, schnellere Prozesse, höhere Effizienz. Schon im November 2025 kündigte Allianz Partners an, weltweit zwischen 1.500 und 1.800 Stellen abzubauen. Vor allem in Callcentern soll KI künftig vieles übernehmen.
„Ich bin überzeugt, dass Tätigkeiten wie reine Informationsverarbeitung künftig überflüssig werden“, so Bäte. Die Allianz prüfe künftig systematisch jede Funktion auf Automatisierungspotenzial. Die Technologie müsse aber zwingend zuverlässig funktionieren. Erst danach würden Regulierung und Kundenakzeptanz geklärt sowie Gespräche mit Sozialpartnern und Betriebsräten geführt.
Seit Anfang Februar 2026 sorgt ein neues Signal für Nervosität in der Branche: OpenAI hat erstmals Versicherungs-Apps innerhalb von ChatGPT zugelassen – inklusive personalisierter Angebote direkt im Chat. Damit wird aus der bisherigen „Online-Recherche“ ein potenziell neuer Vertriebskanal.
Die Kernfrage für Versicherer lautet: Wie bleibt die Marke sichtbar, wenn KI-Agenten im Auftrag der Kunden vergleichen, auswählen und abschließen? Genau hier setzt Bäte strategisch an: In einer Welt der „Agentic Search“ müsse die KI-Antwort im Idealfall „Allianz“ lauten – und dafür will der Konzern gezielt investieren. Die Allianz könne dabei dank ihrer Größe kräftig in Agentic Search investieren.
Kurzfristig bleibt die Aktie anfällig für geopolitische Schlagzeilen und KI-bedingte Verunsicherung. Strategisch jedoch positioniert sich die Allianz frühzeitig im KI-getriebenen Umbau der Branche – mit klarer Kostenagenda und Skalenvorteilen. Solange keine nachhaltige Eintrübung im operativen Geschäft sichtbar wird, bleibt der Titel auf dem aktuellen Niveau eine Halteposition mit langfristigem Potenzial.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.
Heute, 14:08