LEIPZIG (dpa-AFX) - Der Biokraftstoffhersteller Verbio
Die Aktie verlor nach den Nachrichten am Vormittag gut fünf Prozent auf 30,08 Euro, womit sie zu den Schlusslichtern im Index der kleineren Unternehmenswerte SDax gehörte. Allerdings hatte das Papier am Vortag erst deutlich zugelegt, und auch die bisherige Jahresbilanz kann sich sehen lassen: Seit Anfang Januar hat der Kurs um mehr als 40 Prozent zugelegt, binnen zwölf Monaten hat sich der Wert des Papiers gar fast verdreifacht. Dagegen steht die Aktie auf Sicht von drei Jahren jedoch mit einem Viertel im Minus.
Jefferies-Analyst Constantin Hesse lobte in einer ersten Reaktion auf die Zahlenvorlage zwar das starke Schlussquartal bei Verbio; der Mittelpunkt der neuen Gewinnprognose für das laufende Jahr liege jedoch um sieben Prozent unter den durchschnittlichen Schätzungen am Markt.
Verbio peilt für das laufende Geschäftsjahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der Bandbreite von 210 bis 250 Millionen Euro an, wie das Unternehmen am Morgen in Leipzig verkündete. Dabei setzt Chef Sauter auf gute Geschäfte mit Biokraftstoffen und zusätzliche Ergebnisbeiträge aus dem Verkauf sogenannter TGH-Quoten.
Der Biokraftstoffhersteller hatte im vergangenen Geschäftsjahr von höheren Preisen über das gesamte Portfolio hinweg profitiert. Das Unternehmen setzte dabei mehr Bioethanol und Methan ab und produzierte zugleich so viel wie noch nie. Treiber waren etwa die im Zuge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Preise an den Zapfsäulen. Dort griffen Kunden anstatt zum teuren Superbenzin verstärkt zum etwas günstigeren E10-Kraftstoff, dem Bioethanol beigemischt ist.
Auch ging es im Handel mit THG-Quoten aufwärts. Die sogenannte Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist ein Klimaschutzinstrument zur Reduktion von CO2-Emissionen. Schaffen Mineralölunternehmen ihre Emissionsziele nicht, kaufen sie THG-Quoten bei Unternehmen wie Verbio.
Damit gelang dem Konzern 2025/26 die Ergebniswende, nachdem im Vorjahr noch ein Preisrutsch den Leipzigern zugesetzt hatte. Das operative Ergebnis schwoll endgültigen Berechnungen zufolge mit knapp 194 Millionen Euro auf mehr als das Dreizehnfache des Vorjahreswertes an, während der Umsatz sich um fast ein Fünftel auf 1,87 Milliarden Euro erhöhte. Unter dem Strich verdiente Verbio 64 Millionen Euro, nach einem Verlust von fast 138 Millionen im Vorjahr. Wegen des Fehlbetrags hatte es im Geschäftsjahr 2024/25 keine Dividende für die Anleger gegeben, jetzt sollen sie wieder 0,20 Euro je Anteilsschein erhalten.
Inzwischen habe sich die Ausgangslage für den Konzern deutlich gebessert, resümierte Sauter laut Mitteilung. "Wir haben unsere Verschuldung reduziert, die Effizienz unserer Anlagen verbessert und von den veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen profitiert." Nach mehr als einem Jahrzehnt politischer Zurückhaltung erlebe Biomasse derzeit eine Renaissance, ergänzte der Manager. Rückenwind verspricht sich der Konzern etwa von der in diesem Jahr beschlossenen Gesetzes-Novelle zu den Treibhausgasminderungs-Quoten. Das Gesetz verpflichtet Mineralölunternehmen, die CO2-Emissionen ihrer Kraftstoffe bis 2040 drastisch zu senken.
Dagegen will Verbio in diesem Jahr seine Investitionen senken. Zugleich soll der Umbau der Anlage in South Bend im US-Bundesstaat Indiana weitergehen. Dort erweitert der Konzern schrittweise die bestehende Ethanolproduktion um Kapazitäten für die Herstellung von Biogas, perspektivisch soll dort auch Biomethan entstehen./tav/stk
Quelle: dpa-AFX
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