FRANKFURT (dpa-AFX) - Die neu erwachte Risikofreude der Anleger nach den Zwischenwahlen in den USA dürfte den Dax am Donnerstag weiter an seinen Rekordstand treiben. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex ein Plus von 0,6 Prozent auf 26.594 Punkte. Es würden damit nur wenige Zähler fehlen bis zum Höchststand von 26.618 Punkten vom August.
Der klare Sieg der US-Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat hatte vor allem den US-Leitindex Dow Jones Industrial am Mittwoch nach oben katapultiert. Mit ihrem Sieg können die Demokraten die Politik des republikanischen Präsidenten Donald Trump zwar nicht ohne Weiteres umkehren - aber zumindest empfindlich stören.
"Die Märkte können dem Wahlergebnis gleich mehrere positive Faktoren auf einmal abgewinnen", schrieb Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Das Ergebnis stand schnell fest, es ist eindeutig, Trump akzeptiert es und geteilte politische Macht bringt weniger Risiko für politische Überraschungen. Die Börse liebt Berechenbarkeit und steigt."
Kein guter Tag scheint es derweil für die Aktionäre von Rheinmetall zu werden, nachdem der Rüstungskonzern am Vorabend nach Börsenschluss erneut die Prognose senken mußte. Die Strategie der Düsseldorfer sei nicht falsch, die bisherigen Ziele seien aber wohl unrealistisch, schrieb JPMorgan-Experte David Perry. Vorbörslich auf Tradegate sackten die Papiere um 8 Prozent zum Xetra-Schluss ab.
Etwas besser sah es für die im MDax notierten Papiere des Rüstungselektronikherstellers Hensoldt aus, dessen Aktien nach der Vorlage von Geschäftszahlen vorbörslich um 0,6 Prozent höher standen. Hensoldt wird mit Blick auf das laufende Jahr noch etwas optimistischer. Für die Titel des Panzergetriebe-Produzenten Renk ging es indes um 1,7 Prozent abwärts nach bestätigter Jahresprognose.
Nach oben ging es vorbörslich für Deutz mit plus 4 Prozent nach Quartalszahlen. Der Motorenhersteller ist inzwischen auch im Rüstungsgeschäft engagiert und nun noch etwas optimistischer für das laufende Jahr.
Aus dem Dax berichten neben Rheinmetall auch die Deutsche Telekom , DHL Group , Siemens Healthineers , die Commerzbank sowie am Nachmittag Hochtief über die Entwicklung im abgelaufenen Quartal.
Die Aktien der Telekom legten auf Tradegate um 1,3 Prozent zu. Die Zahlen seien stark ausgefallen und lägen über den Erwartungen, sagte ein Händler. Er verwies allerdings auch auf wieder aufkommende Sorgen bezüglich einer kompletten Fusion mit T-Mobile US . Die Dividende will die Telekom erhöhen um zehn Prozent, am Markt war aber mit einer noch stärkeren Steigerung gerechnet worden.
Die Anteile des Medizintechnikers Siemens Healthineers gaben vorbörslich um 3,5 Prozent nach. Der Ausblick sei nicht gut genug, um das hohe Kursniveau zu halten, hieß es am Markt.
Der Chemiekonzern Lanxess hat seinen Jahresausblick nach Zuwächsen im dritten Quartal eingrenzt. Die in diesem Jahr sehr schwachen Aktien gewannen vorbörslich 5 Prozent./ajx/jha/
Quelle: dpa-AFX