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13.04.2022 Financial Times

Lithiummangel: Platzen jetzt die E-Auto-Träume?

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Lake Resources N.L.

Von James Fernyhough
Financial Times
Übersetzung: Stefanie Konrad

Batteriehersteller stehen vor einem gravierenden Lithiumengpass. Der australische Lithiumproduzent Lake Resources warnt: Westliche Unternehmen und Regierungen haben zu spät auf Chinas Dominanz in der Rohstofflieferkette reagiert und keine ausreichenden Lieferketten für Lithium aufgebaut. Es ist Zeit zu handeln.

Stuart Crow, Vorsitzender von Lake Resources, sagte, dass der plötzliche Boom bei der Herstellung von E-Autos aufgrund dieses Versäumnisses nicht von Dauer sei.

„Es wird einfach nicht genug Lithium auf der Erde geben – egal, wer expandiert und wer liefert, es wird einfach nicht genug davon vorhanden sein“, sagte er. „Die Autohersteller realisieren langsam, dass die Batteriehersteller vielleicht nicht liefern können.“

Lithium-Ionen-Batterien sind für Regierungen wichtig, die ihre Wirtschaft dekarbonisieren wollen. Der Westen arbeitet gerade daran, Chinas Kontrolle über die Lithium-Lieferkette und insbesondere die Verarbeitungskapazität zu schwächen. Die Unterbrechungen durch den Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen gegen Russland haben ebenfalls gezeigt, wie wichtig die Versorgungssicherheit ist.

Der Aktienkurs von Lake Resources hat sich im März mehr als verdoppelt und dem Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 1,9 Milliarden Dollar beschert, nachdem das Unternehmen eine Absichtserklärung mit der japanischen Import-Export-Gruppe Hanwa über die Lieferung von 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat pro Jahr unterzeichnet hatte. Am Montag gab das Unternehmen bekannt, dass es einen weiteren unverbindlichen Abnahmevertrag mit dem US-Autohersteller Ford unterzeichnet hat.

„China besitzt im Grunde aktuell 70 bis 80 Prozent der gesamten Lieferkette für E-Autos und Lithium-Ionen-Batterien und damit für die Energiespeicherung“, so Crow. „Der Westen war bei der Entwicklung einer Strategie zur Unterstützung und Sicherung der Lieferkette bemerkenswert langsam.“

Laut Daniel Morgan, Bergbauanalyst bei der Investmentbank Barrenjoey, „können die [E-Fahrzeug-Produktions-]Ziele der Autohersteller oder der Regierungen unmöglich erreicht werden.“ „Man steckt sich gerne hohe Ziele, aber in der Praxis wird es nicht dazu kommen“, so Morgan weiter.

Lake Resources, das an der australischen Wertpapierbörse notiert ist, baut gerade eine Lithiumproduktionsanlage in Argentinien auf. Dort soll die von der US-Firma Lilac Solutions entwickelte und von Bill Gates unterstützte Technologie zur direkten Gewinnung von Lithium aus der Sole anstelle der sonst üblichen Verdampfungsmethode eingesetzt werden.

Lake Resources N.L. (WKN: 796995)

Das Unternehmen will bis 2025 jährlich 50.000 Tonnen Lithiumkarbonat produzieren und sich auf den Aufbau von Lieferketten konzentrieren, die China umgehen.

In der argentinischen Anlage von Lake Resources wurde bisher noch kein Lithiumkarbonat produziert, obwohl sie bereits 2015 in Betrieb genommen wurde. Laut Crow lag das am Zeitaufwand für die Entwicklung von Lithium-Projekten. Diese hätten Autohersteller bei der Festlegung ihrer Produktionsziele für E-Autos nicht ausreichend berücksichtigt.

„Für dieses Jahr gehen wir von einem [Lithium-]Defizit zwischen 50.000 und 400.000 Tonnen pro Jahr aus, und das auf einem Markt, der 450.000 Tonnen pro Jahr produzieren könnte“, so Crow. „Wir haben von zwei sehr großen Batterieherstellern auf dem Markt gehört, die in diesem Jahr [jeweils] 150.000 Tonnen Lithiumhydroxid beziehen wollen. Bei einem Angebot von 450.000 Tonnen wird das nicht möglich sein.“

In den USA sollen bis 2030 die Hälfte aller Autoverkäufe auf E-Autos entfallen. In der EU steht der Vorschlag im Raum, bis 2035 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor ganz zu verbieten. Große Marken wie Volkswagen, Ford, Stellantis, General Motors und Toyota haben ehrgeizige Ziele angekündigt, um die Produktion von E-Autos zu steigern und Benziner aus dem Verkehr zu ziehen.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass bis 2030 weltweit 47 Millionen E-Autos pro Jahr verkauft werden müssen, damit die Emissionen im Straßenverkehr mit ihrem „Szenario für eine nachhaltige Entwicklung“ übereinstimmen. Gemäß diesem Szenario würde die Erderwärmung „deutlich unter“ dem 2-Grad-Ziel bleiben und damit im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen stehen.

Der Bergbaukonzern Rio Tinto geht davon aus, dass die Nachfrage nach Lithium in den nächsten zehn Jahren um 25 bis 35 Prozent pro Jahr steigen wird.

Morgan von Barrenjoey hält 28 Millionen verkaufte E-Autos bis 2030 für eine realistischere Prognose, aber selbst das wäre mit den derzeit angekündigten Lithiumprojekten nicht möglich. Tatsächlich müsste die Lithiumproduktion bis 2030 um das Sechsfache gesteigert werden.

„Bis 2030 sind es noch acht Jahre. Jetzt müssen neue Projekte gestartet werden“, sagte er und fügte hinzu, es sei eine „großartige Zeit, um im Bergbau tätig zu sein“.

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