Xiaomi will im Premium-Segment durchstarten. In Barcelona stellte der Konzern im Rahmen seiner bislang größten internationalen Hardware-Präsentation neue Flaggschiff-Smartphones vor. Doch die hohen Speicherchippreise sorgen weiter für Gegenwind, zudem belastet ein Rechtsstreit in Indien.
Die Modelle der neuen 17er-Reihe starten in Europa bei 999 Euro beziehungsweise 1.499 Euro und positionieren sich damit bewusst im direkten Wettbewerbsumfeld von Apple und Samsung.
Symbolisch für den Premium-Anspruch steht die fortgesetzte Kooperation mit Leica. Das gemeinsam gebrandete High-End-Modell für knapp 2.000 Euro dient weniger als Volumenprodukt, sondern vielmehr als Imageträger.
Heikles Timing
Laut Counterpoint Research sind die Speicherpreise aufgrund der hohen Nachfrage aus dem KI- und Rechenzentrumssektor im ersten Quartal um 80 bis 90 Prozent gestiegen. Arbeitsspeicher zählt zu den teuersten Komponenten moderner Smartphones, entsprechend hoch ist der Kostendruck für Hersteller.
IDC erwartet infolge der Chipknappheit einen Rückgang des weltweiten Smartphone-Markts um 12,9 Prozent im Jahr 2026. Eine Gartner-Prognose rechnet gleichzeitig mit steigenden Endkundenpreisen und prognostiziert bis 2026 ein mögliches Plus von bis zu 13 Prozent.
Das ist für Xiaomi besonders brisant: Der Großteil des Absatzvolumens entfällt weiterhin auf das Mittelklasse-Segment, wo Käufer besonders sensibel auf Preissteigerungen reagieren. Während Apple und Samsung ihre Margen über ein starkes Premiumgeschäft stabilisieren können, ist Xiaomis Position im Hochpreissegment noch vergleichsweise schwach. Analysten gehen daher davon aus, dass der Konzern steigende Kosten weniger gut abfedern kann.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Management angedeutet, dass branchenweit Preiserhöhungen 2026 wahrscheinlich seien. Beobachter erwarten, dass insbesondere im unteren und mittleren Preissegment Anpassungen folgen könnten.
E-Autos als wichtige Säule
Während das Smartphone-Geschäft zuletzt unter Druck geriet – im Septemberquartal sank der Umsatz hier um drei Prozent – gewinnt ein anderes Standbein an Bedeutung: Elektrofahrzeuge. Der Absatz in diesem Bereich stieg zuletzt um nahezu 200 Prozent. Inzwischen trägt das EV-Geschäft rund ein Viertel zum Gesamtumsatz bei und entwickelt sich zu einer wichtigen strategischen Säule.
In den ersten neun Monaten 2025 stieg der Umsatz um 32,5 Prozent auf rund 340 Milliarden Yuan, der Periodengewinn kletterte auf 35 Milliarden Yuan und hat sich damit mehr als verdoppelt. Auch die neue Elektroauto-Sparte schreibt erstmals operativ schwarze Zahlen: Im dritten Quartal erzielte das EV- und KI-Segment einen Gewinn von 700 Millionen Yuan, die Auslieferungen legten um 173 Prozent auf knapp 109.000 Fahrzeuge zu.
Rechtsstreit in Indien
Belastend wirken jedoch externe Faktoren. In Indien droht eine Steuerforderung von 72 Millionen Dollar, die sich durch Zinsen und Strafen allerdings noch deutlich erhöhen könnte. Zudem sind dort seit 2022 hohe Bankguthaben eingefroren. Parallel steigen die Kosten im Hardware-Geschäft, insbesondere bei Speicherchips, was die Margen im wichtigen Mittelklasse-Segment unter Druck setzt.
Die Xiaomi-Aktie stand in den letzten Monaten deutlich unter Druck. DER AKTIONÄR glaubt jedoch an einen Turnaround und hat die Papiere in Ausgabe in 09/26 neu zum Kauf empfohlen. Was für die Aktie spricht, lesen Sie im E-Papier.
Heute, 11:10