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Foto: Marc-Steffen Unger/ms-unger.de, Deutsche Telekom AG; Marc-Steffen Unger
05.08.2021 Maximilian Völkl

United Internet und 1&1 nach Top-Zahlen - was läuft da mit Rakuten?

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United Internet

Mit starken Zahlen zum ersten Halbjahr und einer Anhebung der Prognose haben United Internet und die Tochter 1&1 am Mittwoch für Freude bei den Anlegern gesorgt. Doch mindestens genauso wichtig sind die Ankündigungen zum Aufbau eines eigenen Netzes. Eine Kooperation mit Rakuten soll hier für den Durchbruch sorgen.

1&1 kündigte an, sein 5G-Open-RAN-Netz mit Rakuten aus Japan aufbauen zu wollen. Dabei wirbt das Unternehmen mit dem europaweit ersten, vollständig virtualisierten Mobilfunknetz auf Basis des offenen Standards „Open RAN“. Konkret solle Rakuten die aktiven Netzbestandteile installieren und für die Gesamtperformance des Netzes verantwortlich sein. 1&1 bekomme Zugriff auf die Steuerungsplattform. Der Bau des 1&1-Netzes solle im kommenden Quartal beginnen.

„Open RAN“ (Radio Access Network) verspricht den Abbau technologischer Barrieren, die bisher den Markt abgeschottet haben. Durch den neuen offenen Standard sollen Komponenten der Mobilfunknetze herstellerübergreifend kompatibel werden. „Open RAN“ ist also eine Art Architektur, die Betreibern erlaubt, Zubehör von verschiedenen Anbietern zu nutzen. Bisher gibt es hier nur geschlossene Systeme.

Von dem neuen automatisierten Netz verspricht sich Firmenchef Dommermuth vor allem Sparpotenzial. „Wir werden das Netz mit 50 Mitarbeitern betreiben können, weil es voll automatisiert funktioniert“, sagte er dem Handelsblatt. Bei den verbauten Antennen handele es sich ausschließlich um „echtes 5G“, betonte er. Dommermuth spielte damit darauf an, dass Telekommunikationsanbieter auch die Möglichkeit haben, ältere 4G-Antennen per Software-Update zukunftsfähig zu machen.

Im Zeitplan

Mit Blick auf die Auflagen der Bundesnetzagentur sagte Dommermuth, dass 1&1 im Zeitplan sei. „Wir müssen aufholen, was wir verloren haben, aber wir werden den Zeitplan einhalten“, sagte der United-Internet-Chef der Zeitung. Weil viele Arbeiten parallel zu den Vertragsverhandlungen liefen, müsse 1&1 nicht „bei null“ beginnen. Als Beispiel nannte der Konzernchef den Ausbau des Glasfasernetzes oder die Standortakquise. Bis spätestens Ende 2022 muss das Unternehmen mindestens 1.000 eigene Antennenstandorte betreiben.

Probleme mit den großen Drei

Dommermuth schob den drei großen Telekom-Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland die Schuld zu, warum 1&1 bislang noch keine Antenne aufgestellt habe. „Wir haben bei den Verhandlungen mit den drei großen Mobilfunkanbietern rund um National Roaming viel Zeit verloren“, sagte er. Die drei bestehenden Anbieter hätten kein Interesse an einem neuen Konkurrenten gehabt.

Dabei ist vor allem letzterer essenziell für 1&1, bevor das Unternehmen überhaupt zum vierten Telekom-Anbieter in Deutschland aufsteigen kann. Bislang hat das Unternehmen keine 5G-Standorte und muss sich in das Netz von Telefónica Deutschland einmieten, um seinen Kunden überhaupt Dienstleistungen anbieten zu können.

United Internet (WKN: 508903)

Die Expertise von Rakuten kann helfen, die Risiken für 1&1 und United Internet zu reduzieren. Auch die Zahlen zum abgelaufenen Quartal stimmen. Doch der Netzaufbau wird viel Geld kosten. Es gibt deshalb nach wie vor attraktivere Werte an der Börse.

1&1 Drillisch (WKN: 554550)

Mit Material von dpa-AFX