Goldman Sachs misst die schwächste Anlegerstimmung seit März, obwohl der Index nur einen Hauch unter dem Rekord steht. Ist das Warnsignal oder Treibstoff für die nächste Etappe?
Der S&P 500 hat in diesem Jahr rund 13 % zugelegt – und trotzdem trauen die Anleger dem Aufschwung nicht. Das zeigt Goldmans Stimmungsbarometer in einer Studie von Chefstratege Ben Snider vom 25. September. Es misst nicht, was Anleger sagen, sondern wie sie investiert sind: Neun Messgrößen erfassen, wie stark Hedgefonds und Investmentfonds, Privatanleger und ausländische Investoren in US-Aktien stecken. Daraus errechnet Goldman eine Zahl für den Abstand zum langjährigen Normalzustand. Null heißt normal, plus 2,8 wie im November 2024 hieß übertriebene Zuversicht. Jetzt steht das Barometer bei minus 0,9, so tief wie im März. Goldman liest das als Gegenindikator: Wer wenig Aktien hält, kann nachkaufen.
S&P 500: Der Index glänzt, die Breite fehlt
Der Index notiert nur rund ein Prozent unter seinem Rekordhoch vom August, die Hälfte aller Indexwerte liegt dagegen mehr als 16 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Goldmans bevorzugtes Maß für die Marktbreite steht so tief wie zuletzt in der Dotcom-Blase. Zugleich ist der Markt billiger geworden: Das erwartete KGV fiel auf rund 19, weil die Gewinnschätzungen schneller stiegen als die Kurse.
S&P 500: Die KI-Gewinne und ihr Verfallsdatum
Das gesunkene KGV deuten die Strategen als Zweifel, ob die heutigen Rekordgewinne Bestand haben. Die großen Cloud-Konzerne dürften in diesem Jahr mehr als 700 Milliarden Dollar investieren, das trägt etwa die Hälfte des Gewinnwachstums im S&P 500. Wachsen diese Budgets langsamer und steigen die Abschreibungen, wird der Rückenwind zur Last.
Die Gegenseite: Über zehn Jahre gerechnet ist der Markt teuer. Das zyklisch bereinigte KGV liegt nahe historischen Extremen und über dem Niveau von 2021. Anleger bezahlen deshalb vor allem Umsatzwachstum in drei Jahren statt im nächsten. Die Kernfrage: Wer wächst weiter, wenn sich die Sonderbedingungen normalisieren?
Ob die Gewinne das Bewertungsniveau tragen, zeigt die Berichtssaison, die JPMorgan am 13. Oktober eröffnet.
Welche KI-Aktien bei Rechenleistung, Speicher und Energie jetzt Chancen bieten, zeigt die Titelgeschichte „KI-Bullen melden sich zurück“ im aktuellen AKTIONÄR 40/26.
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