Auch die Microsoft-Aktie nimmt heute an der allgemeinen Erholungsbewegung teil. Von Entwarnung kann trotzdem keine Rede sein. Nach dem kräftigen Abverkauf der vergangenen Tage bleibt das kurzfristige Chartbild angeschlagen. Aber ist die Lage wirklich so dramatisch? Was zeigt der Blick auf den Chart, und was sagen Beobachter derzeit?
Fundamental steht Microsoft im KI-Wettlauf vergleichsweise solide da. Analysten von BNP Paribas sehen den Konzern im Kreis der Hyperscaler klar im Vorteil, was die Cashflow-Struktur angeht. Während Wettbewerber ihre freien Mittel zunehmend in aggressive KI-Investitionen stecken, bleibt Microsofts Free-Cashflow-Marge laut Schätzungen bei rund 22 Prozent. Bei Amazon, Alphabet und anderen tendiert sie deutlich niedriger oder rutscht Richtung Null.
Azure-Wachstum beschleunigt sich nicht
Im Cloud-Geschäft zeigen sich unterdessen Risse. Das Wachstum von Azure verharrt im hohen 30-Prozent-Bereich und beschleunigt sich nicht weiter. Alphabet und Amazon gewinnen zuletzt Marktanteile hinzu. Im vierten Quartal erzielten beide Wettbewerber deutlich höhere Zuwächse beim Cloud-Umsatz als Microsoft.
Ein Teil des Problems ist hausgemacht. Microsoft hat KI-Chips bewusst nicht vollständig in die Cloud gelenkt, sondern intern priorisiert. Das bremst Azure kurzfristig. Das Management argumentiert mit langfristigem Nutzen. Der Markt reagiert ungeduldig.
Stifel hat die Aktie nach den Alphabet-Zahlen zuletzt von Kaufen auf Halten abgestuft. Begründung: fehlende kurzfristige Katalysatoren und ein Missverhältnis zwischen Kapitaleinsatz und sichtbarer Beschleunigung im Cloud-Geschäft.
Microsoft bleibt operativ stark aufgestellt. Cashflow, Marktposition und Software-Basis sprechen für den Konzern. Derzeit ist Microsoft aber eher ein Mitläufer. Charttechnisch ist die Lage wiederum spannend: Nach einem Doppeltop ging es abwärts. Aktuell werden potenzielle Unterstützungen getestet – derzeit um die 400 Dollar. Aus Trading-Sicht vielleicht einen Blick wert. DER AKTIONÄR wartet jetzt erst mal ab.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.
Heute, 21:38