Société-Générale-Stratege Albert Edwards vergleicht den KI-Investitionsboom mit Asien vor der Krise von 1997. Sein Punkt: Es fließt viel Geld, aber die Produktivität wächst nicht mit. Was heißt das für die Rally?
KI-Aktien haben den S&P 500 an sein Rekordhoch getragen – nun zieht einer der bekanntesten Börsenskeptiker die Parallele zur Asienkrise. Albert Edwards, Stratege der Société Générale, warnt in einem aktuellen Bericht: Die KI-Milliarden könnten verdecken, dass die US-Wirtschaft kaum effizienter wird.
KI-Aktien: Wo bleibt die Produktivität?
Edwards stützt sich auf Daten von Apollo-Chefökonom Torsten Slok: Die totale Faktorproduktivität – wie effizient Arbeit und Kapital zusammen eingesetzt werden – wächst in den USA langsamer. Dabei plant Meta für 2026 Investitionen von 130 bis 145 Milliarden Dollar, Alphabet sogar 195 bis 205 Milliarden. Doch die Nettoinvestitionen nach Abschreibungen kommen gemessen am BIP nicht vom Fleck. Viel Geld ersetzt nur Technik, die schnell veraltet.
Das Muster kennt Edwards aus Asien. Die Weltbank lobte Thailand noch im August 1996, weniger als ein Jahr später brach das Land zusammen. Paul Krugman hatte 1994 gewarnt: Das Wachstum dort beruhe auf mehr Kapital und Arbeit, nicht auf Fortschritt.
Gegen Edwards spricht zweierlei. Effizienzgewinne zeigen sich oft erst Jahre später, räumt er selbst ein. Und der Chart widerspricht ihm: Chartanalyst Andrew McElroy sieht den S&P 500 im langfristigen Aufwärtstrend, die Marktbreite verbessere sich. Er rechnet im Q4 mit einem zähen Anstieg Richtung 8.000 Punkte. Ernst zu nehmen bleibt Edwards: Er fragt nicht nach dem KGV, sondern ob sich die Investitionen rechnen.
Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7.811,54 Punkten, 0,42 Prozent unter dem Rekordhoch von 7.844,52 Punkten vom 6. Oktober – dem nächsten Widerstand. Erste Unterstützung ist die 50-Tage-Linie bei rund 7.700 Punkten, darunter das Septembertief bei 7.507,77 Punkten. Über der 200-Tage-Linie bei rund 7.250 Punkten liegt der Index 7,74 Prozent, der Aufwärtstrend ist intakt. Fällt das Septembertief, ist die jüngste Erholung dahin.
Ob Edwards recht behält, zeigen Ende Oktober die Zahlen der Cloud-Konzerne. Dazu warnt er vor steigenden Zinsen: Anleger verlangen von verschuldeten Staaten immer mehr Rendite. Welche drei Aktien dem Zinsdruck trotzen, lesen Sie in der neuen Ausgabe des AKTIONÄRS – Titelthema: „Zinsschock: Diese 3 Aktien trotzen dem Druck“.
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