IBM und Lockheed Martin bauen an der ETH Zürich ein Zentrum für Quanteninnovation auf. Der erste Quantenrechner der Schweiz geht nach Lugano – bezahlt wird er aus einer Verpflichtung, die aus dem Kauf des Kampfjets F-35A stammt.
Die beiden Konzerne haben am Donnerstag gemeinsam mit armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung, ein Zentrum für Quanteninnovation an der ETH Zürich gegründet. Kernstück ist das erste IBM Quantum System Two der Schweiz. Es wird am Schweizerischen Nationalen Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano stehen, von IBM betrieben und von einem IBM Quantum Nighthawk angetrieben. Die ETH Zürich verteilt den Zugang an Industrie, Start-ups und Hochschulen. Bis der Rechner steht – geplant ist das Ende dieses Jahres –, läuft der Zugang über die IBM-Cloud.
Lockheed Martin: Die Rechnung des Kampfjets
Der interessante Teil der Meldung steht im Nebensatz: Offset-Vereinbarung. Ein Offset ist ein Gegengeschäft. Wer der Schweiz Rüstungsgüter verkauft, bekommt das Geld nicht einfach und geht – er muss einen Teil davon im Land wieder ausgeben. Beim Kampfjet F-35A liegt die Quote gemäss Bundesbeschluss bei 60 Prozent des Vertragswerts. Für Lockheed Martin sind das rund drei Milliarden Dollar, Frist ist Ende 2034. Ein Drittel davon muss direkt am Flugzeug hängen – Teile, Wartung, Ausbildung. Die übrigen zwei Drittel dürfen in der sicherheitsrelevanten Schweizer Industrie und Forschung verteilt werden. Das Quantenzentrum an der ETH Zürich fällt in diesen zweiten Topf.
IBM Nighthawk: Die Zahl der Rechenschritte entscheidet
Der Nighthawk arbeitet mit 120 Qubits und 218 abstimmbaren Kopplern. Entscheidend ist nicht die Zahl der Qubits, sondern die Zahl der Rechenschritte, die eine Schaltung übersteht, bevor die Fehler sie zerlegen: bis zu 5.000 Zwei-Qubit-Gatter, bis Ende 2026 sollen es 7.500 werden. Genau daran hängt IBMs Versprechen, noch in diesem Jahr den ersten belegten Quantenvorteil zu zeigen – also eine Aufgabe, die kein klassischer Rechner schneller löst. Der fehlertolerante Rechner Starling ist erst für 2029 angekündigt.
Schweiz: Warum die Meldung genau jetzt kommt
In Bern steht der F-35 unter Druck. Statt 36 Jets sind noch rund 30 finanzierbar, das Parlament entscheidet in diesen Tagen über einen Zusatzkredit von 394 Millionen Franken. In dieser Lage ist jedes sichtbare Gegengeschäft politisches Kapital – für armasuisse wie für den Lieferanten.
Für die Bilanzen beider Konzerne ist das Zürcher Zentrum eine Randnotiz, für die Positionierung nicht: IBM verankert seine Hardware in einem europäischen Nationalrechenzentrum, Lockheed Martin verwandelt eine politische Bringschuld in Forschungsnähe zu einer Spitzenhochschule. Belastbar wird die Geschichte erst, wenn der Rechner Ende 2026 tatsächlich steht und IBM den Quantenvorteil nicht nur ankündigt, sondern nachweist.
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