Nach der Feiertagspause zum "Memorial Day" dürfte die Wall Street heute mit grünen Vorzeichen in eine verkürzte Handelswoche starten – obwohl neue US-Angriffe auf den Iran den Optimismus auf die Probe stellen. Besonders ins Auge fällt die Euphorie im Tech-Sektor, wo die KI-Fantasie die Aktienkurse heute weiter antreibt. Daneben stehen am Dienstag ein paar Quartalszahlen sowie frische Konjunkturdaten auf dem Programm.
• Trotz neuer Iran-Angriffe bleiben die US-Börsen auf Rekordkurs.
• Vor allem die Fantasie rund um KI und Weltraum sorgt weiter für Euphorie bei Tech-Aktien.
• Ölpreis, US-Konsumdaten und frische Quartalszahlen sorgen am Dienstag für neue Bewegung an der Wall Street.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt angespannt und dürfte auch am heutigen Dienstag wieder Einfluss auf die Bewegung an den internationalen Aktienmärkten nehmen. Trotz Waffenruhe und laufender Gespräche über eine mögliche Lösung im Iran-Konflikt hat das US-Militär in der Nacht nämlich unter dem Vorwand der Selbstverteidigung erneut Ziele im Süden Irans angegriffen – darunter Raketenstellungen sowie iranische Boote nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus, die versuchten, Minen zu platzieren. "Damit wachsen die Zweifel, ob es tatsächlich zeitnah zu einer schnellen und reibungslosen Einigung zwischen den Kriegsparteien kommen kann", warnt Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
Noch am Wochenende hatte die Verlautbarung von US-Präsident Donald Trump, dass eine Einigung mit dem Iran "weitgehend ausgehandelt" sei, eine Welle des Optimismus ausgelöst. Diese dürfte aufgrund der jüngsten Entwicklungen ins Wanken geraten, denn die Sorge vor einer Eskalation flammt wieder auf. Für den Moment scheint der US-Aktienmarkt den positiven Schwung aus der Vorwoche jedoch mitzunehmen. Vorbörslich liegen die Futures auf den Dow-Jones-Index 0,5 Prozent im Plus. Der S&P 500 zieht um 0,7 Prozent und der Nasdaq 100 sogar um 1,1 Prozent an. Zuletzt hatten die drei wichtigsten US-Indizes Wochengewinne zwischen ein und zwei Prozent verbucht.
KI-Fantasie und Space-Boom treiben Tech-Aktien
Nachdem Nvidia am vergangenen Mittwoch mit starken Quartalszahlen und einem robusten Ausblick erneut abgeliefert hat (DER AKTIONÄR berichtete), steht heute einmal mehr der KI-Sektor im Fokus der Anleger. Der Chipriese bleibt der Taktgeber für den gesamten Tech-Sektor, womit der Nasdaq 100 in dieser Woche Kurs auf neue Rekordstände nehmen dürfte. Gleichzeitig steht mit den angekündigten Mega-IPOs von SpaceX, OpenAI und möglicherweise auch Anthropic die nächste KI-Hausse in den Startlöchern.
Weit über den Halbleiter-Boom hinaus setzen Anleger mittlerweile auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette – von Chips über Rechenzentren bis hin zu autonomen KI-Agenten und Weltraum-Infrastruktur. Davon profitiert heute abermals auch der AKTIONÄR-Depotwert Modine. Der Spezialist für Kühlsysteme hat einen milliardenschweren Großauftrag von Data-Center-Betreibern an Land gezogen und springt vorbörslich um fast 20 Prozent nach oben.
Einige Marktbeobachter sehen im Tech-Hype inzwischen allerdings auch eine Gefahr. So warnen die Strategen der Bank of America davor, dass die Konzentration im US-Techmarkt historische Extremniveaus erreichen könnte, die an die Dotcom-Blase erinnern. Die Bewertungen schießen immer weiter nach oben – die geplanten Börsengänge von SpaceX und OpenAI etwa erhalten enorme Vorschusslorbeeren. Das zeigt: An der Wall Street regiert weiterhin die Angst, die nächste KI-Rally zu verpassen, weshalb Anleger bei Nvidia, Micron und Co unbedingt am Ball bleiben wollen. Außerdem springen vor allem Space-Aktien wie Rocket Lab oder AST SpaceMobile im Zuge der Fantasie rund um den bevorstehenden SpaceX-Börsengangs an.
Quartalszahlen: Elbit Systems top, Autozone flop
Bei den Einzelwerten sorgen am frühen Dienstagnachmittag vor Börseneröffnung die Zahlen des israelischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Elbit Systems sowie des führenden US-amerikanischen Kfz-Ersatzteilhändlers Autozone für Bewegung.
Elbit Systems hat mit einem Umsatzplus von 15 Prozent auf 2,19 Milliarden Dollar und einem Nettogewinnsprung um 50 Prozent auf 161 Millionen Dollar im Auftaktquartal die Erwartungen deutlich geschlagen. Der Auftragsbestand erreichte mit über 30 Milliarden Dollar ein neues Rekordniveau. Rückenwind liefert die anhaltend hohe Nachfrage aus Europa nach Rüstungsgütern und Militärmodernisierung. Die Aktie legt vorbörslich um mehr als zwölf Prozent zu.
Ganz anders sieht die Lage bei AutoZone aus. Das Unternehmen verfehlte mit einem Wachstum von acht Prozent auf 4,84 Milliarden Dollar Umsatz im abgelaufenen Quartal knapp die Schätzungen der Analysten. Während sich der Heimatmarkt stark entwickelte, enttäuschte vor allem die Umsatzentwicklung in Mexiko und Brasilien. Zwar überraschte der Gewinn je Aktie in Höhe von 38,07 Dollar positiv – die Analysten hatten lediglich mit 36,19 Dollar gerechnet – der Kurs notiert vorbörslich trotzdem rund fünf Prozent tiefer.
Beide Aktien sind laufende Empfehlungen des AKTIONÄR, mit denen Anleger bereits hohe Renditen einfahren konnten.
Neue Sorgen am Ölmarkt
Der Ölpreis hat in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben, nachdem die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung größer wurde. Die neuen Militärschläge bringen die Nervosität an die Energiemärkte nun aber wieder zurück – der Ölpreis zieht am Dienstag wieder an. Die Nordsee-Sorte Brent verteuert sich heute um rund zwei Prozent auf gut 99 Dollar je Barrel. Der Markt fürchtet nun erneut Störungen der globalen Ölversorgung.
Wichtige US-Konsumdaten voraus
Um 16 Uhr richtet sich der Blick zudem auf die Daten des Marktforschungsinstituts Conference Board zum US-Verbrauchervertrauen. Die Volkswirte erwarten, dass der Konsumindikator im Mai gegenüber dem Vormat von 92,8 Punkte auf 92,0 Punkte zurückfällt. Die Daten geben Aufschluss darüber, wie sich die Konsumausgaben in den USA entwickeln dürften und gelten daher als wichtiger Gradmesser für die Konsumlaune – und damit indirekt auch für die weitere Zinspolitik der Fed. Ein stärker als erwarteter Wert könnte Zinssenkungshoffnungen dämpfen, während schwache Daten neue Konjunktursorgen schüren dürften. In den vergangenen Monaten bewegte sich der Index im Bereich von 89 bis 93 Punkten – deutlich unter dem Niveau von Anfang 2025.
Häufige Fragen zur Wall Street:
Was ist die Wall Street?
Die Wall Street steht sinnbildlich für den US-Finanzmarkt. Dort sitzen zahlreiche Banken, Investmenthäuser und die bedeutendsten Börsen der Welt.
Warum ist die Wall Street so wichtig?
Die US-Börsen gelten als Taktgeber für die weltweiten Finanzmärkte. Bewegungen bei Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 beeinflussen oft auch Europas und Asiens Börsen.
Welche Indizes stehen an der Wall Street im Fokus?
Besonders beachtet werden der Dow Jones, der technologielastige Nasdaq 100 sowie der breit aufgestellte S&P 500 mit den 500 größten US-Unternehmen.
Heute, 15:15