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Trump verkauft Meta und kauft Berkshire Hathaway – das steckt hinter der Rotation

Trump verkauft Meta und kauft Berkshire Hathaway – das steckt hinter der Rotation
Foto: dpa/AP/ Andrew Harnik
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Ingo Nix Heute, 08:04 Ingo Nix
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Am 22. August hat das US-Büro für Regierungsethik die Junigeschäfte aus dem Depot von Donald Trump veröffentlicht: 1.051 Transaktionen, 78 bis 263 Millionen Dollar Volumen. Am 18. Juni wurden Meta und Motorola verkauft, gekauft wurden Berkshire Hathaway, Cintas, Visa und Mastercard. Das ist keine Anlageempfehlung der US-Regierung, aber es ist das Protokoll einer Rotation, die derzeit den ganzen Markt beschäftigt.

Was genau gemeldet wurde

Präsidenten dürfen Aktien halten und handeln. Sie müssen die Geschäfte lediglich melden – über das Formular 278-T des Büros für US-Regierungsethik. Die am 22. August 2026 veröffentlichte Meldung deckt den Juni ab und weist 1.051 Einzeltransaktionen aus. Das gemeldete Volumen liegt zwischen 78 und 263 Millionen Dollar, weil jede Position nur als Spanne anzugeben ist. Gehandelt wurden Aktien, Anleihen und börsengehandelte Indexfonds.

Das Weiße Haus erklärt seit jeher, die Vermögenswerte lägen in einem von den Kindern des Präsidenten verwalteten Treuhandvermögen, es gebe keine Interessenkonflikte. Die Trump Organisation teilt mit, dritte Finanzinstitute hätten die “alleinige und ausschließliche Entscheidungsbefugnis” über alle Anlageentscheidungen. Der Präsident steuert das Konto nach beiden Darstellungen nicht selbst.

Der 18. Juni – die Rotation und ihr Umfeld

Der interessanteste Tag der Meldung ist der 18. Juni. An diesem Donnerstag wurden Meta und Motorola jeweils in der Spanne von einer bis fünf Millionen Dollar verkauft. Am selben Tag wurden Aktien von Berkshire Hathaway, Cintas, Visa und Mastercard gekauft – ebenfalls je in der Spanne von einer bis fünf Millionen Dollar. Vier Käufe, zwei Verkäufe, ein Tag.

Wichtig für die Einordnung: Es waren keine glatten Ausstiege. Später im Monat wurden wieder kleinere Meta-Positionen gekauft, während am 24. Juni ein Teil der Berkshire-Position wieder abgegeben wurde. Wer darin ein persönliches Bekenntnis sucht, wird nicht fündig. Wer die Handschrift einer laufenden Vermögensverwaltung sucht, findet sie genau hier.

Der Tag davor erklärt viel. Am 17. Juni endete die erste Sitzung des Offenmarktausschusses unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh. Der Leitzins blieb einstimmig in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent – erwartungsgemäß. Erschreckt hat die Märkte etwas anderes: Warsh strich die übliche Zinsprojektion des Vorsitzenden, verzichtete auf einen Ausblick der Geldpolitik und kürzte das Begleitstatement radikal ein. Die einzige Zusage lautete: „Das Komitee wird Preisstabilität liefern.“

Zugleich zeigte das Diagramm der Zinsprojektion, dass eine Senkung praktisch aus dem Erwartungsbild verschwunden ist: Neun der 18 teilnehmenden Mitglieder rechnen bis Jahresende mit einer Anhebung, die übrigen neun sehen das Niveau gehalten oder darunter. Der Median für das Jahresende stieg von 3,4 Prozent im März auf 3,8 Prozent. Der Verbraucherpreisindex war im Mai auf 4,2 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, getrieben von Energie seit dem Beginn des Iran-Konflikts: Der Energieindex legte binnen zwölf Monaten um 23,5 Prozent zu und machte allein über sechzig Prozent des Monatsanstiegs aus.

Die Reaktion war eindeutig: Der Dow Jones Index verlor 507 Punkte, nachdem er im Handelsverlauf noch ein Rekordhoch markiert hatte. Der S&P 500 Index gab 1,2 Prozent und der Nasdaq Composite 1,3 Prozent ab. Die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe sprang um mehr als 16 Basispunkte auf 4,22 Prozent. Am stärksten unter Druck standen die großen Technologiewerte – Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon.

Am 18. Juni erholte sich der Markt kräftig: Der Nasdaq Composite gewann 1,9 Prozent, der S&P 500 rund 1,1 Prozent. Und an genau diesem Tag verließ Meta zunächst das Depot, während vier Werte hineinkamen, die man ohne Übertreibung als das Gegenteil eines Zinsrisikos beschreiben kann: eine Beteiligungsholding mit dem größten Barbestand der Unternehmenswelt, ein Anbieter von Arbeitskleidung und Betriebsdienstleistungen sowie die beiden Kartennetzbetreiber, deren Erträge mit dem nominalen Konsum wachsen – also auch mit der Inflation.

Meta (WKN: A1JWVX)

Die Pointe: Berkshire kauft im selben Monat selbst

Wer im Juni Berkshire Hathaway kaufte, kaufte ein Unternehmen, das im selben Quartal seine eigene Kehrtwende vollzog. Unter Greg Abel, der zu Jahresbeginn von Warren Buffett übernommen hat, war Berkshire im zweiten Quartal 2026 erstmals seit 14 Quartalen wieder Nettokäufer von Aktien: rund 23,5 Milliarden Dollar Käufe gegen 3,7 Milliarden Dollar Verkäufe, netto also knapp 20 Milliarden Dollar. Hinzu kamen eigene Aktienrückkäufe über 4,5 Milliarden Dollar nach mageren 235 Millionen Dollar im ersten Quartal – das größte Quartalsvolumen seit 2021.

Das Herzstück war eine Aufstockung bei Alphabet um zehn Milliarden Dollar. Die Position wuchs um 83 Prozent auf rund 106 Millionen Stücke im Wert von knapp 38 Milliarden Dollar zum 30. Juni – damit zählt Alphabet zu den fünf größten Beteiligungen des Konzerns, neben Apple, American Express, Bank of America und Coca-Cola. Die Initiative dafür schreibt sich Buffett selbst zu: „I initiated it“, sagte er Mitte Juli bei CNBC. Der Barbestand sank von einem Rekordwert von 397,4 Milliarden Dollar auf 365,5 Milliarden Dollar; in der engeren Definition aus Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen lag er zum 30. Juni bei rund 344 Milliarden Dollar.

Berkshire Hathaway A (WKN: 854075)

Was das Muster über den Markt sagt

Ein Depot allein ist kein Signal. Aber die Bewegung passt in ein Bild, das sich im Juni an vielen Stellen zeigte. Wenn die Notenbank den Ausblick streicht und die Hälfte ihrer Mitglieder eher an eine Anhebung denkt, verlieren zwei Dinge an Wert: lange Zinsduration und lange Gewinnduration. Beides steckt in hoch bewerteten Technologiewerten. Was gewinnt, sind Geschäftsmodelle, deren Erträge unmittelbar an das nominale Preisniveau gekoppelt sind.

Genau diese Logik lässt sich an den vier Käufen ablesen. Visa und Mastercard verdienen an einem Bruchteil jedes Zahlungsvorgangs – steigt das Preisniveau, steigt die Bemessungsgrundlage automatisch mit, ohne dass ein zusätzlicher Kunde gewonnen werden muss. Cintas vermietet Arbeitskleidung und Betriebsausstattung in mehrjährigen Verträgen mit Preisanpassungsklauseln. Berkshire hält mit 344 Milliarden Dollar in Bargeld und T-Bills einen Bestand, der bei einem Zins von rund 3,6 Prozent für sich genommen zweistellige Milliardenerträge im Jahr abwirft – steigende Zinsen sind hier kein Gegenwind, sondern eine Einnahmequelle.

Dazu passen die übrigen Käufe der Meldung: ein Anleihen-Indexfonds auf US-Staatsanleihen, ein Technologie-Sektorfonds, ein Rohstoff-Indexfonds mit rollierender Strategie sowie mehrere Kommunalanleihen. Verkauft wurden unter anderem ein Fonds auf kurzlaufende Anleihen und ein Sektorfonds auf zyklischen Konsum. Die größte Einzeltransaktion des Monats war am 22. Juni der Verkauf eines Dividenden-Indexfonds in der Spanne von fünf bis 25 Millionen Dollar. Das ist die Handschrift einer Vermögensverwaltung, die Duration umbaut – nicht die eines Stockpickers.

Die Junimeldung ist nicht als Kaufliste zu sehen, aber als Lehrstück. Sie zeigt in Reinform, was eine professionelle Vermögensverwaltung tut, wenn eine Notenbank den Ausblick streicht und die Zinsrichtung offenlässt: Sie verkürzt die Gewinnduration, kauft Erträge, die am nominalen Preisniveau hängen, und parkt den Rest in festverzinslichen Wertpapieren. Wer eine Anlageentscheidung sucht, sollte sich nicht fragen, was in Trumps Depot passiert ist, sondern ob die eigene Duration zum neuen Zinsregime passt.

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