Der S&P 500 muss nach Ansicht von Morgan Stanley noch einmal Luft ablassen, bevor die Erholung auf 8.000 Punkte einsetzt. Chefstratege Mike Wilson hält im Interview mit Bloomberg News vom Sonntag einen Rücksetzer auf 7.100 Punkte für möglich, rund neun Prozent unter dem Rekordhoch. Auslöser: die Zwischenwahlen, die Sorge um die KI-Ausgaben und knappere Liquidität. Den Rückgang sieht er als Einstiegschance, nicht als Ende des Bullenmarkts.
S&P 500: Wie tief fällt der Index um den Wahltermin?
Neu ist die Marke nicht, Wilson nennt sie seit September. Neu ist der Abstand: Nach dem Ausverkauf vom Freitag schloss der Index bei 7.580 Punkten. Bis 7.100 fehlen noch gut sechs Prozent, von dort wären es bis 8.000 Punkte knapp 13 Prozent. Den Anschauungsunterricht lieferte der Freitag gleich mit: Ein schwacher Ausblick von Intel und neue Zweifel an den KI-Milliarden von Amazon und Alphabet kosteten den S&P 500 1,82 Prozent, den größten Tagesverlust seit Juni.
Rückenwind erwartet Wilson von der Statistik. Seit 1950 lag der S&P 500 laut Morgan Stanley sechs und zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl im Plus. Der Haken, den Wilson selbst einräumt: Für den Krieg im Iran und die unklare Politik aus Washington gibt es kein historisches Muster. Dazu kommt Widerstand gegen neue Rechenzentren, der den Ausbau der KI-Infrastruktur bremsen kann.
Die Welle an Aktien- und Anleiheemissionen für KI und Übernahmen hält Wilson für verkraftbar, solange die Wirtschaft kräftig wächst. Teuer wird sie für die Schwachen: Höhere Finanzierungskosten treffen Unternehmen mit dünner Kapitaldecke zuerst. Im kommenden Monat soll der Druck zur Kapitalaufnahme nachlassen. Entscheidend ist damit weniger der Wahlausgang als die Frage, ob der Kapitalmarkt die KI-Rechnungen weiter aufnimmt.
Der S&P 500 ging am Freitag bei 7.580 Punkten aus dem Handel, nach einem Minus von 1,82 Prozent, dem größten Tagesverlust seit Juni. Damit rutschte er auch unter die 50-Tage-Linie bei rund 7.697 Punkten, die 20-Tage-Linie bei rund 7.730 hatte er schon zuvor verloren. Beide bilden jetzt den ersten Widerstand. Das Rekordhoch liegt bei 7.845 Punkten, der Index notiert 3,37 Prozent darunter. Erste Unterstützung ist das Freitagstief bei 7.528 Punkten, der Index liegt 0,7 Prozent darüber. Darunter wartet die 200-Tage-Linie bei rund 7.310 Punkten, der Abstand beträgt 3,7 Prozent. Ein Schluss unter 7.528 Punkten würde den Abwärtsimpuls vom Freitag bestätigen.
Unter der 200-Tage-Linie geriete der Aufwärtstrend ins Wanken, Morgan Stanley plant diesen Rutsch bis 7.100 Punkte allerdings ein.
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