Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen springt auf den höchsten Stand seit 2007. Für die Hyperscaler wird das Wettrüsten um Rechenzentren damit teurer – dabei treiben sie den Zins selbst mit an. Wer zahlt am Ende die Rechnung?
Der US-Anleihemarkt hat diese Woche eine Marke gerissen, die fast zwei Jahrzehnte gehalten hat. Gestern kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zeitweise über 5,15 % und damit so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Heute früh notiert sie bei 5,18 %. Den Schub liefern unerwartet starke US-Wirtschaftsdaten, eine schwach nachgefragte Auktion fünfjähriger Papiere und die wachsende Wette auf eine weitere Zinserhöhung der Fed im Oktober.
KI-Capex: Gut zu wissen
Rund 750 Milliarden Dollar wollen Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle nach Schätzung von S&P Global Ratings in diesem Jahr investieren. Weil der Cashflow dafür nicht mehr überall reicht, holen sie sich das Geld zunehmend am Anleihemarkt – bis August nach Angaben von Reuters rund 220 Milliarden Dollar. Dieses Angebot wirbt um dieselben Käufer wie der Staat und drückt zusätzlich auf die Kurse der US-Staatsanleihen.
Für den KI-Capex heißt das: Das Wettrüsten geht weiter, wird aber teurer. Anleihen der Hyperscaler zahlen einen Aufschlag auf die Staatsrendite, der laut Reuters seit dem Vorjahr gestiegen ist – mittelfristiges Geld kostet damit rund 5,60 %. Zugleich steigt die Messlatte: Ein Rechenzentrum, das bei vier Prozent Kapitalkosten knapp rentabel war, rechnet sich bei sechs Prozent nicht mehr. Pikant ist die Rückkopplung: Laut FactSet finanzieren die fünf Hyperscaler inzwischen 32 % ihrer Investitionen über neue Schulden, nach neun Prozent im Geschäftsjahr 2024. Damit konkurrieren sie mit dem Staat um dieselben Anleihekäufer und treiben den Zins, den sie selbst zahlen. Am empfindlichsten ist Oracle mit seinem dünnen Finanzpolster. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft finanzieren den Großteil dagegen weiter aus eigener Kraft – und im Rennen um Rechenleistung gilt Zögern als teurer als ein höherer Zins.
Steigende Zinsen treffen auf Dauer die Nasdaq härter als den DAX. Dort notieren vor allem Wachstumswerte, deren Gewinne teils weit in der Zukunft liegen. Gestern schloss die Nasdaq nahezu unverändert und den DAX lassen heute Morgen die steigenden Zinsen vorerst auch kalt. Versicherer wie Allianz und Munich Re verdienen jedoch an höheren Zinsen und konnten gestern zulegen.
Sowohl Allianz als auch Munich Re sind laufende Empfehlungen des AKTIONÄRS.
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