Die Woche in drei Sätzen
Es ist die Woche der beiden Gipfel: Am Mittwochabend legt Nvidia die Zahlen zum zweiten Quartal vor, gut einen Tag später beginnt in Jackson Hole das Symposium der Notenbanker, auf dem Kevin Warsh am Freitag seine erste Jackson-Hole-Rede als Chef der Fed hält. Dazwischen liegt mit den privaten Einkommen und Ausgaben für Juli am Mittwochnachmittag genau jene Preisreihe, an der die Fed ihr Inflationsziel misst – ein Datenpunkt, der vor der Sitzung des Offenmarktausschusses am 16. September wichtig ist.
Deutschland
Aus dem DAX 40 kommt in der nächsten Woche nichts mehr – der Index hat seine Berichtssaison abgeschlossen. Was bleibt, sind zwei MDAX-Werte am Donnerstagmorgen, Fielmann mit dem Blick auf die Marge im Auslandsgeschäft und Delivery Hero mit der Frage nach dem freien Cashflow, dazu Dermapharm aus dem SDAX am Dienstag. Die eigentliche Geschichte liegt aber im Bankensektor: Mit DZ Bank und DekaBank am Dienstag, NORD/LB am Mittwoch, Helaba am Donnerstag und LBBW am Freitag berichten binnen vier Tagen fünf Institute des öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Lagers. Einzeln ist keine dieser Meldungen eine Schlagzeile wert; zusammengelesen ergeben sie das derzeit beste verfügbare Bild der Gewerbeimmobilienbestände in deutschen Büchern. Den makroökonomischen Rahmen dazu liefert der Dienstag: um 8:00 Uhr das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal in zweiter Veröffentlichung, um 10:00 Uhr das Ifo-Geschäftsklima für August.
Europa
Der europäische Kalender ist dünn und lohnt genau deshalb den zweiten Blick. Die Vienna Insurance Group legt am Mittwochmorgen Zahlen vor; interessant ist das weniger wegen der Schaden-Kosten-Quote als wegen des Osteuropageschäfts, das kein anderer Versicherer in dieser Breite abbildet. Pernod Ricard folgt am Donnerstag mit den Jahreszahlen und ist gleich in zwei Rollen zu lesen: als Konsumbarometer für gehobene Ausgaben und als einer der unmittelbar von der Zollfrage im Chinageschäft betroffenen Werte. Aroundtown schließlich berichtet am Mittwoch früh aus Luxemburg – Gewerbeimmobilien, wie bei den Landesbanken, nur diesmal von der Eigentümerseite betrachtet.
USA
Der Mittwochabend trägt die Woche, und zwar in 20 Minuten: Salesforce und HP um 22:00 Uhr, Nvidia um 22:20 Uhr. Bei Nvidia liegt der Konsens mit 91,85 Milliarden Dollar nur rund ein Prozent über der eigenen Prognose – so wenig Luft hatte dieser Wert vor einem Termin selten. Salesforce liefert am selben Abend die Gegenprobe: Verdient auch die Anwendungsschicht an der Künstlichen Intelligenz oder nur die Infrastruktur? Entschieden wird das dort nicht am Gewinn pro Aktie, dessen Erwartung das Unternehmen zuletzt regelmäßig übertroffen hat, sondern am Wachstum der laufenden Auftragsbestände. Aus der Softwareecke berichten außerdem Zoom und Intuit am Dienstagabend. Die Konsumsignale der Woche liefern Abercrombie & Fitch am Mittwoch sowie Best Buy und Autodesk am Donnerstag.
Jackson Hole: Ein neuer Mann mit Problemen
Am Freitagvormittag tritt Kevin Warsh in Jackson Hole ans Pult, in Deutschland ist es dann später Nachmittag. Es ist seine erste Rede beim Symposium der Notenbank von Kansas City als Vorsitzender der Fed. Offiziell geht es um Finanzinnovation, heikel ist jedoch die Ausgangslage. Der Leitzins wurde am 29. Juli mit neun zu drei Stimmen bei 3,50 bis 3,75 Prozent bestätigt. Drei regionale Notenbankchefs – Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan – wollten dort um 25 Basispunkte erhöhen. Die Frage über dieser Rede lautet also nicht, wann gesenkt wird. Sie lautet, ob erhöht wird.
Das Protokoll der Julisitzung zeigt seit dem 19. August, dass die Zustimmung zu einer strafferen Geldpolitik über die drei Abweichler hinausreichte. An den Terminmärkten ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schritt im September trotzdem von rund der Hälfte um die Julisitzung herum auf etwa ein Drittel gefallen. Warsh spricht vor einem Publikum, das eine Erhöhung für möglich hält, sie aber kaum noch einpreist. Entweder wird er deutlicher, als ihm lieb ist. Oder er muss das Schweigen so gestalten, dass es nicht als Antwort gelesen wird.
Viel Zeit lässt ihm der Kalender nicht: 19 Tage bis zur Sitzung des Offenmarktausschusses am 16. September, dazwischen Arbeitsmarktbericht und Verbraucherpreise. Für Anleger ist die Rede deshalb kein Handelssignal, sondern ein Kontextereignis.
Der Mittwoch um halb drei: Die Zahl, an der die Fed sich misst
Während der Markt am Mittwoch auf den Abend wartet, auf Nvidia und Salesforce, ist der Tag längst entschieden. Um 14:30 Uhr MESZ kommt der Preisindex der privaten Konsumausgaben für Juli. An ihm misst die Fed ihr Inflationsziel, nicht am bekannteren Verbraucherpreisindex – dessen Gewichte liegen fest, während sich dieser Warenkorb anpasst, wenn Haushalte ihr Verhalten ändern. Wer im Supermarkt vom Rindfleisch zum Hähnchen wechselt, taucht darin auf. Die Messlatte liefert der Juniwert: Gesamtrate 3,7 Prozent nach 4,1 Prozent im Mai, Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie 3,3 Prozent. Beide liegen deutlich über dem Ziel von zwei Prozent. Die Inflation ist in den USA nicht besiegt, sie ist im Frühjahr zurückgekommen. Entscheidend ist, woher der Junirückgang kam: über die Energiepreise, die nachgaben, weil im Konflikt mit Iran vorübergehend die Waffen ruhten. Was über den Ölpreis hineinkommt, kann über den Ölpreis genauso schnell wieder herausfallen. Die Frage lautet deshalb nicht, ob die Zahl sinkt, sondern ob der Rückgang ohne Energie trägt. Die Antwort steht in der Kernrate.
Die Ausgaben der Haushalte legten im Juni preisbereinigt um 0,4 Prozent zu – getragen fast ausschließlich von Dienstleistungen. Der amerikanische Verbraucher kauft kaum noch mehr Dinge, aber deutlich mehr Erlebnisse. Für Konsumwerte sagt das mehr aus als jede Umfrage zum Verbrauchervertrauen. Dazu die Stellung im Kalender: acht Stunden vor den Nvidia-Zahlen, zwei Tage vor der Rede in Jackson Hole. Es ist die letzte harte Inflationszahl, die Kevin Warsh in seinem Manuskript noch unterbringen kann. Fällt die Kernrate deutlich, verlieren die Falken im Offenmarktausschuss ihr stärkstes Argument. Bleibt sie hartnäckig, wird aus drei Stimmen im September womöglich eine Mehrheit.
Es ist eine Woche mit zwei Fixpunkten und wenig dazwischen. Nvidia wird am Mittwochabend die Erwartung erfüllen oder verfehlen – aber entschieden wird die Reaktion nicht an der Zahl selbst, sondern am Satz zum kommenden Quartal, und dafür bleibt bei einem Abstand von rund einem Prozent zwischen eigener Prognose und Konsens kaum Puffer. Am Freitag spricht Kevin Warsh zum ersten Mal als Chef der Fed in Jackson Hole, und die Frage hinter seiner Rede ist die unangenehmere Variante der gewohnten: nicht wann gesenkt, sondern ob erhöht wird.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
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