Der DAX baut seine Gewinne im Laufe der Handelswoche aus und steigt erstmals seit Anfang September wieder über die runde Marke von 26.000 Punkten. Aussagen von der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Leitzins wie erwartet stabil gehalten hat, kommen gut an. Indes verlässt Christine Lagarde die Notenbank deutlich vor dem Ende der regulären Amtszeit.
Die EZB-Präsidentin hört am 7. Februar 2027 auf und damit knapp neun Monate vor dem festgelegten Ende der Amtsperiode. Über ihren Rücktritt habe Lagarde den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, informiert, teilte die Notenbank in Frankfurt wenige Stunden vor ihrem Zinsentscheid mit.
"Ich will Redefreiheit, ich will Meinungsfreiheit und ich will die Freiheit, mich mit Angelegenheiten zu befassen, die nicht die Geldpolitik betreffen", begründete Lagarde ihre Entscheidung. Es gebe nie eine gute Zeit zu gehen, aber in der gegenwärtigen Zeit könne sie nicht neutral bleiben, so wie es ihre Rolle als Notenbankerin verlange. "Ich stelle sehr oft fest, dass die Wahrheit verfälscht und durch falsche Darstellungen widerlegt wird."
Die achtjährige Amtszeit von Lagarde, die am 1. Januar 71 Jahre alt wird, wäre bis Ende Oktober 2027 gelaufen. Zuletzt hatten sich Hinweise verdichtet, dass die Französin die Führung des Weltwirtschaftsforums in Davos übernehmen könnte.
Für die Notenbank kommt Lagardes Rückzug in schwierigen Zeiten: Der Iran-Krieg hat die Inflation im Euroraum mit 3,8 Prozent im September auf den höchsten Stand seit drei Jahren getrieben. Das EZB-Ziel stabiler Preise bei mittelfristig 2,0 Prozent Teuerung ist vorerst weit weg.
"Mitten in einer Phase erhöhter Inflation, nervöser Anleihemärkte und geopolitischer Spannungen ist ein Führungswechsel an der Spitze der EZB das falsche Signal", kritisierte Markus Ferber, wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.
Trotz der hohen Inflation verzichtete die EZB auf eine weitere Zinserhöhung bei der heutigen September-Sitzung. Vorerst hat der Einlagenzins von 2,5 Prozent Bestand. Eine Erhöhung des Leitzinses im Dezember ist auf Basis der aktuellen Gemengelage inzwischen wahrscheinlich.
Die Zinspause der EZB und auch die der Fed am gestrigen Mittwoch spielen den Bullen in die Karten. Die charttechnische Verfassung des DAX hat sich durch das heutige Kursplus erheblich verbessert und trotzt weiterhin zahlreichen (geopolitischen) Krisen. DER AKTIONÄR bleibt ebenfalls bullish für den Gesamtmarkt und damit auch für den deutschen Leitindex gestimmt.
Enthält Material von dpa-AFX
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