Nach 37 Jahren ist Schluss: Am Dienstag hat McDonald’s den McRib in Deutschland aus dem Standardsortiment genommen. Fans des Burgers mit Schweinefleisch, Gurken, Zwiebeln und Barbecuesoße bleibt nur ein sehnsüchtiger Blick in die USA, denn dort kehrt der McRib genau in diesem Monat als zeitlich begrenztes Aktionsprodukt zurück.
In der Krypto-Szene sorgt das für mehr Aufmerksamkeit als gewöhnliches Fast-Food-Marketing. Seit einigen Jahren kursiert in den sozialen Medien die These, die Rückkehr des McRib kündige einen Anstieg des Bitcoin-Kurses an. Der Burger ist damit zum Meme geworden – und zum Beispiel dafür, wie bereitwillig Anleger Muster in Kursverläufen ausmachen, wo gar keine sind.
Luke Nolan, Senior Researcher beim Vermögensverwalter CoinShares, hält wenig von der Theorie. Es gebe „überhaupt keine Korrelation“, sagte er gegenüber dem Krypto-Portal Decrypt. Die These sei zwar unterhaltsam, viele blendeten aber jene Jahre aus, die nicht ins Narrativ passten.
Drei Treffer bei zehn Versuchen
Nolan hat die Rückkehr-Termine des McRib mit dem jeweiligen Wochenschlusskurs von Bitcoin verglichen. Nur in drei von zehn Fällen folgte ein klares Plus, häufiger ging die Rückkehr des Burgers deutlichen Kursrückgängen voraus. Ein typischer Fall von Survivorship Bias, der Überlebenden-Verzerrung: Die Treffer bleiben in Erinnerung, die Fehlschläge werden ausgeblendet.
Carlos Guzman, Vice President Research beim Krypto-Handelshaus GSR, sieht ebenfalls keinen ursächlichen Zusammenhang. Kursgewinne nach der Rückkehr des Burgers seien ein „lustiger Zufall“. Selbst wenn der McRib einmal den Beginn einer Rally markiert hätte, wäre das laut Nolan ähnlich unsinnig wie frühere Versuche, den Bitcoin-Kurs mit den Kinostarts der „Dune“-Filme in Verbindung zu bringen. Dass sich die Theorie dennoch halte, liege laut Guzman gerade daran, dass sie offensichtlich absurd und deshalb amüsant sei.
Fed statt Fast Food
Für die Kursentwicklung sind andere Faktoren entscheidend. Bitcoin notiert aktuell bei rund 80.000 Dollar und hat seit Monatsbeginn etwa vier Prozent verloren. André Dragosch, Head of Research bei Bitwise Europe, sieht den Markt im Abwartemodus: Viele Trader hielten sich mit größeren Positionen zurück, bis die US-Notenbank Klarheit schaffe.
Das ist mit dem Zinsentscheid am gestrigen Mittwoch nicht gelungen. Zwar ließ die Fed den Leitzins wie erwartet unverändert, die Entscheidung war aber nicht einstimmig: Zwei Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums sprachen sich für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus. Weil Fed-Chef Kevin Warsh keine klare Richtung vorgab, preisen die Märkte laut CME FedWatch Tool inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 85 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember ein.
Optionsverfall und Zwischenwahlen im Blick
Neben der Fed-Sitzung nannte Jake Koch-Gallup, Senior Research Analyst bei Blockworks, noch zwei weitere Termine, die in den kommenden zwei Wochen den Kurs bestimmen dürften: den Verfall von Bitcoin-Optionen im Volumen von 11,7 Milliarden Dollar am 30. Oktober sowie die US-Zwischenwahlen am 3. November.
Sollte Bitcoin in den kommenden Tagen tatsächlich steigen, dürften sich die Anhänger des McRib-Indikators bestätigt fühlen. Die Ursache wäre jedoch nicht die Rückkehr des Burgers, sondern eine Besserung des Makro-Umfelds in Verbindung mit wieder anziehender Nachfrage.
Anleger orientieren sich besser an Zinsen, Kapitalflüssen und Verfallsterminen als an der Speisekarte von McDonald’s. Zumal der Bitcoin-Kurs nach dem Zinsentscheid ohnehin wieder im Minus notiert und weiterhin um die 80.000-Dollar-Marke kämpft.
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