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01.04.2003 DER AKTIONÄR

Versicherungsbranche im Umbruch

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Die Kursverluste an der Börse ziehen auch an den deutschen Versicherungskonzernen nicht spurlos vorüber. Während des Booms der 90er-Jahre hatten viele Gesellschaften ihren Aktienanteil auf 30 Prozent aufgestockt. Dies brachte in den Portfolios dicke Gewinne, die durch überdurchschnittliche Renditeversprechungen an die Kundschaft weitergegeben wurden. Doch seit dem Jahr 2000 hat sich das Gesamtbild erheblich eingetrübt - manch einer befürchtet gar dem Zusammenbruch der Versicherungsbranche. Allein für 2002 gehen Experten von 45 bis 50 Milliarden an so genannten stillen Lasten aus.

 Der Paragraf 341b Handelsgesetzbuch erlaubt den Versicherern nämlich, die Aktien vorrübergehend mit höheren Werten in den Büchern auszuweisen als sie tatsächlich an der Börse gehandelt werden. Für Unternehmen, die in der Vergangenheit nicht gründlich genug vorgesorgt oder zu spät auf die Krise an den Kapitalmärkten reagiert haben, eine durchaus existenzbedrohende Situation.

 Wie brisant die Situation ist, zeigt das Engagement des Bundesaufsichtsamtes Bafin. Dieses hatte allen Konzernen bis zum 31. März eine Art Stresstest auferlegt. Annahme: ein Kursverlust der Aktien von 35 Prozent auf die Buchwerte in den Jahresabschlüssen 2002. Wer durchfällt, muss dem Amt Konzepte zur Sanierung vorlegen. Branchenexperten gehen davon aus, dass rund die Hälfte der deutschen Versicherer den Test nicht bestehen wird. Langfristig profitieren werden dagegen die Großen der Branche. Sie verfügen meist noch über genügend Reserven und haben nach wie vor das Vertrauen der Verbraucher. So hat allein die Allianz im letzten Jahr mehr als eine Million Neuverträge abgeschlossen, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 82 Prozent.

 Eine Marktbereinigung unter den deutschen Lebensversicherern wird nicht ausbleiben. Umso mehr sollten Kunden bei Neuabschlüssen von Lebensversicherungen auf die Finanzstärke der Unternehmen achten. Ein Kriterium, das übrigens auch alle Aktienanleger bei der Auswahl ihres Investments berücksichtigen sollten.

 Ihr Bernd Förtsch

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