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14.02.2020 Thomas Gebert

Kolumne: Das versteckte Risiko

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Infineon Technologies

Es gibt Aktien, die nervöser als die anderen tendieren. Geht es nach oben mit dem DAX, steigen sie stärker, fallen jedoch auch wieder mehr, wenn der DAX den Rückwärtsgang einlegt. Um diese spezielle Charakteristik einer Aktie zu beziffern, wird ihr eine Größe angeheftet, die man Beta nennt.


Dieser Wert Beta vergleicht die Schwankungen des Aktienkurses gegenüber seinem Mittelwert mit den Schwankungen des DAX bezüglich seines Mittelwerts in der beobachteten Zeitspanne. Mathematisch formuliert ist Beta gleich der Kovarianz von der jeweiligen Aktie und dem DAX geteilt durch die Varianz des DAX. Ein Wert von über eins bedeutet, dass die Aktie mit diesem Wert die Schwankungen des DAX etwas ausgeprägter vollführt. Ein Wert von unter eins ergibt sich bei Aktien, die etwas schwerfälliger tendierten.


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E.on vs. Infineon

E.on besitzt zum Beispiel einen Wert von 0,34, was bedeutet, dass E.on die Bewegungen des DAX nur eingeschränkt mitmacht. Die Zeitspanne der Beobachtung haben wir hier zu sechs Monaten gewählt. In den letzten sechs Monaten hat E.ON die Schwankungen des DAX also nur zu 34 Prozent abgebildet. Die zappeligste Aktie im DAX ist Infineon. Das Beta von 1,74 heißt, dass Infineon die Bewegungen des DAX mit dem Faktor 1,74 multipliziert. Steigt der DAX zehn Prozent, legt Infineon im Mittel 17 Prozent zu, natürlich nur als ungefähr vermuteter Näherungswert. Geht es zehn Prozent runter mit dem DAX, fällt Infineon um 15 Prozent (100 geteilt durch 1,17 gleich 85).


E.on (WKN: ENAG99)

Diesen Wert muss man beachten, um das Risiko, das man im eigenen Depot fährt, richtig einzuschätzen. Besitzt man beispielsweise Aktien mit einem hohen Beta wie Infineon, ASML und LVMH mit Werten von über 1,5, ist es schön, wenn der Markt steigt, weil man dann überproportional profitiert. Dann muss man aber eben auch bedenken, dass man, wenn der Markt einmal dreht, mit diesen Werten auch überproportional verlieren wird.


Das eigene Risiko im Griff

Im Musterdepot des Gebert-Brief konnten wir in den letzten Monaten schön von diesen drei Werten profitieren. Wichtig war dafür allerdings eine Aufwärtsbewegung des DAX. Wäre der DAX unter die Räder gekommen, hätten diese Werte besonders viel verloren. Man muss es sich so vorstellen, dass man mit hohen Beta-Aktien das Depot hebelt. Mit ASML, LVMH und Infineon hat man gewissermaßen ein Hebelzertifikat auf den DAX mit dem Faktor 1,5 im Depot. Sinnvoll scheint es deshalb zu sein, sich einmal die Beta-Werte der Aktien, die man im Depot hat, rauszusuchen und sich das mittlere Beta seines Depotwertes auszurechnen.


Hebel fürs Depot

Nehmen wir an, man kommt bei diesem Mittelwert auf eine Zahl von 1,2, bedeutet das, dass man quasi zu 120 Prozent in Aktien investiert ist. Ein Fall des DAX von zehn Prozent verursacht dann ein Loch von 12 Prozent im Depot, so als hätte man für 120 Prozent des Depotwertes den DAX gekauft. Es spricht nichts dagegen, auch mal Aktien mit einem hohen Beta zu kaufen, die in einer Hausse richtig abzischen. Man muss aber zu jedem Zeitpunkt genau wissen, welches Risiko man sich damit ans Bein gebunden hat. Dafür ist der Wert Beta da. Es werden auch mal wieder Abwärtsbewegungen kommen.


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