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15.07.2003 DER AKTIONÄR

Die Lust am Spekulieren

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Altmeister André Kostolany bezeichnete das Spekulieren an der Börse als Kunst und den Beruf des Börsenspekulanten als den schönsten der Welt. Allerdings dürfte vielen Anlegern die Lust auf die Spekulation in den letzten Jahren vergangen sein. Denn fallende Börsenkurse (mit denen man natürlich auch Geld hätte verdienen können), manipulierte Firmenbilanzen und bewusste Falschaussagen von Analysten ließen aus der Kunst schnell ein Glücksspiel werden.
Dass sich die Spekulation dennoch lohnen kann, wenn man sich nicht entmutigen lässt, zeigen die zurückliegenden Monate. Dax, Dow und Nasdaq zogen kräftig an, einzelne ausgesuchte Aktien legten um viele hundert Prozent zu. Doch der Aktienmarkt ist nur ein Gebiet, auf dem man sich als Spekulant tummeln kann. Auf der Suche nach Alternativen rücken die Rohstoffmärkte zusehends in den Blickpunkt der Anleger. Das bekannteste Beispiel dürfte dabei das Edelmetall Gold sein. Seit einem charttechnischen Doppeltief Ende der 90er-Jahre befindet sich der Goldpreis in einem Aufwärtstrend. Im Spätsommer beginnen zudem die traditionell starken Goldmonate, die vor allem auf eine hohe Nachfrage aus Indien zurückzuführen sind.
Durch die Liberalisierung des Goldmarktes kommt in diesem Jahr auch noch China als neuer potenzieller Aufkäufer ins Spiel.
Neben Gold lohnt auch ein Blick auf Weizen. Die aktuellen Produktionszahlen zeigen nämlich, dass es beim Getreide ein strukturelles Defizit am Weltmarkt gibt. Dies spricht klar für steigende Weizenpreise. Nun ist es wenig ratsam, im heimischen Keller einige Tonnen Weizen zu bunkern, in der Hoffnung, diese bald teurer verkaufen zu können. Aussichtsreicher scheint da schon der Erwerb von Zertifikaten und Optionsscheinen zu sein. Hier sind allerdings auch die Banken und Emissionshäuser gefragt, denn nach wie vor ist die in diesem Bereich angebotene Produktpalette mehr als dürftig.
Wer als Anleger also mit Spekulation Geld verdienen möchte, darf sich nicht entmutigen lassen. Und wenn es einmal auf dem einen Gebiet nicht so richtig klappt, dann sollte man sich nach einem neuen Spekulationsfeld umschauen, bevor man entnervt die Flinte ins Korn respektive in den Weizen wirft.

Olaf Hordenbach
stellv. Chefredakteur

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