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30.06.2020 Nikolas Kessler

Wirecard: Startschuss zum großen Ausverkauf – Update

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Wirecard

Wegen des Bilanzskandals ringt Wirecard ums Überleben – und dürfte schon bald auch noch seine Nordamerika-Tochter verlieren: Wirecard North America stellt sich zum Verkauf, wie das US-Unternehmen in der Nacht auf Dienstag selbst mitteilte. Zudem soll es Interesse an der Wirecard Bank geben (Update dazu im vorletzten Absatz).

Wirecard war erst 2016 mit der Übernahme von Citi Prepaid Card Services von der Bad Bank der US-Großbank Citigroup in den US-Markt eingestiegen. Seitdem sei Wirecard North America jedoch eine „selbsttragende Einheit“ geblieben, die „weitgehend autonom von Wirecard ist“, betont das US-Unternehmen.

The show must go on

„Die Wirecard AG wird auch in Zukunft keinen Einfluss auf Entscheidungen und Finanzen von Wirecard North America haben“, heißt es in dem Statement weiter. Die Gelder der nordamerikanischen Kartenbesitzer und Kunden seien sicher und lägen bei gut kapitalisierten Partnerbanken in den USA und Kanada.

Und auch das operative Geschäft laufe unabhängig vom Bilanzskandal und der Insolvenz des deutschen Mutterkonterns weiter: „Wirecard North America arbeitet weiterhin ohne jegliche Störungen für Kunden und Kartenbesitzer“, so Managing Director Seth Brennan.

Eine Investmentbank koordiniere den Verkaufsprozess des Nordamerika-Geschäfts. Ein Verkauf der Aktivitäten könnte womöglich nur der Auftakt zum Ausverkauf des einstigen Tech-Überfliegers sein, der mittlerweile unter vorläufiger Insolvenzverwaltung stehen. An der Börse wird angesichts der jüngsten Kursentwicklung bereits darauf spekuliert, dass sich Investoren oder Konkurrenten Teile von Wirecard schnappen könnten.

Update: Übernahmeszenario für Wirecard Bank

Laut dem Branchenportal finanz-szene.de kursiert in Finanzkreisen zudem ein Szenario, bei dem die Solarisbank die Wirecard Bank AG zumindest in Teilen übernehmen könnte. Darauf angesprochen sagte Solarisbank-Chef Roland Folz: „Die Dienstleistungen der Wirecard Bank ähneln den unseren. Je nachdem, wie sich die Dinge entwickeln, könnten wir darum sicherlich für viele Kunden des Wettbewerbers so etwas wie die natürliche Alternative sein.“ Grundsätzlich stehe man bereit und sei offen für Gespräche.

Die Wirecard Bank ist beim Insolvenzverfahren des Mutterkonzerns außen vor. Als zuständige Bankenaufsicht hat die BaFin jedoch einen Sonderbeauftragen eingesetzt, die die Zahlungsströme der Bank überwacht. Damit hat dort nun die BaFin das Sagen, nicht mehr der Wirecard-Vorstand.

Wirecard (WKN: 747206)

Die Schulden von Wirecard wurden auf rund 3,5 Milliarden Euro beziffert. Selbst bei einer Zerschlagung und dem Verkauf der Einzelteile dürften die Gläubiger also auf einem dicken Verlust sitzen bleiben.

Dennoch kommt die Meldung an der Börse zunächst gut an: Im Laufe des Vormittags hat sich der Kurs erneut mehr als verdoppelt und in der Spitze sogar die 9-Euro-Marke erreicht. Angesichts der enormen Verluste von fast 99 Prozent in den vergangenen Wochen ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mit Material von dpa-AFX.

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