Eigentlich lief es auf Party-Stimmung in Miami hinaus. Doch jetzt lesen Top-Leute bei Goldman Sachs nervös Akten. Die Aktie rutscht, obwohl das Kerngeschäft läuft. Der Auslöser ist ein Name, der sofort alles vergiftet: Jeffrey Epstein. Nun steht ausgerechnet die Person im Zentrum, die im Haus über Regeln, Geschenke und Reputationsrisiken wacht.
Kathy Ruemmler ist die Chefjuristin bei Goldman. In den neu veröffentlichten Unterlagen tauchen Angaben zu Geschenken und einem auffallend vertraulichen Umgangston aus der Zeit auf, bevor sie 2020 zur Bank kam. Das bringt die Bank in eine ungünstige Lage. Denn Goldman hatte seit November mehrfach betont, Ruemmler habe die Führung vor ihrem Einstieg über die Epstein-Verbindung informiert. Nun wird intern offenbar neu gewichtet, wie diese Verteidigung nach außen wirkt, wenn weitere Details nachkommen.
Goldman hält an Ruemmler fest. Der Sprecher der Bank betont, man habe ihre frühere Rolle als Strafverteidigerin verstanden und die Kontakte als beruflich eingeordnet. Ruemmler weist den Eindruck zurück, sie habe von laufenden Straftaten gewusst oder Epstein als das gekannt, was später öffentlich wurde.
Intern gibt es nun offenbar Reibung. Bloomberg schreibt, dass Führungskräfte darauf verweisen, normale Mitarbeiter würden für Geschenke, die nur einen Bruchteil der genannten Werte ausmachen, Ärger bekommen. In so einer Gemengelage reicht schon die Frage nach doppelten Standards, um Unruhe zu schüren. Erst recht in einer Woche, in der Partner und Top-Leute eigentlich feiern wollten.
Hintergrund
Jeffrey Epstein war ein US-Finanzier, der wegen Sexualdelikten und des Missbrauchs minderjähriger Mädchen international Schlagzeilen machte. Er starb 2019 in einem Gefängnis in New York, während er in einem Verfahren wegen Menschenhandels und sexueller Ausbeutung angeklagt war. Jüngst wurden Millionen Seiten an Dokumenten veröffentlicht, darunter auch Materialien aus Ermittlungen und Gerichtsverfahren rund um Epstein und sein Netzwerk. Besonders häufig und auch in problematischen Zusammenhängen taucht übrigens der Name Donald Trump auf.
Der Kurs gibt nach, aber US-Aktien schwächeln heute ohnehin etwas. Die Goldman-Sachs-Aktie setzt an der 50-Tage-Linie auf. Wer der AKTIONÄR-Empfehlung gefolgt ist, liegt prozentual zweistellig im Plus. Es handelt sich derzeit eher um eine Korrektur als einen Trendbruch. Zumal eine Personalie allein eine Großbank nicht ins Wanken bringen wird – und Großbanken bekanntlich ohnehin ab und an für einen Skandal gut sind.
04.02.2026, 21:25