Der Schlagabtausch zwischen der Commerzbank und der UniCredit geht in die nächste Runde. Die Italiener drohen nun, auf der nächsten Hauptversammlung tabula rasa zu machen. Dass sie der erst kürzlich abgehaltenen diesjährigen Hauptversammlung fernblieben, hat auch einen Grund.
Das Wichtigste kurz und knapp
• UniCredit und Commerzbank streiten weiter öffentlich über eine Übernahme.
• Bettina Orlopp weist die jüngsten Drohungen der UniCredit deutlich zurück und zeigt sich irritiert.
• Die UniCredit hält sich bei Hauptversammlungen bislang zurück, um nicht den Eindruck der vollen Kontrolle zu erwecken.
In einem freundlichen Marktumfeld verlor die Commerzbank-Aktie gestern mit 1,7 Prozent übermäßig und reihte sich am Ende des DAX ein. Das verwundert, denn der Markt preiste gestern einen Deal im Nahen Osten zwischen dem Iran und den USA ein, was zu großer Erleichterung an den Börsen führte. Bei der Commerzbank geht der Streit um die Übernahme indes weiter.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gibt der UniCredit nach neuerlichen Attacken Kontra. Die jüngsten Äußerungen der UniCredit seien bemerkenswert, da sie Unruhe in einem laufenden Verfahren stifteten und die Frage aufwürfen, wie verlässlich die Angaben der Italiener seien, sagte die Managerin auf dem "Euro Finance Summit" in Frankfurt. Man sei "irritiert" über die neueste Mitteilung der UniCredit.
Im Übernahmeringen um die Commerzbank hatte die UniCredit zuvor indirekt mit einer Absetzung des Vorstands um Orlopp gedroht. "Sollte UniCredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre," hieß es in einer Mitteilung der UniCredit, die zuletzt steigende Anteile an der Commerzbank gemeldet hatte.
Die UniCredit hätte sowohl bei der diesjährigen Hauptversammlung als auch schon 2025 die Möglichkeit gehabt, ihren Einfluss geltend zu machen. Dass sie es nicht tat, dürfte einen Grund haben. Die Mailänder wollen es bisher vermeiden, den Eindruck der Kontrolle zu erwecken. Da die Commerzbank-Hauptversammlungen zuletzt schwach besucht waren, wäre dies trotz einer Beteiligung von klar unter 50 Prozent möglich gewesen. Das hätte aber die Bankenaufsicht auf den Plan rufen können. Eine Konsolidierung des Commerzbank-Anteils in der Bilanz will die UniCredit aufgrund der Kosten indes vermeiden.
Es ist durchaus denkbar, dass die UniCredit auf der kommenden Hauptversammlung ihren Einfluss ausspielt, sofern es bis dahin nicht ohnehin zu einer Übernahme gekommen ist. Das Aktionärstreffen ist aber erst in einem Jahr. Vielmehr will CEO Andrea Orcel Anlegern nun wohl den Eindruck vermitteln, dass das Spiel gelaufen ist. So einfach ist es aber nicht. Investierte Anleger bleiben weiterhin an Bord und setzen im Zuge des Übernahmekampfes auf höhere Kurse.
FAQs zur Commerzbank
Was macht die Commerzbank?
Die Commerzbank ist eine der führenden Banken in Deutschland. Sie betreut Privatkunden, Firmenkunden und institutionelle Investoren. Nach der Deutschen Bank ist die Commerzbank die zweitgrößte börsengelistete Bank Deutschlands.
Ist die Commerzbank-Aktie im DAX gelistet?
Ja, die Commerzbank-Aktie ist im DAX gelistet und zählt damit zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.
Zahlt die Commerzbank eine Dividende?
Ja, die Commerzbank zahlt grundsätzlich eine Dividende. Die Höhe hängt von der Geschäftsentwicklung, der Kapitalausstattung und den Beschlüssen von Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung ab. In den vergangenen Jahren wurde sie mehrfach kräftig erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 1,10 Euro je Aktie gezahlt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 08:09