TUI macht Druck: Der Reisekonzern fordert eine sofortige Reform des Deutschen Reisesicherungsfonds. Die Kritik kommt nicht überraschend, denn die Branche klagt seit Längerem über gebundene Liquidität und hohe Belastungen. DER AKTIONÄR zeigt, was Anleger zu der Forderung wissen müssen.
Das Wichtigste kurz und knapp
• TUI fordert eine sofortige Reform des Deutschen Reisesicherungsfonds
• Im Zentrum stehen niedrigere Belastungen für Reiseveranstalter.
• Hintergrund ist ein Urteil des Berliner Kammergerichts zugunsten des Fonds im Streit mit Dertour.
In einer offiziellen Stellungnahme verlangt TUI, die laufenden Gebühren für den Deutschen Reisesicherungsfonds unverzüglich auf null zu setzen und die von Reiseveranstaltern zu hinterlegenden Sicherheitsleistungen spürbar zu reduzieren.
Der Vorstoß erfolgt unmittelbar nach einer Entscheidung des Berliner Kammergerichts. Dieses hatte eine Klage des Konkurrenten Dertour gegen den Reisesicherungsfonds abgewiesen. Dertour hatte die Rückzahlung von rund 1,27 Millionen Euro gefordert und die Berechnungsmethode der Fondsbeiträge angegriffen. Das Kammergericht folgte dieser Argumentation nicht und wies die Klage ab. Eine Revision wurde nicht zugelassen.
Für TUI ist das aktuelle System ein Kostentreiber. Nach Angaben des Konzerns haben die deutschen Reiseveranstalter seit Einführung des Fonds im Jahr 2021 insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital angesammelt und hinterlegt. Aus Sicht von TUI ist damit ein ausreichendes finanzielles Polster vorhanden, um auch größere Marktrisiken abzufedern. Weitere Einzahlungen seien wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen.
Besonders kritisch sieht TUI die blockierte Liquidität. Das im Fonds gebundene Kapital fehle den Unternehmen für Investitionen, technologische Innovationen und den Ausbau des operativen Geschäfts. Zudem kritisiert der Konzern, dass das Fondsvermögen nicht produktiv angelegt werde und durch die Inflation real an Wert verliere.
Auch der Deutsche Reiseverband sieht Reformbedarf. Er reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung des Kammergerichts und verweist auf die aus seiner Sicht bestehende wirtschaftliche Doppelbelastung vieler Reiseveranstalter beim Übergang auf das neue Sicherungssystem. Betroffen sind nicht nur große Anbieter, sondern auch mittelständische Unternehmen, für die gebundene Liquidität besonders schwer wiege.
Der Deutsche Reisesicherungsfonds war als Folge der Thomas-Cook-Insolvenz im Jahr 2019 geschaffen worden. Damals mussten Verbraucheransprüche teilweise mit Steuergeldern ausgeglichen werden.
Der Fonds soll solche Fälle verhindern und wird durch Beiträge der Branche finanziert. Seine bislang wichtigste Bewährungsprobe bestand das System im Sommer 2024 bei der Insolvenz der FTI Group. Die Abwicklung verlief weitgehend reibungslos.
Genau darin liegt nun das zentrale Argument der Branche: Der Fonds hat seine Funktionsfähigkeit bewiesen und ist aus Sicht von TUI ausreichend ausgestattet. Deshalb fordert der Konzern eine Entlastung der Unternehmen und Verbraucher.
Die Forderung von TUI kommt nicht überraschend. Die Debatte über die finanzielle Belastung durch den Reisesicherungsfonds läuft bereits seit Längerem. Für den Konzern wäre eine Reform positiv, weil sie Liquidität freisetzen und die Kostenbasis entlasten könnte. Sehr wahrscheinlich ist sie aber nicht.
An der Einschätzung zur TUI-Aktie ändert der Vorstoß jedoch nichts. Entscheidend bleiben die operative Entwicklung, die Buchungslage, die Margen, der Schuldenabbau und das allgemeine Konsumumfeld. DER AKTIONÄR hat die aktuelle Situation bei TUI in der aktuellen Ausgabe (26/26) genauer unter die Lupe genommen – jetzt hier bequem und direkt als E-Paper verfügbar.
FAQs
Was macht TUI?
TUI ist ein internationaler Reisekonzern mit Angeboten rund um Pauschalreisen, Hotels, Kreuzfahrten, Fluggesellschaften und Reisevertrieb.
Wovon hängt die Entwicklung der TUI-Aktie ab?
Wichtige Faktoren sind Buchungstrends, Margen, Schuldenabbau, Ölpreise, geopolitische Risiken, Konsumklima und die Entwicklung der Reisebranche.
Ist die TUI-Aktie für konservative Anleger geeignet?
Eher nicht. Die Aktie gilt als schwankungsanfällig und eignet sich vor allem für risikobereite Anleger, die auf eine Erholung der Touristikbranche setzen.
Heute, 13:48