Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Worten Taten folgen und legt eine Pause bei den Zinssenkungen ein. Am Mittwoch stimmte der Offenmarktausschuss (FOMC) dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Damit endet vorerst eine Serie von drei Senkungen in Folge.
Der Schritt kommt für die Märkte nicht überraschend. Der Grund: Die US-Wirtschaft erweist sich als widerstandsfähiger als gedacht, während die Inflation hartnäckig bleibt.
In ihrem Begleittext zur Entscheidung strichen die Währungshüter eine entscheidende Passage. Bisher lag der Fokus auf den Risiken für den Arbeitsmarkt. Nun sieht die Fed die Ziele Preisstabilität und Vollbeschäftigung in einer besseren Balance. Die Konjunktur läuft auf Hochtouren: Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,4 Prozent. Für das laufende Schlussquartal prognostiziert die Atlanta Fed sogar ein Plus von 5,4 Prozent.
Gleichzeitig bleibt die Teuerung das Sorgenkind. Mit einer Rate von knapp drei Prozent liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent. „Die Inflation bleibt etwas erhöht“, hieß es nüchtern im Statement. Auch die Zölle der Trump-Administration wirken im Hintergrund als potenzielle Preistreiber.
Riss im Gremium
Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig. Die Gouverneure Stephen Miran und Christopher Waller stimmten gegen die Pause und forderten eine weitere Senkung um 25 Basispunkte. Beide gelten als Vertraute von Donald Trump. Miran muss seinen Posten bereits am Samstag räumen, während Waller als Außenseiter für die Nachfolge an der Fed-Spitze gehandelt wird.
Powell unter Dauerbeschuss
Für Fed-Chef Jerome Powell sind es die letzten Monate einer turbulenten achtjährigen Amtszeit. Er navigiert die Notenbank derzeit durch ein politisches Minenfeld. Donald Trump erhöht den Druck auf die Unabhängigkeit der Institution massiv.
Aktuell sieht sich Powell mit einer Vorladung des Justizministeriums wegen Renovierungskosten am Fed-Hauptquartier konfrontiert. Zudem schwelt ein Rechtsstreit um die versuchte Absetzung von Gouverneurin Lisa Cook, der nun vor dem Obersten Gerichtshof liegt. Powell selbst machte deutlich, dass er die Ermittlungen als Versuch wertet, die Geldpolitik politisch zu kontrollieren.
Geduld ist gefragt
Anleger müssen sich auf eine längere Wartezeit einstellen. Die Märkte rechnen frühestens im Juni mit der nächsten Zinsbewegung. Für das gesamte Jahr 2026 preisen die Terminkonkurse maximal zwei Senkungen ein, für 2027 aktuell gar keine.
28.01.2026, 20:10