Die Comebacks nach Corona
13.01.2021 Leon Müller

TUI: Das ist ungewöhnlich

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TUI

TUI und andere Reisekonzerne stecken aufgrund der Corona-Pandemie tief in der Krise. Ihnen wurde praktisch von heute auf morgen die Geschäftsgrundlage entzogen. Aus der Not machen sie jetzt eine Tugend und beschreiten ungewöhnliche Wege. Ziel: Die Sicherung eines zumindest beständigen Cashflows während der Zeit der Reisebeschränkungen.

Die Corona-Pandemie und der andauernde Lockdown stellen die Luftfahrtunternehmen vor enorme Herausforderungen. Und machen erfinderisch. Ob Condor oder TUI, man erschließt neue Einnahmequellen: So steuert der Ferienflieger Condor derzeit ungewöhnliche Ziele an. Shanghai, Lappland oder Marokko lauten die Destinationen, an Bord sind statt sonnenhungriger Touristen Corona-Test-Kits, Autoteile oder gleich ganze Testwagen. "Kisten statt Menschen" lautet das Konzept, das nicht nur der Condor aus der Corona-Misere helfen soll.

Der Frachtmarkt ist dem Welt-Airlineverband IATA zufolge einer der wenigen Lichtblicke im internationalen Luftverkehr. Das liegt in allererster Linie am knappen Angebot, denn zu normalen Zeiten wird rund die Hälfte der Luftfracht als Beiladung in Passagiermaschinen transportiert. Da diese wegen der zahlreich eingestellten Verbindungen aber nicht zu Verfügung stehen, sind die Frachtpreise schon im vergangenen Frühsommer in die Höhe geschnellt.

Auch TUI mischt mit

Sie sind für die Ferien-Airlines umso verlockender, weil auch am Boden stehende Jets hohe Kosten verursachen. Soll ein Jet langfristig eingemottet werden, sind umfangreiche und kostspielige Wartungsarbeiten vorgeschrieben. Zudem verfallen die Lizenzen des Personals, wenn nicht geflogen wird. Da kann es deutlich günstiger werden, einzelne Frachtflüge anstelle teurer Simulator-Trainings zu absolvieren.

Auch die Airlines im TUI-Konzern versuchen, einen Teil der weggebrochenen Urlaubsflüge durch Frachtangebote zu ersetzen. Sie arbeiten dabei mit Cargo-Vermittlern zusammen, um eigene Maschinen vor allem auf Fernstrecken zum Transport etwa von Maschinenteilen oder Medizinprodukten zu nutzen. "Viele Unternehmen versuchen gerade, hier die Kapazitäten und Preise in den Griff zu bekommen", sagt ein TUI-Sprecher.

Bereits im Frühjahr hatten mehr als 20 Maschinen der TUI-Gruppe beispielsweise Schutzmasken nach Deutschland gebracht. In den vergangenen Wochen habe es nun rund 30 Flüge in die USA, nach Mexiko oder nach Argentinien gegeben, um vor allem Zulieferteile für Auto- und Maschinenbauer nach Baden-Württemberg zu transportieren. Das Unternehmen nutzt auf solchen Verbindungen größere, nicht umgebaute Jets wie die Boeing 787 "Dreamliner" oder die Boeing 767, manchmal bis zu fünf an einem Tag.

Frachtraten relativ hoch

In den meisten Jahren ist die Zeit zwischen dem christlichen Weihnachtsfest und dem chinesischen Neujahr (2021 am 12. Februar) in der Luftfracht eher ruhig, doch aktuell seien immer noch wenige Kapazitäten im Markt und die Erlöse hoch, versichert Lufthansa Cargo. Für einige Aufregung und zusätzliche Luftfracht-Aufträge sorgte bereits die temporäre Schließung des Lastwagenverkehrs von und nach Großbritannien.

Das Geschäft mit den Corona-Impfstoffen ist hingegen erst langsam angelaufen: Derzeit werden die meisten Dosen noch per Lastwagen in die nähere Umgebung der Fabriken gefahren statt per Flugzeug um die Welt geflogen. Die TUI rechnet weiterhin mit geschäftlichen Gelegenheiten bei der Fracht: "Der Markt ist weiter angespannt, die Fracht-Alternativen werden daher wohl noch länger anhalten."

Dass TUI bei Luftfracht stärker mitmischt, ist zu begrüßen. Eine Kompensation der Einnahmeausfälle ist das allerdings nicht. Vielmehr braucht das Geschäft von TUI einen hocheffizienten Impf-Prozess und idealerweise bereits im Sommer die viel zitierte Herden-Immunität. Dann könnte eine (großes) Comeback der Branche und damit auch des Marktführers gelingen. DER AKTIONÄR ist für dieses positive Szenario durchaus optimistisch und hält die TUI-Aktie in seinem Langfrist-Depot. Wichtig: Die TUI-Aktie eignet sich nur für mutige Anleger, denen die Risiken bewusst sind.

Mit Material von dpa-AFX