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Steinhoff: 5 Jahre Haft

Steinhoff: 5 Jahre Haft
Foto: Steinhoff International Holdings N.V.
Andreas Deutsch 04.10.2024, 17:46 Andreas Deutsch

Sieben Jahre nach Bekanntwerden des Steinhoff-Skandals gibt es nun ein Urteil gegen einen Top-Manager des Möbelkonzerns: Ex-Finanzvorstand Ben la Grange muss wegen Betrugs für fünf Jahre hinter Gitter, weitere fünf Jahre erhielt der 50-Jährige als Bewährungsstrafe. DER AKTIONÄR hatte vor der Aktie stets gewarnt.

La Grange ist der ranghöchste Seinhoff-Manager, der von einem südafrikanischen Gericht wegen eines Bilanzskandals verurteilt wurde. Er muss noch in weiteren strafrechtlichen Verfahren gegen Direktoren, Führungskräfte und Mitarbeiter von Steinhoff als Zeuge für den Staat aussagen.

Das Steinhoff-Drama hatte die Börse schwer erschüttert. Im Dezember 2017 kamen Unregelmäßigkeiten in der Bilanz ans Licht, die auf Betrug hindeuteten. Die Unternehmensleitung hatte diese Bilanzierungspraktiken über Jahre verschleiert. Gewinne wurden künstlich erhöht und Vermögenswerte überbewertet. CEO Markus Jooste meldete sich unverzüglich nach den Berichten zu Wort und versprach Aufklärung. Stattdessen schrieb er eine E-Mail an ein paar Kollegen, in der er Fehler zugab. Er müsse „weiterziehen“ – dann tauchte er für lange Zeit unter.

2020 wurde Jooste in Südafrika der erste Prozess gemacht – wegen Insiderhandels. Es folgten verschiedene Zivilprozesse gegen Steinhoff International und 2022 der strafrechtliche Prozess gegen Jooste selbst, insbesondere wegen Betrugs und Bilanzfälschung. Die Staatsanwaltschaft warf Jooste vor, zur Bilanzfälschung in Höhe von 6,5 Milliarden Euro angestiftet und Beihilfe dazu geleistet zu haben. Jooste erschien nicht vor Gericht, weswegen der Prozess ausgesetzt wurde. Zum Prozess kam es nicht – im März beging der Ex-Steinhoff-Chef Selbstmord.

Steinhoff zählt zu den größten Wirtschaftsskandalen der Nachkriegsgeschichte und beschädigte die Aktienkultur in Deutschland, da auch viele Privatanleger investiert waren. Im August 2016 kam der Möbelhändler auf eine Marktkapitalisierung von 22,6 Milliarden Euro. Nach dem Crash Ende 2017 stürzten sich Zocker auf den Penny-Stock in der Hoffnung, dass Steinhoff ein Comeback erleben würde. Davor warnte DER AKTIONÄR immer wieder. Im Juni 2023 entschied ein Gericht in Amsterdam, dass der Restrukturierungsplan für das Unternehmen gegen den Willen der Aktionäre umgesetzt werden darf.

Am 13. September 2023 wurde die Steinhoff-Aktie delistet – der Kurs damals: 0,003 Euro. Eine schlimme Geschichte mit einem schlimmen Ende.

Hinweis:

Wenn Sie selbst unter depressiven Verstimmungen oder Suizidgedanken leiden, wenden Sie sich bitte an vertrauensvolle Personen oder Hilfsdienste. Kostenlos und anonym steht Ihnen die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 zur Verfügung. Weitere Informationen und Online-Beratung finden Sie unter www.telefonseelsorge.de.

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