21.06.2019 Leon Müller

Slack-IPO: Wird die Aktie des "Büro-WhatsApp"-Anbieters zur nächsten Beyond Meat?

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Börse fulminant: Die Aktie des Bürokommunikations-Dienstes Slack Technologies hat am Donnerstag einen grandiosen Börsenstart auf das New Yorker Parkett gelegt. Schon beim ersten Kurs sprang die Aktie rund 50 Prozent in die Höhe, baute den Aufschlag während der Sitzung dann weiter aus. Der Hype um die Anteilsscheine erinnert entfernt an den Börsengang von Beyond Meat. Dabei besteht zwischen beiden ein ganz erheblicher Unterschied. Während eine Gemeinsamkeit bestehen bleiben dürfte. Anleger jedenfalls sollten umsichtig agieren.

Was für ein Börsengang. Slack hat am gestrigen Donnerstag einen fulminanten Start an der NYSE hingeleget. Der erste Kurs in Höhe von 38,50 US-Dollar hatte fast 50 Prozent über dem Referenzkurs von 26 US-Dollar gelegen, den der Börsenbetreiber New York Stock Exchange am Mittwochabend (Ortszeit) festgesetzt hatte. Am Ende notierten die Anteilscheine bei 38,62 Dollar. In der Spitze waren sie bis auf 42 Dollar gestiegen, womit Slack an der Börse mit mehr als 21 Milliarden Dollar bewertet wurde. 

Slack wählte beim Börsengang den Weg einer Direktplatzierung, bei der die Papiere ohne Begleitung durch Investmentbanken gelistet werden. 2018 hatte bereits der Musikdienst Spotify auf das ungewöhnliche Verfahren gesetzt. Beyond Meat indes, das seit dem IPO in aller Munde ist, hatte noch den Weg eines klassischen IPO gewählt, bei dem Investmemtbanken den Ausgabepreis festlegen – und sich im Fall von Beyond Meat nach Einschätzung von Experten massiv verschätzt hatten, indem sie den Platzierungspreis zu tief ansetzten und das Unternehmen in Folge zu geringe Einnahmen durch die Ausgabe neuer Aktien erzielte.

Slack wird täglich von rund zehn Millionen Mitarbeitern verschiedener Firmen benutzt. Mehr als 85 000 Unternehmen sind zahlende Kunden. Laut den Analysten von Atlantic Equities verbreiten sich die Bürokommunikations-Dienste von Slack in den Unternehmen so rasant wie der Instant-Messaging-Dienst WhatsApp unter den Verbrauchern. Die Experten bewerten die Papiere insgesamt positiv bei einem Kursziel von 37 Dollar. 

Marktanalyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets UK äußerte sich etwas kritischer. Seiner Meinung nach ist das größte Problem wahrscheinlich, potenzielle Neukunden von den Vorzügen einer Software-Lösung zu überzeugen, die sowohl E-Maildienste als auch Chat-Anwendungen und den Versand großer Datenpakete in sich vereinigen soll.

Die von Slack gewählte Direktplatzierung sei derweil in gewisser Hinsicht gegenüber einem klassischen IPO der bessere Weg, um den Marktwert eines an die Börse gehenden Unternehmens zu bestimmen, fuhr Hewson fort. Denn bei einer Direktplatzierung fehlten die Investmentbanken, die den Börsenwert künstlich erhöhen könnten. 

Skeptischer sah das Alejandro Ortiz, Analyst bei SharesPost. Eine Direktplatzierung könne aus verschiedenen Gründen als riskant erachtet werden. So sei die Gefahr höher, dass es substanziell mehr Angebot als Nachfrage nach Slack-Aktien gebe. Diese negativen Aspekte könnten in den ersten Handelstagen zu erhöhten Kursschwankungen führen.

Mit Material von dpa-AFX