02.07.2011 Sascha Grundmann

"Silber kann auf 120 Dollar steigen"

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DAX
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Hedgefonds-Manager Eric Sprott gilt als Star seiner Zunft. In den letzten zehn Jahren erzielte er eine Performance von fast 25 Prozent jährlich. DER AKTIONÄR sprach in New York mit Sprotts rechter Hand David Franklin über die Strategie des Fonds.

Der Hedgefonds-Manager Eric Sprott verwaltet in Toronto schätzungsweise neun Milliarden Dollar. 20 Prozent des ihm anvertrauten Geldes hat der 66-Jährige mit physischem Gold und Silber unterfüttert. Der Rest steckt in Minen-Aktien. Besonders ans Herz gewachsen sind dem Guru junge Schatzsucher, vor allem Silberfirmen.

Im AKTIONÄR-Interview erklärt David Franklin, Marktstratege bei Sprott Asset Management und Sprotts rechte Hand, die Grundlagen der Strategie, mit denen seine Firma Anlegern in den letzten zehn Jahren eine jährliche Rendite von knapp 25 Prozent bescherte.

DER AKTIONÄR: Herr Franklin, vorweg eine persönliche Frage: Wie haben Sie Ihr eigenes Vermögen angelegt?

David Franklin: Mein Geld befindet sich hauptsächlich in unserem Hedgefonds. Auch in unseren anderen Produkten befindet sich mein Vermögen, mir gehören Silber- und Gold-Aktien als Teil der Trusts und auch physisches Edelmetall. Meine besten Ideen finden Niederschlag in unseren Fonds - warum sollte mein Geld nicht dort investiert sein? Schätzungsweise 60 Prozent meines Vermögens befinden sich in Silber und 40 Prozent in Gold. Darüber hinaus gehört mir ein kleiner Teil unserer Agraraktivitäten. Abgesehen von meinem Haus befindet sich mein Geld ausschließlich im Rohstoffsektor. Und mein Haus betrachte ich nicht als einen Vermögenswert - meine Familie muss ja irgendwo wohnen.

Gold befindet sich nahe eines Rekordhochs und auch Silber kletterte vor Kurzem auf ein 31-Jahres-Hoch, bevor es kräftig korrigierte. Wie lange kann sich dieser Trend Ihrer Ansicht nach fortsetzen?

Ich rate Ihnen, sich die Gründe anzuschauen, warum Edelmetall so stark gestiegen ist. Die Euro-Zone scheint auseinanderzubrechen. Es gibt Rekorddefizite in den USA. Rund um den Globus sehen wir Liquiditätszuführungen in den Markt. Wie lange hält nun der Trend für Gold und Silber an? Ganz einfach: bis diese Probleme gelöst sind. Wie weit sind wir entfernt von ausgeglichenen Haushalten weltweit? Viele, viele Jahre sind da sicherlich nötig. Die positive Edelmetallentwicklung bleibt demzufolge für Jahre fortbestehen.

Wie lauten Ihre Kursziele für Gold und Silber in einem Jahr?

Wir geben keine Ziele aus. Wir sagen nur, dass wir ein inflationäres Umfeld vor uns haben. Insofern sollten die Edelmetalle mindestens inflationsbereinigt mithalten können beziehungsweise auf einem Allzeithoch notieren. Das bedeutet wiederum für Gold einen Preis von 2.300 Dollar und für Silber 120 Dollar je Unze. Bis auf dieses Niveau können die Edelmetalle klettern, bevor der Zyklus endet. Freilich findet die Preisentwicklung nicht in einer geraden Linie nach oben statt. Es wird immer wieder Korrekturen geben. Das sind meine Ziele. Danach muss man sehen, was passiert. Haben wir die Rekordverschuldung gelöst? Haben wir die Bankprobleme in den Griff bekommen? Sind die Budgetdefizite gelöst? Solange all diese Brandherde nicht abgearbeitet sind, können die Edelmetallpreise weiter klettern.

Aber einige Experten sagen bereits, all diese Probleme seien im Goldpreis berücksichtigt, und warnen vor einer Blase. In TV-Werbespots wird für Goldmünzen getrommelt, an Automaten kann man Gold kaufen - das sind doch Anzeichen einer Blase.

Wir schreiben jeden Monat einen Kommentar. Im Januar analysierten wir, dass bislang kein wesentlicher Geldfluss in Gold stattfand. Obwohl sich der Goldpreis auf einem Rekordniveau befindet, liegt der Dollar-Fluss in Gold nicht einmal in der Nähe eines Hochs. Genau diesen Zusammenhang kann man aber immer bei Blasen wie dem Haus- oder Aktienboom erkennen. Kurzum: Der Geldfluss unterstützt bei Gold nicht die Blasentheorie. Stiftungen oder Hedgefonds haben nicht einmal zehn Prozent ihrer Portfolios in Edelmetallen investiert - es gibt keine Blase.

Die Nachfrage nach Silbermünzen ist in den USA allerdings auf einem Rekordhoch.

Die Umsatz der Prägeanstalt U.S. Mint ist in der Tat auf einem Hoch, die Nachfrage groß. Aber fragen Sie sich doch mal selbst: Wie groß ist der Goldanteil Ihres Depots? Wahrscheinlich wie bei vielen sehr, sehr klein.

Der Aktienmarkt ist nicht mehr weit entfernt von seinem Allzeithoch, das er vor der Krise erreicht hatte. Dow Jones, S&P 500 und DAX befinden sich in einer guten Verfassung. Wir haben gerade die schwerste Wirtschaftskrise in mehr als 80 Jahren überstanden. Was ist der Grund für die gute Stimmung?

In einem Umfeld hoher Inflation steigen viele Aktien. Aber relativ gesehen haben US-Investoren nichts gewonnen. Betrachten Sie den Aufschwung von Dollar-Aktien auch vor dem Hintergrund der schwachen Währung. Die Gelddruckmaschinen laufen auf Hochtouren, die reellen Renditen sind nicht gut. Selbst auf nominaler Basis hat sich der Aktienmarkt praktisch in zehn Jahren nicht verbessert.

Die Strategie in Ihrem Hedgefonds kann man so zusammenfassen: viel Gold, viel Silber, viele Frühphasen-Explorer. Um die reifen Produzenten machen Sie einen Bogen. Warum?

Wir fokussieren uns auf Explorationsunternehmen, die sich in einer frühen oder mittleren Phase befinden. Wir sehen in diesem Bereich den größten Wert für uns, weil der Markt die Firmen nicht einschätzen kann. Es liegt eine Unkenntnis darüber vor, wie Bergbauunternehmen technisch und wirtschaftlich funktionieren. Wenn die Firmen groß genug sind, dann sind sie meist fair bewertet. Aber die frühe Phase, das ist unsere Expertise. Hier entdecken wir die besten Werte.

Sie steigen bereits ein, bevor überhaupt offizielle Ressourcenschätzungen, sogenannte 43-101-Gutachten, vorliegen.

Wir brauchen diese einfach nicht, wir haben die technische Expertise im Haus. Wir können Bohrlöcher anschauen und aufgrund der Resultate sagen, ob mit einer großen Wahrscheinlichkeit eine Mine entsteht oder eben nicht. Wir schauen uns weltweit um, in Afrika, Australien, Kanada, USA, Südamerika. Die meisten Aktien sind in Nordamerika börsennotiert, ein kleinerer Teil in Australien und London. Unsere Minen befinden sich aber rund um die Welt.

In den zurückliegenden zehn Jahren hat Eric Sprott fast 25 Prozent Rendite pro Jahr für seine Anleger eingefahren. Worauf basiert sein Erfolg?

Es gibt nur wenige Investoren, die im Jahr 2000 von Internet-Aktien in Gold umschichteten. Eric Sprott war einer von ihnen. Das führte zu der Performance. Wir sind short im Aktienmarkt, short bei den Banken, short in Immobilien. Wir setzen dagegen auf Gold, Silber, Öl, Gas und Ressourcen. Unser Vorteil ist: Wir können die richtigen Value-Aktien in dem Sektor finden.

Wie geht es weiter mit dem Dollar?

Der Dollar steckt seit fast zehn Jahren in einer Dauerkrise. Und er wird langfristig weiter abwerten. Es kann sein, dass kurzfristig eine Erholung einsetzt, aber langfristig sehe ich keine Besserung. Das hilft natürlich dem Gold- und dem Silberpreis.

Wie entdecken Sie all die Minen-Aktien, die sich in Ihrem Portfolio befinden?

Toronto ist das Zentrum der Welt für die Finanzierung von Minen. Unser Büro befindet sich sozusagen im Mittelpunkt des Ganzen. Wir treffen extrem viele Firmenvertreter. Sprott ist führend geworden bei der Finanzierung von Frühphasen-Explorern. Wir sehen also die Unternehmen zu Beginn ihres Daseins. Daher sind unsere Returns fantastisch. Wir beschäftigen Geologen und Mineningenieure - wir können daher alles gut einschätzen. 240 Privatplatzierungen haben wir im vorigen Jahr gestemmt. Das bedeutet einen Deal pro Tag. Wir sehen aber täglich die zehnfache Anzahl an Firmen und schauen uns bis ins letzte Detail alles an. Es ist harte Arbeit.