11.04.2020 Fabian Strebin

Sberbank: Russland kauft sich ein

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Sberbank

Die Sberbank ist die größte Bank Russlands und eine der profitabelsten weltweit. Bisher hielt die Mehrheit an dem Institut die russische Zentralbank, was ungewöhnlich genug ist. Der russische Staat hat den Anteil jetzt übernommen, um Interessenkonflikte zu beseitigen, wie es heißt. Doch es steckt noch etwas anderes dahinter. Und was bedeutet das alles für Anleger?

Bisher hielt die Zentralbank 50 Prozent und eine Aktie der Sberbank und somit die Mehrheit. Das Problem: Wie in der Eurozone ist die russische Notenbank für die Geldpolitik zuständig und kontrolliert gleichzeitig aber auch die Finanzinstitute. Schon länger gab es deshalb Pläne, dass der russische Staat der Zentralbank ihren Anteil abkauft. Zuletzt hieß es, der Kauf solle in Etappen von April 2020 bis Mitte 2021 über die Bühne gehen.

Nun hat Russland aber über seinen Staatsfond zugegriffen. Dieser speist sich aus Öleinnahmen und soll vor allem Infrastrukturprojekte finanzieren. Doch jetzt wurden für den 50 Prozent Anteil der Zentralbank 2,14 Billionen Rubel (26,5 Milliarden Euro) auf den Tisch gelegt, so das russische Finanzministerium. Eine weitere Aktie soll am 6. Mai erworben werden, um die Mehrheit zu bekommen.

Die Aktien wurden für 189,44 Rubel (3,24 Euro) erworben, was dem Durchschnitt der vergangenen Tage entspricht. Neben der Beseitigung des Interessenkonflikts hat die Übernahme für Russland aber noch einen schönen Nebeneffekt: Die Sberbank schüttet seit Jahren hohe Dividenden aus, da die Gewinne sprudeln. Als größtem Aktionär sollten Russland so jährlich mehrere Milliarden Euro zufließen.

Da die Notenbank ebenfalls dem Staat gehört, fließt ein Teil des Kaufspreises wieder an eben diesen zurück. Kein Wunder, dass man zugegriffen hat, denn die Sberbank ist ein Juwel. Zwar schwankte der Kurs in den vergangenen Jahren mitunter stark und korrelierte wie der Gesamtmarkt mit dem Ölpreis. Aber die Sberbank ist als Institut bestens aufgestellt. Die Eigenkapitalrendite lag 2019 bei mehr als 20 Prozent, in der Eurozone betrug der Durchschnitt nur sechs Prozent. Wie erwähnt wurde zudem seit Längerem eine hohe Dividende ausgeschüttet.