Die Porsche AG hat sich nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr für 2026 überraschend wenig vorgenommen. Die Umsatzrendite des operativen Ergebnisses im Konzern soll zwischen 5,5 und 7,5 Prozent liegen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Analysten hatten zuletzt für das neue Jahr im Schnitt rund 8 Prozent auf dem Zettel. Beim Erlös geht das Management von 35 bis 36 Milliarden Euro aus.
"Die globalen Herausforderungen und die Neuausrichtung des Unternehmens haben das Ergebnis 2025 belastet. Auch 2026 werden unsere Maßnahmen zur Rekalibrierung einmalige Ergebniseffekte in hoher dreistelliger Millionenhöhe haben", sagte Finanzchef Jochen Breckner laut Mitteilung. Das nehme man in Kauf, um die Widerstandsfähigkeit von Porsche zu stärken.
Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach von einem trüben Ausblick - allerdings machen die neu angekündigten weiteren Sonderkosten bei der operativen Marge nach seiner Schätzung zwei Prozentpunkte oder mehr aus.
Die Milliardenkosten für die Verbrenner-Verlängerung haben den Gewinn des Unternehmens 2025 größtenteils aufgezehrt. Das Ergebnis nach Steuern brach im Vergleich zum Vorjahr um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, wie der Konzern mitteilte. 2024 hatten die Stuttgarter unter dem Strich noch fast 3,6 Milliarden verdient. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro. Die Dividende soll von 2,31 Euro je Vorzugsaktie auf 1,01 Euro sinken.
Hatte sich schon 2024 ein scharfer Gegenwind für die Porsche AG angedeutet, kam es im vergangenen Jahr noch dicker. Die Geschäfte in China stockten, die Zölle in den USA kosteten viel Geld und die Elektromodelle des Unternehmens fanden deutlich weniger Anklang als erwartet. Ex-Porsche-Chef Oliver Blume hat daher vor seinem Abgang noch die Strategie umgekrempelt - mehr Verbrenner im Angebot sollen wieder Schub geben.
Doch die Kehrtwende kostet erst einmal richtig Geld. Allein dafür fielen rund 2,4 Milliarden Euro an. Zusätzlich belasteten die Abwicklung der Batterie-Tochter mit rund 700 Millionen Euro und die US-Zölle mit etwa demselben Betrag. Insgesamt macht das demnach Sonderkosten von rund 3,9 Milliarden Euro.
Der operative Gewinn sackte um fast 93 Prozent auf 413 Millionen Euro ab. Im Autogeschäft - also ohne Finanzdienstleistungen - lag der operative Gewinn sogar lediglich bei 90 Millionen Euro.
Insgesamt erwartet Porsche für das laufende Jahr zwar wieder etwas bessere Geschäfte. Das Management um den neuen Unternehmenschef Michael Leiters rechnet aber weiterhin mit "sehr herausfordernden Marktbedingungen" - unter anderem in China, wo das Luxussegment weiter unter Druck steht. Außerdem erwarte man, dass die geopolitischen Unsicherheiten sowie die Zollpolitik der USA bestehen bleiben. Potenzielle Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten seien noch nicht berücksichtigt.
Leiters kündigte auch eine neue Strategie für den Autobauer an: "Seit meinem Amtsantritt hat unser Führungsteam die Lage systematisch analysiert und eine Reihe erster gezielter Maßnahmen eingeleitet", teilte der Manager mit. Unter anderem werde man die Führungsstruktur verschlanken, Hierarchien abbauen und die Bürokratie reduzieren. Zusätzlich denke man über eine Ausweitung des Produktportfolios nach. Leiters hat zu Jahresbeginn die Nachfolge von Oliver Blume angetreten, der sich seitdem auf die Führung der Konzernmutter Volkswagen konzentriert.
JPMorgan hat die Einstufung für Porsche AG nach Zahlen mit einem Kursziel von 58 Euro auf "Overweight" belassen. Aufwendungen für die Restrukturierung und einmalige Effekte hätten die Ergebnisse des Autobauers belastet, schrieb Analyst Jose Asumendi.
Etwas weniger optimistisch äußerte sich Bernstein Research. Erste Eindrücke vom Abschneiden des Sportwagenbauers habe es am Vortag schon vom Mutterkonzern Volkswagen gegeben, schrieb Stephen Reitman. Es sei nun die Kernfrage bei Porsche, in welchen Ausmaß der neue Chef Michael Leiters einen Wandel beschleunigen kann - hin zum mittelfristigen Margenziel. Sein Kursziel für die Aktie lautet 50 Euro.
Kritik an der Strategie von Porsche übt Ferdinand Dudenhöffer. "China ist mit 24 Millionen Neuwagen der weltweit absolut wichtigste Automarkt. Damit hat man ein großes längerfristiges Risko im Länder-Portfolio. Chinas Straßen sind keine Alpenpässe oder Nürburgring-Nordschleifen, sondern breite mehrspurige Straßen mit Staus in den Mega-Cities, und dort werden die Autos verkauft. Wenig verständlich, dass man China nicht stärker mit einer gemeinsamen Strategie – etwa mit Audi – anpackt", so der Auto-Experte vom Center Automotive Research in Bochum.
Anleger hoffen 2026 auf neue Impulse durch Michael Leiters, der zu Beginn des Jahres den CEO-Posten bei Porsche von Oliver Blume übernommen hat. Leiters hat viele Baustellen vor der Brust. Neben dem sinkenden Absatz belastet der Strategieschwenk, wieder mehr Verbrenner statt Elektromodelle zu entwickeln und zu produzieren, die Porsche AG. Hinzu kommt, dass die Verkäufe im wichtigsten Absatzmarkt China weiterhin unter Druck stehen. Leiters muss eine Porsche Strategie definieren und dann Stück für Stück in die Umsetzung gehen. Exklusive Nische á la Ferrari oder mehr in den Massenmarkt gehen?! Die Kursentwicklung hängt allerdings maßgeblich an China. Hier hinkt Porsche den innovativen chinesischen Herstellern weit hinterher. Charttechnisch hat sich das Papier nach mehreren Downgrades durch Analysten wieder gefangen.
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Porsche AG.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 13:53