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23.03.2020 Nikolas Kessler

Neue Schock-Zahlen: So teuer wird der Corona-Shutdown für die deutsche Wirtschaft

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Das Coronavirus und seine Bekämpfung haben schon jetzt massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Neue Zahlen des Münchner ifo Instituts lassen nun das Ausmaß der Folgen erahnen – und verheißen dabei nichts Gutes.

Nach den neusten Berechnungen der Wirtschaftsforscher wird Corona alleine in Deutschland einen Schaden von Hunderten Milliarden Euro verursachen. „Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, warnt ifo-Präsident Clemens Fuest am Montag.

Corona könnte bis zu 729 Milliarden Euro kosten

Wenn die Wirtschaft zwei Monate lang teilweise stillsteht, rechnen die Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung (Wachstumsrate des BIP) um 7,2 bis 11,2 Prozentpunkte im Jahr. Je nach Szenario entstünden dadurch Kosten zwischen 255 und 495 Milliarden Euro, so Fuest.

ifo Institut

Im – so wörtlich – „besten Szenario“ gehen die Forscher davon aus, dass die die Wirtschaftsleistung für zwei Monate auf 59,6 Prozent zurückgeht, sich im dritten Monat wieder auf 79,8 Prozent erholt und schließlich im vierten Monat wieder 100 Prozent erreicht. „Bei drei Monaten Teilschließung erreichen die Kosten bereits 354 bis 729 Milliarden Euro, das sind 10,0 bis 20,6 Prozentpunkte Wachstumsverlust“, sagt Fuest.

Mit jeder zusätzlichen Woche Teil-Stillstand würden die Kosten um 25 bis 57 Milliarden Euro steigen und das BIP-Wachstum um 0,7 bis 1,6 Prozentpunkte sinken.

Schwere Konsequenzen auch am Arbeitsmarkt

Auch am Arbeitsmarkt komme es durch die Krise zu „massiven Verwerfungen“, die „die Zustände auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in den Schatten stellen“, heißt es in der Veröffentlichung. In den durchgerechneten Szenarien könnten bis zu 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (oder 1,4 Millionen Vollzeitjobs) abgebaut werden und mehr als sechs Millionen Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen sein.

ifo Institut

Darauf kommt es jetzt an

Angesichts der „astronomischen Höhe der Kosten“ formulieren die Wirtschaftsforscher eine klare Empfehlung – nämlich „praktisch jeden denkbaren Betrag im Bereich gesundheitspolitischer Maßnahmen einzusetzen, der die Dauer des Shutdown verkürzt, ohne die notwendige Bekämpfung der Epidemie zu beeinträchtigen.“

Es sei dringend notwendig, nach Möglichkeiten zu suchen, die schrittweise Aufhebung oder Lockerung des Shutdown mit effektivem Gesundheitsschutz zu verbinden. Der Blick in anderen Ländern, insbesondere in Asien, biete dabei Ansatzpunkte. „Dazu gehören, wie Epidemiologen immer wieder betonen, umfangreiches Testen, besonderer Schutz des vulnerablen Teils der Bevölkerung, flächendeckende Verwendung von Atemmasken, Desinfizierungsmaßnahmen im öffentlichen Raum und vieles mehr“, so die ifo-Experten.

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