19.01.2013 Markus Horntrich

Nanogate AG: Neuer Milliarden-Markt wird erobert

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Nach turbulenten Monaten, die von Großaufträgen, einer neuen Beteiligung und einer Kapitalerhöhung geprägt waren, erläutert Nanogate-Chef Ralf Zastrau die Pläne für 2013. Neue Rekorde stehen im Raum.

Die letzten vier Monate waren für die Nanogate AG turbulent - im positiven Sinn: Auf mehrere Großaufträge folgte die Übernahme der neuen Beteiligung Plastic-Design GmbH in zwei Stufen und schließlich die Kapitalerhöhung, die rund 4,8 Millionen Euro frische Mittel in die Kassen des in Europa führenden Nanotech-Unternehmens gespült hat. Im Gespräch mit dem AKTIONÄR umschreibt Vorstandschef Ralf Zastrau seine Zukunftspläne für das neue Geschäftsfeld „Glazing".

DER AKTIONÄR: Herr Zastrau, mit der Kapitalerhöhung im Volumen von 4,8 Millionen Euro haben Sie den Kapitalmarkt überrascht. Benötigen Sie das gesamte frische Kapital zur Finanzierung der Plastic-Design-Übernahme, nachdem Nanogate jetzt in einem zweiten Schritt den Anteil von 50 auf 76 Prozent aufgestockt hat?

Ralf Zastrau: Mit Plastic-Design deckt Nanogate nun alle Kompetenzen ab, um innovative Kunststoffe zu entwickeln, produzieren und anschließend zu veredeln. Damit können wir integrierte Systeme anbieten wie kaum ein anderer Anbieter. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung fließen daher sowohl in die Finanzierung der Beteiligung als auch in die Finanzierung des geplanten Wachstums. Dazu zählt beispielsweise der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Glazing-Anwendungen, mit dem wir glasartige

Eigenschaften auf High-End-Kunststoffen realisieren werden.

Was ist das spezielle Know-how Ihrer neuen Tochter Plastic-Design beziehungsweise der Verarbeitungsmethode „ Glazing"?

Unsere neue Beteiligung zählt zu den führenden europäischen Kunststoff-Verarbeitern mit eigenem Technologieportfolio für optisch sehr anspruchsvolle Komponenten und gilt gleichermaßen als Vorreiter im Wachstumsmarkt Glazing. Mit Plastic-Design sind wir in diesem dynamischen Markt hervorragend positioniert und stehen in den Startlöchern für erhebliches Wachstum. Auch die Kundenbasis mit beispielsweise BMW, Daimler, Siemens und Volkswagen passt hervorragend zu Nanogate - da gibt es viele Gemeinsamkeiten, die wir unmittelbar nutzen werden.

Hat sich Nanogate eine Option auf die restlichen 24 Prozent an Plastic Design schon gesichert, oder wie muss man die Stimmen bewerten, die sagen, schon Mitte nächsten Jahres würde Plastic-Design zu 100 Prozent zur Nanogate-Gruppe gehören?

Nanogate hat sich in der Tat bereits eine Option auf die weiteren Anteile gesichert. Wann wir diese Option ausnutzen, werden wir zu gegebener Zeit bewerten. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, den Markt umfassend zu erschließen.

Wie können Sie Ihre Aussage untermauern, dass Glazing ein Marktpotenzial im dreistelligen Millionenbereich hat?

Glazing soll mittelfristig ein Milliarden-Markt werden, prognostizieren Experten. Daran wollen wir umfassend partizipieren und sehen für Nanogate ein Potenzial im dreistelligen Millionenbereich. Warum wir so zuversichtlich sind? Gerade im Automobilbereich, aber auch in anderen Branchen, sind innovative Kunststoffe stark gefragt. Sie ermöglichen faszinierende, neuartige Designs, neue Funktionen und sparen zudem Gewicht - und Gewichtsreduzierung ist beispielsweise ein zentraler Weg, den Spritverbrauch zu senken, also ein Megathema bei den Autoherstellern. Über unsere Beteiligung an GfO sind wir zudem bereits heute stark bei den Premiumherstellern präsent.

Welchen Wertsteigerungshebel sehen Sie bei Plastic-Design?

Unser Fokus liegt darauf, durch zusätzliches gemeinsames Geschäft zu wachsen. Wir werden den Wachstumsmarkt Glazing erschließen und erwarten dank der gemeinsamen Kompetenz auch größere Aufträge als bislang. Zusammen bieten wir eine einzigartige Kombination aus Know-how bei der Materialentwicklung und -herstellung, der Verarbeitung und der Beschichtung. Daraus ergibt sich eine einzigartige Technologie-Kompetenz, die uns dynamisches Wachstum ermöglichen wird. Dank des komplementären Produkt- und Kundenportfolios bin ich hinsichtlich zusätzlicher Aufträge sehr zuversichtlich gestimmt.

Mit Michael Jung stellt jetzt Nanogate auch den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Plastic-Design. Wie sieht das Managementteam der neuen Tochter insgesamt aus?

Mein Kollege Michael Jung ist im Konzern als COO für das Tagesgeschäft verantwortlich und steht auch für die erfolgreiche und zügige Integration unserer Beteiligungen GfO. Daher wird er an die Spitze von Plastic-Design rücken und das bisherige Management unterstützen. Otto Grünhagel als Gründer und Geschäftsführer sowie der bisherige Geschäftsführer Andreas Kasper komplettieren das Managementteam.

Plastic-Design hat 2012 noch nicht zum Umsatz von Nanogate beigetragen. Haben Sie die Marke von mindestens 36,5 Millionen Euro Umsatz nun geschafft?

Wir sind derzeit dabei, den Jahresabschluss zu erstellen. Für mich gibt es keine Zweifel, dass wir unsere Prognose erfüllen und wie angekündigt ein Umsatzplus von mindestens zehn Prozent auf mehr als 36,5 Millionen Euro erreichen werden. Das EBITDA soll sich verbessern; zugleich will Nanogate die Dividendenfähigkeit erreichen.

Woher kommt die Gewinnsteigerung?

Wir setzen auf drei Stellschrauben, damit wir 2012 das Ergebnis stärker als den Umsatz steigern konnten. Erstens haben wir den Produkt- und Auftragsmix verbessert und daher Projekte nicht weiter verfolgt, die nicht unseren anspruchsvollen Ergebniszielen genügen oder zu viele Risiken bergen. Zugleich profitieren wir von Skaleneffekten aus dem erheblich gestiegenen Geschäftsvolumen sowie planmäßig sinkenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung, nachdem wir unsere Innovationsoffensive erfolgreich abgeschlossen haben.

Sie haben für 2012 auch das Ziel der Dividendenfähigkeit ausgegeben. Auf welche Ausschüttung können sich die Nanogate-Aktionäre freuen?

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund unserer erwarteten positiven Entwicklung diskutieren Vorstand und Aufsichtsrat derzeit eine Dividendenpolitik. Entscheidend sind die Höhe des Jahresergebnisses und des Cashflows sowie die Prognosen für den Geschäftsverlauf auf Grundlage der Auftragsbasis und unserer zukünftigen Investitionspolitik. Ich möchte um Ihr Verständnis bitten, dass ich Ihnen heute nicht mehr Details über eine mögliche Dividende mit auf den Weg geben kann. Denn ich möchte heute nicht den Beratungen mit dem Aufsichtsrat sowie der Entscheidung unserer Aktionäre vorgreifen.

Sie haben gerade eine Partnerschaft mit dem bekannten Sport-Label FILA bekanntgegeben. Wie sehen Ihre Pläne hier konkret aus?

FILA ist für Nanogate ein echter Meilenstein und ist im Sport-/Freizeitbereich der Garant dafür, dass wir in eine neue Dimension hineinwachsen. Nanogate wird Anfang Februar auf der Leitmesse ISPO in München die neue Produktserie vorstellen, die europaweit vertrieben werden soll. Wir sind im Bereich Pflegesysteme für Textilien und Schuhe bereits fest etabliert und sehen eine steigende Nachfrage. Die Partnerschaft mit FILA sorgt für einen weiteren Schub.

Welche Erwartungen haben Sie für 2013?

Nanogate wird sich in diesem Jahr vor allem darauf konzentrieren, den attraktiven Markt für Glazing-Anwendungen zu erschließen. Vor allem möchten wir die Serienproduktion mit hohen Stückzahlen starten. Ich erwarte außerdem weitere Erfolge im Bereich Cleantech-Systeme und umweltfreundlicher Anwendungen. Das bestehende Geschäft soll ebenfalls weiter zulegen, gerade auch international.

Was heißt das in Zahlen?

Ich gehe davon aus, dass wir umsatzseitig in diesem Jahr kräftig auf unser Mittelfristziel von 50 Millionen Euro zusteuern.

Nanogate ist in den letzten Jahren sehr dynamisch gewachsen. Glauben Sie, dass Sie dieses anspruchsvolle Akquisitions- und Wachstumstempo auch in der Zukunft fortsetzen können?

Unsere bisherigen Beteiligungen haben wir schnell und problemlos integriert. Wie der Erfolg der Beteiligungen GfO und Eurogard sowohl bei Produkten und Technologien als auch bei der wirtschaftlichen Entwicklung zeigt, kann Nanogate pro Jahr eine neue Beteiligung gut managen. Daher zählt auch externes Wachstum weiterhin zu unseren Optionen, das Geschäft neben unseren organischen Fortschritten kontinuierlich auszuweiten. Hierzu haben wir nicht zuletzt auch unser Vorstands- und Managementteam um kompetente Persönlichkeiten verstärkt und werden bei unserer Expansionsstrategie wie auch in der Vergangenheit sehr zielgerichtet agieren. So erwarten wir daher in unseren Fokusbereichen „funktionelle Kunststoffe" und „Energieeffizienz" zukünftig signifikant voranzukommen. Denkbar sind als Ergänzung grundsätzlich auch der Erwerb neuer Technologien sowie Schritte, um den Zugang zu lukrativen Märkten zu verbessern. Plastic-Design steht mustergültig für diese Strategie. Zumal unsere Vorgaben hinsichtlich Preis und Renditeaussichten erfüllt sind.

Herr Zastrau, besten Dank für das Interview.