Der erste Bitcoin-Verkauf von Strategy seit dem Jahr 2022 hat unter Anlegern für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Nun hat CEO Phong Le in einem CNBC-Interview die Transaktion verteidigt und die Kritik an dem Schritt zurückgewiesen.
• Der Verkauf von 32 Bitcoin entsprach nur 0,004 Prozent der gesamten Bestände.
• CEO Phong Le spricht von einem operativen Testlauf statt von einer Abkehr von der Bitcoin-Strategie.
• Strategy betont, im selben Zeitraum per saldo weiter Bitcoin zugekauft zu haben.
Konkret veräußerte Strategy zwischen dem 26. und 31. Mai insgesamt 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen Dollar. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 77.135 Dollar je Coin. Obwohl das Volumen gemessen an den gesamten Bitcoin-Reserven des Unternehmens kaum ins Gewicht fällt, löste der Schritt eine auffallend heftige Reaktion am Markt aus. Vor allem unter Krypto-Anhängern entbrannte erneut die Debatte, ob die von Michael Saylor geprägte Linie des kompromisslosen „Never sell“ ins Wanken gerät.
Phong Le widersprach dieser Interpretation jedoch deutlich. Nach seinen Worten ging es bei dem Verkauf nicht um mangelnde Überzeugung, sondern um bilanziellen und operativen Pragmatismus. Der Konzern habe damit demonstrieren wollen, dass ein Verkauf im Bedarfsfall technisch und organisatorisch möglich ist. Zudem habe man interne Prozesse für mögliche künftige Transaktionen überprüfen wollen. Ein weiterer Aspekt sei die bilanzielle und steuerliche Flexibilität, da Strategy Bitcoin zu sehr unterschiedlichen Einstiegskursen zwischen 10.000 und 125.000 Dollar je Coin erworben hat.
Besonders wichtig war Le dabei die Botschaft, dass Strategy nicht unter finanziellem Druck gehandelt habe. Nach seiner Darstellung war der Verkauf nicht notwendig, um Verpflichtungen wie Dividendenzahlungen zu bedienen. Diese könne das Unternehmen auch über andere Maßnahmen der Kapitalaufnahme stemmen. Die Erlöse aus dem Verkauf flossen laut Le in Ausschüttungen für die STRC-Vorzugsaktie.
Gleichzeitig unterstrich der CEO, dass Strategy trotz des Verkaufs unterm Strich Käufer geblieben sei. Im selben Zeitraum habe das Unternehmen netto rund 1.500 Bitcoin erworben. Damit will Strategy offenbar klar signalisieren, dass der grundsätzliche Bitcoin-Kurs des Unternehmens weiter Bestand hat – auch wenn man sich künftig die Option offenhält, bei Bedarf kleinere Teile des Bestands zu veräußern.
Brisant ist vor allem ein Satz von Le, der bei manchen Investoren nicht gut angekommen sein dürfte: Wenn es für die Stammaktionäre sinnvoll sei, Bitcoin zu verkaufen, dann werde Strategy das tun. Damit grenzt sich das Management von einer rein ideologisch motivierten Haltung ab und betont stärker die Verantwortung gegenüber unterschiedlichen Anspruchsgruppen – darunter Stammaktionäre, Vorzugsaktionäre, Gläubiger und Bitcoin-orientierte Investoren.
Laut Le seien insbesondere institutionelle Investoren von dem Schritt deutlich weniger irritiert gewesen als Teile der lautstarken Community. Die schärfste Kritik komme eher von Privatanlegern und besonders überzeugten Krypto-Anhängern, die an einem dauerhaften Hodl-Ansatz festhalten wollen.
Ganz neu ist ein solcher Schritt ohnehin nicht. Bereits im Dezember 2022 hatte Strategy 704 Bitcoin verkauft und kurz darauf 810 Bitcoin zurückgekauft. Auch damals stand die steuerliche Optimierung im Vordergrund. Der jetzige Vorgang reiht sich somit eher in eine bekannte Praxis ein, als dass er eine fundamentale Abkehr von der bisherigen Unternehmensstrategie markieren würde.
Neben der Diskussion um den Verkauf äußerte sich Le auch zum makroökonomischen Umfeld für Bitcoin. Er verwies auf mehrere Belastungsfaktoren: die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der US-Notenbank, geopolitische Konflikte sowie fehlende regulatorische Klarheit in den USA. Diese Gemengelage drücke kurzfristig auf den Markt. An der langfristigen Investmentthese für Bitcoin halte er jedoch fest.
Le bezeichnete Bitcoin weiterhin als Absicherung gegen Inflation und gegen ausufernde Staatsintervention. Die aktuelle Schwächephase sehe er eher als zyklischen Rücksetzer denn als strukturelles Problem. Damit bleibt der Strategy-Chef im Kern bullish – auch wenn er gleichzeitig deutlich macht, dass operative Flexibilität für ein börsennotiertes Unternehmen wichtiger sein kann als ein dogmatisches „niemals verkaufen“.
Strategy versucht, den umstrittenen Bitcoin-Verkauf als kalkulierten Mini-Test statt als Kurswechsel zu verkaufen. Tatsächlich spricht die geringe Größenordnung der Transaktion dafür, dass der Schritt operativ und signalpolitisch motiviert war. Für Anleger bleibt damit entscheidend, ob Strategy den Spagat zwischen kompromissloser Bitcoin-Story und finanzieller Flexibilität glaubwürdig managen kann.
FAQ
Warum hat Strategy überhaupt Bitcoin verkauft?
Laut CEO Phong Le wollte das Unternehmen vor allem die eigenen Verkaufsprozesse testen, operative Flexibilität demonstrieren und potenzielle bilanzielle beziehungsweise steuerliche Spielräume schaffen.
Bedeutet der Verkauf eine Abkehr von der Bitcoin-Strategie?
Nach Darstellung des Managements nicht. Strategy betont, dass es sich nur um einen sehr kleinen Teil der Bestände handelte und das Unternehmen im selben Zeitraum netto sogar weitere Bitcoin gekauft hat.
Warum reagierten manche Investoren so kritisch?
Der Verkauf widerspricht für einige Anleger dem Image von Strategy als kompromisslosem Langfrist-Halter. Vor allem in der Krypto-Community wurde deshalb diskutiert, ob das frühere „Never sell“-Narrativ an Glaubwürdigkeit verliert.
Heute, 09:25