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Milliardenstrafen für die deutsche Autoindustrie?

Milliardenstrafen für die deutsche Autoindustrie?
Foto: Rich Stock/Jeppe Gustafsson/HB Photo/Filmbildfabrik/Shutterstock
Bayerische Motoren Werke AG -%
Philipp Schleu 16.09.2024, 17:00 Philipp Schleu

Nachdem die deutschen Autowerte in den letzten Tagen bereits stark unter Druck geraten sind, belastet heute ein internes Papier die Aktien weiter. In diesem wird von zwei Szenarien gesprochen: Entweder der Abbau von etlichen Arbeitsplätzen oder Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

Die Industrie sei nicht in der Lage, eine bevorstehende Verschärfung von EU-Klimavorgaben einzuhalten, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt. "Folglich wird die EU-Industrie mit Strafzahlungen in Milliardenhöhe konfrontiert." Wer Strafen entgehen wolle, habe "kaum eine andere Wahl, als die Produktion erheblich zu drosseln, was viele Arbeitsplätze in der EU bedroht", heißt es.

Hintergrund sind die sogenannten Flottengrenzwerte. Diese legen einen Grenzwert für den CO2-Ausstoß von Autos fest. Im Durchschnitt aller in der EU in einem Jahr zugelassenen Fahrzeuge darf dieser nicht überschritten werden. 

In dem internen Dokument heißt es weiter, ein effizienter Verbrenner liege im Schnitt bei rund 120 Gramm CO2 pro Kilometer. Entsprechend müsste auf vier zugelassene Verbrenner ein Elektroauto zugelassen werden, um keine Strafe zahlen zu müssen. Der Anteil an zugelassenen Elektrowagen stagniere aber und liege weit unter dem benötigten Niveau.

Daher könnten Strafzahlungen in Höhe von 13 Milliarden Euro allein für den Verkauf von Pkw bevorstehen. Hinzu kämen drei Milliarden Euro Strafe für leichte Nutzfahrzeuge wie Transporter. Diese haben zwar andere Grenzwerte, fallen aber ebenfalls unter das Gesetz. Volkswagen wäre als größter deutscher Autobauer am stärksten betroffen. Dieser Meinung ist auch UBS-Analyst Patrick Hummel in einer jüngsten Studie (DER AKTIONÄR berichtete).

BMW (WKN: 519000)

Damit es nicht so weit kommt, wird vorgeschlagen, einen Notfallartikel zu nutzen, der schon bei Corona zum Einsatz kam. Nach der im Papier vertretenen Auffassung könne die EU-Kommission so die Einführung schärferer Vorgaben um zwei Jahre verschieben. Jüngst hatte auch VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eine Verschiebung gefordert. Der deutsche Auto-Lobbyverband VDA drängt darauf, dass früher als vorgesehen überprüft wird, ob die EU-Vorgaben machbar sind.

Es wird immer schwieriger, die deutsche Automobilindustrie kurz- und mittelfristig positiv zu sehen. Entlassungen oder Strafzahlungen wären ein weiterer Schlag für die Branche und die Aktienkurse. Anleger bleiben an der Seitenlinie.

(Mit Material von dpa-AFX)

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