29.01.2010 Alfred Maydorn

Kursfeuerwerk bei Washington Mutual: Doch nicht insolvent?

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DAX
Trendthema

Nach einer Anhörung vor der Konkursrichterin Mary Walrath schießt der Kurs der Pleitebank am Freitag in Deutschland um rund 30 Prozent nach oben. Vor allem die Aussage der Richterin, dass der Markt Washington Mutual nicht als "hoffnungslos insolvent" bewerte, lässt Anleger aufhorchen.

Eine Anhörung vor der Richterin Mary Walrath macht den Anlegern von Washington Mutual neuen Mut. Sie hat einen Zusammenschluss von Aktionären zur Durchsetzung ihrer Interessen zugelassen. Besonderes Aufsehen erregte ihre Äußerung, dass der Markt aufgrund des noch immer regen Handels in Aktien und Anleihen der ehemals größten Sparkasse der USA nicht glaube, dass Washington Mutual "hoffnungslos insolvent" sei.

Die Deutschen greifen zu

Der Aktienkurs von Washington Mutual legt in Deutschland derzeit um knapp 30 Prozent zu und notiert bei 0,15 Euro. Bereits in den ersten eineinhalb Stunden wurden über sechs Millionen Aktien gehandelt. In den USA hatten die Anleger am Donnerstagabend keine Gelegenheit mehr, auf die Anhörung zu reagieren, da diese erst nach Börsenschluss begann. Allerdings dürften die Äußerungen der Richterin auch in New York die Hoffnungen der Anleger wecken, dass eventuell doch noch etwas bei der Pleitebank zu holen ist.

Sieben Dollar pro Aktie?

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg belaufen sich die gerichtlichen Forderungen von Washington Mutual auf 20 Milliarden Dollar. Demgegenüber stünden Verbindlichkeiten von lediglich acht Milliarden Dollar. Die Differenz von zwölf Milliarden Dollar ergibt bei 1,7 Milliarden ausstehenden Aktien einen Wert von über sieben Dollar pro Aktie.  

Heiße Spekulation

Weiterhin ist völlig ungewiss, welche Erfolgschancen die Klagen haben und was am Ende wirklich für die Aktionäre übrig bleibt, aber die gestrige Anhörung hat durch die Stärkung der Aktionäre und die Aussagen der Richterin die Spekulationen um die Pleite-Sparkasse wieder spürbar angeheizt. In den nächsten Tagen ist mit wilden Kursausschlägen zu rechnen.

Der Zombie tanzt wieder

DER AKTIONÄR hatte am Mittwoch auf die bevorstehende Anhörung hingewiesen und bei Kursen um 0,12 Euro spekulativen Anlegern vorgeschlagen, sich eine kleine Position ins Depot zu legen. Die Aussicht auf den erwarteten "Zombie-Dance" hat sich nun bestätigt - und er ist wohl noch lange nicht vorbei. Für Gewinnmitnahmen ist es noch zu früh. Im Gegenteil, wer auf heiße Spekulationen steht, kann sich um 0,15 Euro noch ein paar Aktien schnappen. Aber bei aller aufkommenden Euphorie sollte das Risiko eines Totalverlustes im Hinterkopf behalten werden.