Die Comebacks nach Corona
23.08.2020 Martin Mrowka

Wie weit können sich DAX und Co dem Abwärtsdruck kurzfristig entziehen?

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DAX

Der deutsche Aktienmarkt pendelt seit Wochen in einer Seitwärts-Range. Die Berichtssaison ist weitgehend gelaufen, Unternehmensnachrichten fallen als Kurstreiber zunehmend weg. Allerdings können frische Konjunkturdaten oder auch neue Botschaften zur Virus-Krise den Leitindex DAX jederzeit stark schwanken lassen. Möglich auch, dass sich die Kurse etwas lethargisch durch das vermeintliche Sommerloch tasten. Ein Wochenausblick.

Für Sorgenfalten sorgen die deutlich steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland. Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat am Freitag die Schwelle von 2.000 überschritten und den höchsten Wert seit Ende April erreicht. Die Gesundheitsämter haben 2.034 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet.

Die Wirtschaft warnt bereits vor einem zweiten flächendeckenden Lockdown. Eine solche Maßnahme wäre verheerend, die deutsche Wirtschaft wäre "für Jahre, vielleicht sogar ein Jahrzehnt schwer geschädigt", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK, Eric Schweitzer.

Der DAX  war am Freitag bei 12.764 Punkten ins Wochenende gegangen. Zum Wochenschluss dürfte der Verfall von Optionen auf Aktien und Indizes für einigen Einfluss gesorgt haben.

Auf Wochensicht ergibt sich für den DAX ein Minus von 1,1 Prozent. Die 50-Tage-Linie konnte zuletzt verteidigt werden. Sie verläuft derzeit bei 12.641 Punkten. Charttechnisch zeigt sich derzeit ein differenziertes Bild. Sollte der DAX nochmals abtauchen, müsste die 200-Tage-Linie bei gut 12.200 Punkten verteidigt werden. Sonst würde ein weiterer Rutsch drohen.

Nach oben hat sich bei 13.000 Zählern ein technischer Widerstand gebildet. Die nachhaltige Überwindung würde Potenzial bis zur oberen Parallele der grünen Aufwärtstrend-Linie eröffnen.

DAX (WKN: 846900)

Der amerikanische Aktienmarkt verabschiedete sich zum Wochenschluss mit Gewinnen. Getrieben von erfreulichen Konjunkturindikatoren und einer Kursrally bei den gewichtigen Apple-Aktien kletterte der Dow Jones Industrials am Freitag um 0,7 Prozent auf 27.930 Punkte. Damit konnte er sein drohendes Wochenminus in letzter Minute so gut wie ausgleichen. Eine Befreiung aus seiner jüngsten Seitwärtsspanne gelang ihm aber noch nicht.

Die jüngste Zuspitzung der Virus-Krise lastete zuletzt auf der Stimmung an den Börsen. "Die Mitte Juli begonnene Konsolidierung am Aktienmarkt schreitet voran", schrieb Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank. Nach dem spektakulären Einbruch infolge der weltweiten Shutdowns im März hätten die Börsen in den USA wie auch in Europa zunächst noch eine der schnellsten Erholungen ihrer Geschichte hingelegt.

Die Aussicht auf eine wirtschaftliche Entspannung habe dabei zu den treibenden Kräften gezählt. Nun aber dürften Unsicherheiten wie die Entwicklung der Corona-Pandemie oder der US-Präsidentschaftswahl diese Konsolidierung auch in den kommenden Wochen fortdauern lassen.

US-Wahlkampf

In Umfragen sieht es derzeit gut aus für Joe Biden, den demokratischen Herausforderer von US-Präsident Donald Trump – auch wenn man die Erhebungen wegen des Wahlsystems mit Vorsicht genießen muss. Allerdings könnte ein Wahlsieg Bidens unter anderem Steuererhöhungen für Unternehmen hervorrufen, was von Börsianern in der Regel nicht gern gesehen wird.

Etwas optimistischer äußerten sich die Experten der Weberbank: "Während die USA mitten im Wahlkampf ihre politische Uneinigkeit demonstrieren, fällt uns ein gewisser Einigungswillen in Europa auf, der ja bereits im Wiederaufbaufonds ein wichtiges Signal der Handlungsfähigkeit gesendet hat." Zusammen mit den günstigeren Bewertungen europäischer Aktien kehre nun auch das Interesse der Investoren zurück.

Für Robert Halver, den Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, bleibt den Aktienmärkten "ohnehin das Brot- und Butter-Geschäft, die Liquiditätshausse, erhalten". Zwar hielten sich die US-Notenbanker zunächst mit geldpolitischen Engagements zurück. Aber: "Angesichts der von Fed-Chef Jerome Powell grundsätzlich betonten Konjunkturrisiken ist aufgeschoben nicht aufgehoben." Im September werde die US-Notenbank wohl unmissverständlich klarmachen, dass eine restriktive Politik nicht ansatzweise in Sicht sei.

Konjunkturdaten

Hierzulande sollten sich die Anleger in der kommenden Woche unter anderem den Dienstag im Kalender dick anstreichen. Dann veröffentlicht das Münchener Ifo-Institut wieder seinen viel beachteten Geschäftsklima-Index. Dieser könnte für den Monat August laut Analyst Christoph Balz von der Commerzbank erneut deutlich zugelegt haben, wobei mehr und mehr auch die aktuell stark beachtete Lagebeurteilung weniger negativ ausfallen dürfte.

Analyst Christian Apelt von der Landesbank Helaba verwies auf die ebenfalls am Dienstag anstehenden Details "zum verheerenden Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals mit dramatischen Rückgängen bei Export, Ausrüstungsinvestitionen sowie beim privaten Konsum" hierzulande. Am Freitag aber werde der Konsumklimaindex des Marktforschers GfK wohl untermauern, dass die Trendwende geschafft sei.

Änderungen in der DAX-Familie

Bereits am Montag steigt dann der Essenlieferdienst Delivery Hero in den DAX auf. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin, das am Donnerstag auch Geschäftszahlen vorlegt, übernimmt den Platz von Wirecard. Der Zahlungsdienstleister ist nach einem milliardenschweren Bilanzskandal insolvent. Im TecDAX rückt Laserspezialist LPKF für Wirecard nach.

Außerdem zieht der Aufstieg von Delivery Hero aus dem MDAX noch weitere Index-Änderungen nach sich. Der im Index der mittelgroßen Werte frei werdende Platz wird vom bisherigen SDAX-Mitglied Aixtron besetzt. Für den auf die Chipindustrie ausgerichteten Spezialmaschinen-Bauer wiederum kommt die Baumarkt-Tochter von Hornbach Holding, Hornbach Baumarkt, in den Nebenwerteindex SDAX.

Außerdem melden noch einige Nachzügler ihre Quartalszahlen – unter anderem: Akasol, Aroundtown, Baloise, Coty, Encavis, Fielmann, Medtronic, Nordstrom, Rolls-Royce, Salesforce, Schoeller-Bleckmann, Stada, Tiffany und Urban Outfitters(Mit Material von dpa-AFX)

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