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15.12.2019 Martin Mrowka

Können DAX und Co nach den Entscheidungen in Brexit und Handelsstreit nun durchstarten?

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DAX

Das werden wohl noch richtig gute Börsentage im allmählich ablaufenden Jahr. Die lähmende Unsicherheit am Aktienmarkt ist nach dem klaren Sieg für Boris Johnson bei der britischen Parlamentswahl und dem vorläufigen Burgfrieden im US-chinesischen Zollstreit dem Wort "Jahresendrally" unter Marktkennern gewichen. Geht es mit DAX und Co jetzt schnurstracks weiter aufwärts?

Auch wenn noch immer nicht alle Fragen abschließend beantwortet sind, ist ein neuer Rekord beim deutschen Leitindex DAX für manch einen nur noch eine Frage der Zeit. "Drei Mal grünes Licht für die Börse", schreibt etwa Marktanalyst Milan Cutkovic vom Devisenhändler Axitrader.

Mit dem Teilabkommen im Handelsstreit habe Donald Trump den Anlegern ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk bereitet. Die Wahlergebnisse in Großbritannien sowie eine vorläufige Beibehaltung der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone hätten ebenfalls viele Fragezeichen aus dem Weg geräumt.

Mehr Sicherheit in Sachen Brexit

Der britische Premierminister Boris Johnson sicherte sich bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit und will den Brexit damit nun bis Ende Januar vollziehen. Über das Austrittsabkommen wollte er noch vor Weihnachten abstimmen lassen. Diesem Abkommen zufolge soll das Land bis Ende 2020 in einer Übergangsphase bleiben. Bis dahin will Johnson einen Vertrag über die künftigen Beziehungen mit der Staatengemeinschaft aushandeln. Eine Verlängerungsoption hatte der Premier bereits ausgeschlossen.

Zwar ist ein Austritt ohne Abkommen damit theoretisch noch möglich. Beobachter halten das nun jedoch für etwas unwahrscheinlicher. Stattdessen sei Sicherheit geschaffen worden: "Nach mehr als drei Jahren der Verzögerungen, des Aufschubs und des Gezankes, fängt der Brexit-Nebel endlich an, sich zu verziehen", schrieb CMC-Marktexperte Michael Hewson in einem Kommentar.

Einzelne Analysten erwarten noch 2019 neue DAX-Rekorde

In ihren Prognosen räumen Analysten dem DAX bis zum Jahresende durchaus noch die Kraft für einen Anstieg bis auf 13.500 Punkte ein. Das liegt nur knapp unterhalb der Anfang 2018 erreichten Rekordmarke von rund 13.597 Punkten. Charttechniker der Privatbank Donner & Reuschel sehen das kurzfristige Ziel sogar bei 13.600 Punkten. Doch wie so oft könnte gerade bei großem Optimismus an den Märkten noch eine negative Überraschung auf die Kurse drücken. Auch bleibt die technische Lage nach wie vor leicht überkauft, was gegen deutlich steigende Kurse spricht.

Am Freitag war der Leitindex DAX phasenweise schon über die Marke von 13.400 Punkten gestiegen - ein neues Hoch seit Januar 2018 (siehe Chart). Vorm Wochenende schloss er dann bei 13.282 Punkten - ein Wochenplus von 0,9 Prozent. Aufs Jahr gesehen hat der Leitindex bislang gut ein Viertel dazugewonnen.

Dem MDAX der mittelgroßen Werte haben die guten Nachrichten sogar auf ein neues historisches Hoch bei 27.899 Punkten zu einer neuen historischen Bestmarke getrieben. Im Wochenverlauf legte der MDAX um 1,6 Prozent zu.

DAX (WKN: 846900)

Konjunkturdaten zeigen weitere Richtung

Konjunkturseitig dürften in der kommenden Woche zu Beginn wieder die Einkaufsmanagerindizes für Dezember im Vordergrund stehen. Im November hatte sich die Unternehmensstimmung in der Eurozone insgesamt leicht verbessert. Dabei läuft es vor allem im Dienstleistungssektor rund. In der Industrie ging es nach langer Talfahrt zuletzt ebenfalls wieder etwas bergauf. Beobachter hoffen hier auf weitere Zeichen einer Stabilisierung.

Zudem steht zur Wochenmitte wieder der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland auf dem Programm. Auch hier gab es jüngst vermehrte Hinweise auf eine Stabilisierung der Wirtschaft. In den USA könnte Ende der Woche eine neue Schätzung über das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal für Bewegung sorgen. Die US-Wirtschaft präsentierte sich zuletzt robust.

Nachzügler mit Unternehmenszahlen

Von den Unternehmen will der Handelskonzern Ceconomy am Dienstag seine Jahreszahlen vorlegen. Ceconomy ist vor allem für seine Elektronik-Ketten Media Markt und Saturn bekannt. Nachdem es in Spanien, Italien und Deutschland zuletzt operativ besser lief, deutet sich eine etwas bessere Entwicklung an als zuvor gedacht. Das Ergebnis soll ungefähr auf Vorjahreshöhe liegen. Zuvor war der Konzern, dem vor allem die harte Online-Konkurrenz zu schaffen macht, jeweils von einem leichten Rückgang ausgegangen. Analysten liegen mit ihren Schätzungen dazu etwas unterhalb der Unternehmensprognose.

Vom Spezialmaschinenbauer und im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Konzern Isra Vision  kommen zudem am Montag Ergebnisse für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr. Den Darmstädtern macht ebenfalls eine schwächere Nachfrage zu schaffen, Großaufträge aus Europa und Asien hatten sich zuletzt verzögert. Die Umsatzziele musste das Unternehmen zuletzt herunterschrauben.

Am Donnerstag liefert noch Hornbach Zahlen aus dem dritten Geschäftsquartal. Der Baumarktkette geht es derzeit recht gut, sie zieht mehr Kunden an und spart gleichzeitig Kosten. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde somit jüngst angehoben. (Mit Material von dpa-AFX)

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